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Lasogga zelebriert Hamburg-Derby HSV beendet Minimalismus im Pyro-Chaos

Lasogga lässt sich von seinen Fans feiern.

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Die Wochen des Minimalisten-Fußballs sind vorbei. Der Hamburger SV feiert im Zweitliga-Derby gegen den FC St. Pauli den höchsten Saisonsieg und macht einen großen Schritt zum Wiederaufstieg. Pyro-Vorfälle und ein drohender Abbruch überschatten allerdings das Spiel.

"Pierre-Michel Lasogga, ohohohoho", sangen seine Mitspieler, als der Torjäger des Hamburger SV nach Spielende endlich in der Kabine eintraf. Erstmals seit knapp 17 Jahren feierte der Absteiger vor 29.226 Zuschauern an diesem 25. Spieltag der 2. Fußball-Bundesliga wieder einen Derby-Sieg gegen den Stadtrivalen FC St. Pauli. Der Stürmer war mit seinen beiden Toren der Matchwinner, feierte das 4:0 (1:0) daher besonders ausgiebig. "Das bedeutet mir so viel. Ich identifiziere mich bis aufs Letzte mit dem Verein", sagte der 27-Jährige und haute eine Parole nach der anderen raus. "Wir hatten heute richtig Eier in der Hose", sagte er. "Es macht einen geil, wenn man auswärts spielt und die Fans gegen einen sind." Auch die klar unterlegenen Stadt-Rivalen bekamen ihr Fett weg: "Ich versuche immer, meine Gegner aufzufressen. Heute hat das gut funktioniert."

Für ihn und seine Mannschaftskameraden ging es allerdings nicht nur um das Prestige. Mindestens genauso wichtig ist die Erkenntnis, dass der HSV nach längerer Zeit wieder ein richtig gutes Fußballspiel abgeliefert hat. "Wir wurden in den letzten Wochen viel kritisiert. Heute haben wir gezeigt, was in uns steckt. Wir haben auch in der Höhe verdient gewonnen", analysierte Lasogga.

"Wir haben auf dem Platz die Antwort gegeben"

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Beim Stadt-Derby wurden Unmengen an Pyrotechnik verbrannt.

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Vor dem Derby herrschte rund um den Hamburger SV ein Hauch von Krisenstimmung. Der Bundesliga-Absteiger hatte am vergangenen Montag zwar mit 1:0 gegen die SpVgg Greuther Fürth gewonnen, allerdings ein insgesamt schwaches Spiel abgeliefert – wie so oft in den letzten Wochen. Die Hamburger hatten nur vier Punkte aus den vorherigen drei Partien geholt. Zu wenig für einen hochverschuldeten Verein, der alleine schon aus finanziellen Gründen zum Aufstieg verdammt ist.

Selbst wenn der einstige Bundesliga-Dino gewann, waren die Spiele meist keine souveräne Vorstellung. Die sechs vorherigen Siege wurden alle nur mit einem Tor Vorsprung gewonnen – und waren immer echte Zitterpartien. "Das war genau der richtige Zeitpunkt, um einmal mehr als ein Tor zu schießen. Es wurde viel geredet. Wir haben auf dem Platz die Antwort gegeben", sagte Aaron Hunt, der mit einem Freistoß das 1:0 vorbereitete, dann aber verletzungsbedingt ausgewechselt werden musste. Ob er am Samstag gegen den SV Darmstadt wieder auflaufen kann, ist ungewiss. Trotzdem gibt der Kapitän die Richtung vor: "Dieser Sieg gibt uns Kraft für die nächsten Wochen. Aber wenn wir im nächsten Spiel nicht nachlegen, fangen wir wieder von vorne an."

Lasogga warnt: Die Liga ist so ausgeglichen

Tabellarisch zeichnet sich ein Dreikampf um den Direktaufstieg ab. Der 1. FC Köln führt mit 51 Punkten die Tabelle an. Der HSV rangiert mit 50 Punkten auf dem zweiten Tabellenplatz. Union Berlin steht mit 47 Punkten auf dem Relegationsplatz. Der FC St. Pauli liegt dahinter – und hat den Bundesliga-Traum trotz Derby-Klatsche nicht gänzlich aufgegeben. Der zuletzt so treffsichere Alex Meier sagt: "Es sind nur vier Punkte bis zum Relegationsplatz. Solange da noch etwas geht, geben wir alles. Dass Köln und HSV das vorne unter sich ausmachen, ist keine Überraschung."

Für den HSV war der Derby-Sieg somit ein großer Schritt in Richtung Wiederaufstieg. "Wir haben nicht nur das Derby gewonnen, sondern auch einen Konkurrenten hinter uns gelassen und sind wieder auf Platz zwei gesprungen", so Lasogga, der allerdings auch eine Warnung ausspricht: "Die Liga ist so ausgeglichen. Jeder kann jeden besiegen."

Pyro-Technik: Man kriegt das nicht in den Griff

Polizei

Laut der Hamburger Polizei gab es einzelne körperliche Auseinandersetzungen nach dem Spielende. Vor dem Anpfiff hatten einige HSV-Anhänger versucht, die Kontrollstellen am Millerntorstadion zu überwinden. Während des Spiels störten Anhänger beider Fanlager immer wieder mit dem Gebrauch von Pyrotechnik - Schiedsrichter Felix Brych unterbrach mehrfach, ein Spielabbruch drohte. Insgesamt sei das Derby aber verhältnismäßig ruhig verlaufen.

Das Derby sorgte allerdings nicht nur sportlich für Aufsehen, sondern auch neben dem Spielfeld. Hatten die Zuschauer vor Anpfiff mit einer tollen Choreographie noch für Gänsehautstimmung gesorgt, so fabrizierten danach beide Fan-Lager ein "Pyro-Chaos". Mehrmals musste das Spiel unterbrochen werden. Zehn Minuten vor Spielende drohte sogar der endgültige Abbruch. Beide Mannschaften wurden in die Kabine geschickt. "Uns wurde gesagt, dass es besser ist, wenn jetzt nichts mehr passiert", sagte HSV-Trainer Hannes Wolf.

Auch Lasogga war von dem Ausmaß der Pyro-Technik überrascht: "Ich frage mich, wo die sich das alles immer reinstecken. Da kommt immer so viel Pyro ins Stadion." So bleibt die Erkenntnis, dass trotz aller Kontrollen und Strafandrohungen die Pyro-Problematik nicht in den Griff zu kriegen ist. "In jedem Stadion wird gezündet", sagte St. Paulis Sportchef Uwe Stöver. HSV-Sportvorstand Ralf Becker sieht das genauso: "Mittlerweile ist Pyro leider zu einem Bestandteil geworden, der dazu gehört. Man kriegt das einfach nicht in den Griff." Und was dachte Lasogga, als das Spiel unterbrochen wurde? "Das Schlimmste, was ich immer denke, ist, hoffentlich bricht der das jetzt nicht ab und meine Tore zählen nicht."

Die Sorgen waren unbegründet. Seine beiden Toren zählten, der Derby-Sieg genauso. Dementsprechend freudig tanzte Lasogga, als seine Mitspieler weiter sangen: "Pierre-Michel Lasogga, ohohohoho, Pierre-Michel Lasogga, ohohohoho."

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Quelle: n-tv.de

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