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Ironie des Fußballs Guardiolas Man City feiert und will mehr

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"Guardiolas Champions werden in die Geschichte eingehen als eines der besten Teams, das den englischen Fußball je geschmückt hat."

AP

Dass Manchester City die Meisterschaft in England gewinnt, steht lange fest. Nur der Zeitpunkt kommt dann nach dem Aus in der Champions League so überraschend, dass Ilkay Gündogan gar nicht im Land ist - und Josep Guardiola auf dem Golfplatz.

Kapitän Vincent Kompany blieb nach dem Gewinn der englischen Fußballmeisterschaft mit Manchester City bescheiden. "Es ist erst ein Titel", sagte er - und vergaß dabei den eher unbedeutenden Ligapokal, den City im Februar geholt hatte. "Wir sind sehr glücklich und es ist toll, aber es liegt noch viel Arbeit vor uns, wenn wir das volle Potenzial dieser Mannschaft ausschöpfen wollen." Britische Medien sehen schon jetzt goldene Zeiten für das Team von Josep Guardiola anbrechen.

Der Trainer hatte die Nachricht vom Triumph auf dem Golfplatz bekommen. Der deutsche Nationalspieler und Ex-Dortmunder Ilkay Gündogan erfuhr beim Revierderby auf Schalke vom Titel. Weil Lokalrivale Manchester United überraschend gepatzt hatte, ist Man City in der Premier League seit Sonntag nicht mehr einzuholen. "Wir hatten nicht erwartet, dass United Punkte vergibt", gab Kompany zu. Nach dem 3:1 am Samstagabend bei Tottenham Hotspur hatten die Spieler am Sonntag frei. Viele verliehen ihrer Freude in den sozialen Medien Ausdruck. "Premier League Champions", schrieb Gündogan auf Twitter, "(ich bin) so glücklich, wo uns diese unglaubliche Reise hingeführt hat."

"Dämmerung einer blauen Ära"

Leroy Sané, mit dem Gündogan in der deutschen Nationalelf zusammenspielt, sprach von einem "verrückten Gefühl", sein belgischer Teamkollege Kevin De Bruyne von einer "unglaublichen Saison". Guardiola äußerte sich zunächst nicht. Von den Medien wurden der Trainer und sein Team gefeiert. "Guardiolas Champions werden in die Geschichte eingehen als eines der besten Teams, das den englischen Fußball je geschmückt hat", lobte die Tageszeitung "Guardian". BBC hob die "beeindruckende Leistung des Trainers" hervor. "Ein 16-Punkte-Vorsprung zu diesem Zeitpunkt der Saison ist kein Zufall", befand das Boulevardblatt "Mirror".

Dass Man City den Titel nun feiert, weil Rekordmeister Man United mit 0:1 gegen Liga-Schlusslicht West Bromwich Albion verlor, hat etwas Ironisches. Eine Woche vorher hatte City zuhause gegen den Stadtrivalen mit 2:3 verloren und die Meisterfeier vertagen müssen. Es war die erste Liga-Pleite zuhause, die zweite in der Liga. Guardiola sei nun "bereit, eine neue Manchester-Dynastie aufzubauen", meinte der "Telegraph". Der "Mirror" sah eine "Dämmerung einer blauen Ära".

Andere erinnerten an den vermeintlichen "Fluch", der zuletzt auf englischen Meistern lag. Seit neun Jahren hatte kein Team den Titel erfolgreich verteidigt. Vorjahres-Meister FC Chelsea verpasst in dieser Saison wohl sogar die Qualifikation für die Champions League. Doch anders als Antonio Conte, sein Vorgänger als Meistermacher, darf Guardiola im Sommer wohl wieder auf große Einkaufstour gehen. Dass Man City im FA Cup und in der Champions League vorzeitig ausgeschieden ist, trübt die Freude über die Meisterschaft. In der kommenden Saison wird Guardiola mehr als die Premier League gewinnen müssen, um die Vereinsbosse zufriedenzustellen.

Quelle: n-tv.de, Philip Dethlefs, dpa

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