Fußball

Weltmeister müde, Martínez verletzt Guardiola sorgt sich um seinen FC Bayern

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Vor allem die Verletzungsprobleme machen Josep Guardiola zu schaffen.

(Foto: imago/Revierfoto)

Mit Preußen Münster macht der Rekordmeister im DFB-Pokal kurzen Prozess, von guter Laune ist beim FC Bayern aber wenig zu spüren. Vor dem Start der Bundesliga zweifelt Trainer Josep Guardiola an seinem Team: "Wir sind noch nicht topfit."

Den Finger in die Wunde zu legen, war bestimmt nicht das Ansinnen der Münsteraner. Im Gegenteil. Anders als vier Tage zuvor beim Supercup im 56 Kilometer entfernten Dortmund empfingen die 16.797 Zuschauer im ausverkauften Preußenstadion an der Hammerstraße den FC Bayern zur Erstrundenpartie im DFB-Pokal westfälisch-freundlich. Als Sprecher Lennart Thies an diesem Sonntagnachmittag die Aufstellung der Münchner vorlas, erwähnte er extra, wer von ihnen sich seit fünf Wochen Fußball-Weltmeister nennen darf. Mario Götze wurde sogar als "unser WM-Finaltorschütze" vorgestellt.

Das war gut gemeint und kam auch gut an, das geneigte Publikum spendete viermal Applaus und brach einmal in Jubel aus. Und doch ist genau das ein erheblicher Teil eines größeren Problems, mit sich die Bayern herumschlagen. Die fünf deutschen Nationalspieler Manuel Neuer, Jérôme Boateng, Philipp Lahm, Thomas Müller und eben Götze haben anstrengende Wochen in Brasilien hinter sich, sind aber erst seit wenigen Tagen wieder im Training und suchen noch, das war beim 4:1 (2:0) in Münster zu sehen, nach ihrer Form.

Verletztenliste wächst

Bastian Schweinsteiger, der sechste im Bunde, hat sich beim Kurztripp in die USA bei seinem Kurzeinsatz in Portland gegen eine Auswahl der Major Soccer League am Knöchel verletzt. Nun plagt ihn auch noch die Patellasehne, sodass er nicht einmal beim Lauftraining mitmachen kann. Die "Bild"-Zeitung hebt die "Angst um Schweini" sogar auf die Titelseite und berichtet von schmerzstillenden Spritzen, die Schweinsteiger seit Monaten bekomme.

Zudem fehlen weiter Thiago Alcantara, dem im März bei der Partie gegen Hoffenheim das Innenband im linken Knie gerissen war, der französische Ex-Nationalspieler Franck Ribéry, den die Patellasehne zwickt, und der Brasilianer Rafinha, er vor einer Woche im Training einen Außenbandriss im linken Sprunggelenk erlitt. Als sei das alles nicht schon ärgerlich genug, wird nun auch mit Javier Martínez der defensive Schlüsselspieler nach seinem Kreuzbandriss im Supercup vermutlich mindestens ein halbes Jahr lang ausfallen.

"Ok, wir sind in der nächsten Runde"

Trotz allem reicht die Spielstärke der Münchner zwar immer noch aus, um den Tabellenzwölften der dritten Liga problemlos zu besiegen. Bereits am Freitag aber eröffnen die Bayern als Meister mit dem Spiel gegen den VfL Wolfsburg die 52. Saison der Bundesliga. Und Trainer Josep Guardiola, der heute genau 420 Tage im Amt ist, erweckt den Eindruck, als mache er sich ernsthaft Sorgen um die Wettbewerbsfähigkeit seiner Mannschaft. "Ok, wir sind in der nächsten Runde. Aber man hat gesehen, dass wir noch nicht topfit sind und noch Zeit brauchen. Einige Spieler haben noch nicht genug trainiert." Das klang nicht so, als glaube er daran, dass die vier Tage bis zum Bundesligastart reichen, sondern eher danach, als wolle er für den Fall eines Fehlstarts vorbauen. Zumal er nach dem 0:2 am vergangen Mittwoch gegen den BVB geklagt hatte: "Wir brauchen Zeit, die wir nicht haben."

Aber nicht nur das. Geht es nach Guardiola, braucht der FC Bayern auch einen Ersatz für Martínez. Ob er da etwas Neues berichten könne? Was ist mit Diego Godín von Atletico Madrid? Mit Stefan Savic vom AC Florenz? Oder mit dem am Wochenende hoch gehandelten Mehdi Benatia vom AS Rom? "Kein Kommentar", beschied der Spanier in Münster: "Wenn noch ein Transfer möglich ist, wäre das gut. Wenn es nicht möglich ist, werden wir mit den Spielern weiterarbeiten, die wir haben."

Was soll er auch anderes sagen? Und als hätte er gemerkt, dass das alles vielleicht ein wenig zu pessimistisch geklungen hatte, gab’s dann doch noch "eine schöne Nachricht". Die betraf Holger Badstuber, der nach zwei Kreuzbandrissen erstmals seit 20 Monaten bei einem Pflichtspiel in der Startelf stand und seine Sache neben Dante und Boateng auf der linken Seite der bayrischen Dreierabwehrkette recht ordentlich machte. Oder wie Guardiola es formulierte: "Er hat gut gespielt, wir sind sehr glücklich." Nur das Badstuber Teil der Lösung sein könnte, darauf möchte der Trainer offensichtlich noch nicht vertrauen. Er sucht weiter nach einem neuen Innenverteidiger. "Wir werden es probieren. Aber wir können auch mit dieser Mannschaft spielen." Zur Not, meint er wohl damit. Aber immerhin mit fünf Weltmeistern. In Münster finden sie das prima.

Quelle: ntv.de