Fußball

Flick völlig aus dem HäuschenDramatische Final-Pleite für Real: Xabi Alonso entwertet den Wettbewerb

12.01.2026, 06:55 Uhr
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Die geschlagenen Real-Profis gehen geknickt vom Platz. (Foto: AP)

Der FC Barcelona jubelt, Real Madrid leidet: Das Finale des spanischen Supercups in Saudi-Arabien ist ein großes Spektakel. Der Titel soll der Mannschaft von Hansi Flick einen Schub geben. Für Xabi Alonso gibt's neuen Druck.

In der 96. Minute hoben sie kollektiv die Hände und konnten nicht glauben, was passiert war. Oder was eben nicht passiert war. Real Madrid hätte in dieser Minute den 3:3-Ausgleich im Finale des spanischen Supercups gegen den Erzrivalen FC Barcelona erzielen können, sogar müssen. Álvaro Carreras stand in allerbester Position wenige Meter vor dem Tor völlig frei, schoss den Ball aber in die Arme von Joan Garcia. Carreras ist Linksverteidiger und das hat Gründe, wie sich nun offenbarte.

Die Spieler des FC Barcelona jubelten vorsichtig. Noch war es nicht vorbei. Dieses Spiel hatte sie gelehrt, auf Führungen nicht allzu viel zu geben. Und noch einmal musste Garcia ran, Raúl Asencio köpfte in der 98. Minute auf sein Tor, wieder war der Torwart da. Danach war's geschafft. Die Katalanen und ihr Supertrainer Hansi Flick schnappten sich den nächsten Titel, den schon vierten ihrer gemeinsamen Zeit. Barça hatte den Sieg in diesem spektakulären Clasico ins Ziel geschleppt.

Alonso wertet den Titel ab

"Ich bin richtig stolz auf alle. Wir haben so gespielt, wie wir als Barça spielen wollen", sagte Flick im saudi-arabischen Dschidda. "Wir haben das Spiel kontrolliert. Das war nicht einfach, aber wir haben als Team gekämpft und das ist großartig zu sehen." Bereits im vergangenen Jahr ging dieser Titel an sein Team. "Der Supercup ist sehr wichtig für uns. Und ihn gegen Real Madrid zu gewinnen, macht ihn noch größer. Es ist ein großartiger Sieg." Xabi Alonso, der Trainer der Verlierer, eskalierte die Bedeutung der Niederlage derweil deutlich nach unten. "Es ist nur ein Spiel, ein Wettbewerb, und es ist der am wenigsten wichtige."

Aus der Heimat gab's kritische Töne, aber auch überraschenden Rückenwind für den ewig angezählten Trainer. Die "AS" schrieb: "Nun steht der Prozess gegen ihn an. Er hat zwar stichhaltige Argumente zur Verteidigung hervorgebracht, doch bei Real Madrid hinterlässt der Verlust eines Titels immer Narben." Allerdings sei es auch so: "Der Klub sollte ihm eine Chance geben. Er brachte Barca ins Wanken (...). Alonso hat einen Plan und braucht nur das nötige Vertrauen, um ihn umzusetzen."

In völlig anderen Sphären der Sicherheit und Anerkennung befindet sich dagegen Flick. Der sei, schwärmte Präsident Joan Laporta, ein "meisterhafter" Trainer. Er würdigte den Deutschen für "alles, was er und seine Mannschaft so fantastisch leisten" - und gab ihm nach dem spektakulären 3:2 (2:2) gleich den nächsten Auftrag: "Wir möchten an den Erfolg der vergangenen Saison anknüpfen und noch etwas mehr erreichen ..."

Klar, dass damit der Titel in der Champions League gemeint war. Mit diesem Trainer, mit diesem Team, da war sich der Barca-Boss sicher, muss auch der Henkelpott drin sein. Laporta zeigte sich begeistert vom "spektakulären Fußball zum Genießen" seines Klubs, zu dem "jeder" seinen Teil beitrage. An diesem Abend besonders der nicht zu stoppende Raphinha sowie die zwei Mittelfeldlenker Frenkie de Jong und Pedri. "Wir sind wie eine große Familie. Es sind die Spieler, ihre Eltern, die Geschwister; ihnen ist es gelungen, verschiedene Kulturen zu vereinen", lobte Laporta weiter. Auch eben dank Supertrainer Flick, der im saudischen Jeddah auch sein achtes Endspiel als Trainer siegreich bestritt. Was für eine unglaubliche Serie.

Barca mischt Real kräftig auf

Das Spiel zuvor war hinreißend gewesen. Von beiden Mannschaften. Barcelona spielte wie zu besten Zeiten unter Flick in der vergangenen Saison, als sich Europa schockverliebt hatte in dieses Team. Und Real hielt mit Kampf, Leidenschaft und einem im besten Sinne glühend heißen Vinicius Junior dagegen. Der hatte nach 18 Spielen ohne Tor endlich mal wieder getroffen. Und wie. Der nicht immer einfache Brasilianer war kurz vor der Halbzeitpause im Mittelfeld losgesprintet, fummelte zwei Gegenspieler aus und traf. 1:1 stand es nun, in der zweiten Minute der Nachspielzeit. Elf Minuten zuvor hatte Raphinha für Barca vorgelegt.

In der 85. Minute verließ Vinicius Junior das Feld. In der Vergangenheit war das häufiger mal ein kribbeliger Moment gewesen. Dieses Mal nicht. Keine Klagen, kein Drama. "Er hat um seine Auswechslung gebeten, vermutlich wegen der Erschöpfung, er hatte Krämpfe. Das Tor war überragend, außergewöhnlich, er war ein ständiger Unruheherd mit seinen Läufen", erklärte und lobte Alonso.

Vogelwilde Nachspielzeit in Halbzeit eins

Die angezeigte Nachspielzeit wäre nach dem Ausgleich eigentlich fast abgelaufen gewesen. Dort wurde es plötzlich absurd wild. Vini Junior hatte seine große Erlösung noch gar nicht realisiert, da lag Barcelona schon wieder vorn. Pedri spielte einen brillanten Pass auf Robert Lewandowski und der spitzelte den Ball mit der Fußspitze in der vierten Minute der Nachspielzeit über den Innenpfosten ins Tor. Aber der Wahnsinn ging noch weiter: Nach einer Ecke von Rodrygo klärte Raphinha auf der Linie einen Kopfball von Dean Huijsen an die Latte. Der Abpraller landete bei Gonzalo, der im Fallen an die Unterkante der Latte schoss. Von dort prallte der Ball in Minute 45+7 über die Linie, 2:2.

Endlich Pause in diesem atemlosen Spiel. Das bis zur 73. Minute brauchte, um wieder richtig ins Fliegen zu kommen. Raphinha brachte Barca zum dritten Mal in Führung, mit einem richtigen Kacktor aus Sicht von Real. Der Brasilianer zog vom Strafraum mit seinem schwächeren rechten Fuß ab, rutschte dabei aus, hatte aber Glück, dass Asencio entscheidend abfälschte. Erneut wild wurde es in der Nachspielzeit. Kapitän Frenkie de Jong sah nach einem heftigen und völlig unnötigen Tritt gegen Starjoker Kylian Mbappé direkt Rot, ehe Asencio sein Team fassungslos machte und den Titel in die Arme des FC Barcelona schoss.

Quelle: ntv.de, tno

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