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Buli-Check: 1. FSV Mainz 05 Hände weg vom Panikknopf!

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Junge, komm bald wieder: Jean-Philippe Mateta, das ist der Mann links, wird dem 1. FSV Mainz 05 fehlen.

(Foto: imago images / Martin Hoffmann)

Der 1. FSV Mainz 05 geht in seine elfte Saison hintereinander in der Bundesliga. Auch wenn viele Fans das nicht gerne hören, aber eine zwölfte folgen zu lassen, ist keine Selbstverständlichkeit. Aber es wird klappen. Denn in Mainz haben sie eine einzigartige Qualität.

Wäre es nach den Fans und Verantwortlichen des 1. FSV  Mainz 05 gegangen, hätte die vergangene Saison in der Fußball-Bundesliga gerne ein bisschen länger dauern dürfen: Am 31. Spieltag feierte man gemeinsam den Klassenerhalt, danach lief alles wie von selbst. Auf ein begeisterndes 3:3 gegen RB Leipzig folgte ein für die Mainzer Seele wichtiges 2:0 in Frankfurt. Und zum Ausklang befreite die Mannschaft von Sandro Schwarz noch die TSG Hoffenheim mit einem 4:2 von internationalen Verpflichtungen für die Saison 2019/2020. Die gute Nachricht: Trotz eines happigen Auftaktprogramms stehen die Chancen gar nicht so schlecht, dass Trainer und Mannschaft den Aufwärtstrend über den Sommer retten können.

Was gibt’s Neues?

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Wo geht der Blick hin, Rouven Schröder? Der Manager muss noch Spieler organisieren.

(Foto: imago images / Eibner)

Nach einem großen Kommen und Gehen vor der vergangenen Saison, als die halbe Stammformation für viel, viel Geld ersetzt werden musste, konnten Sportvorstand Rouven Schröder und Trainer Schwarz diese Transferperiode gelassen angehen und den Kader mit Augenmaß verstärken. Jean-Philippe Gbamin ging erwartungsgemäß für 25 Millionen Euro zum FC Everton, ansonsten blieben alle Stammkräfte - teils mit frisch verlängerten Verträgen. Mit dem Franzosen Ronaël Pierre-Gabriel kam ein offensiverer Rechtsverteidiger, der Platzhirsch Daniel Brosinski wohl recht schnell den Rang ablaufen wird. Für die Zentrale verpflichtete man frühzeitig den Schweizer Edimilson, der zwei schwere Jahre in England (West Ham) und Italien (Leihe nach Florenz) hinter sich hat; auch Stürmer Dong-Won Ji sollte schnell in den Kampf um die Stammplätze eingreifen.

Dazu kam mit Jonathan Meier in Backup für U21-Europameister Aaron Martin von der Zweitvertretung des FC Bayern. Einen Innenverteidiger wollte Schröder noch holen, das wäre es dann gewesen. Doch dann verletzten sich erst Ji und, viel schlimmer, Mateta und auf einmal steht es um die Mainzer Transferbemühungen nicht mehr ganz so entspannt. Der Franzose hatte in seiner ersten Saison 14 Mal getroffen und wollte in dieser Runde nachlegen. Damit wird er nach einer Meniskus-Operation wohl erst zum Ende der Hinrunde loslegen können.

Auf was kommt es an?

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Wie in jedem Jahr: auf das Gespür von Sportvorstand Schröder. Schlagen die Zugänge so ein wie ihre Vorgänger, die sich nahezu ausnahmslos in der ersten Elf festspielten, steht eine entspannte Saison bevor. Stress könnte dann allenfalls verursachen, dass die Verantwortlichen Fragen nach höheren Saisonzielen beantworten müssten. Besonderes Augenmerk liegt aber auch auf Edimilson, dem Neuen aus der Premier League. Der ist seit dem Abgang von Gbamin in der Mittelfeldraute gesetzt - aus guten Gründen. Schröder bescheinigt dem 23-Jährigen "sowohl offensiv als auch defensiv eine immense Qualität, die er auf höchstem Niveau unter Beweis gestellt hat".

Der Trainer sekundiert und verspricht, dass "er uns mit seiner starken physischen Präsenz, Beweglichkeit am Ball und guten Technik sofort verstärkt". Hält der Schweizer, was sich seine Vorgesetzten von ihm versprechen, könnte das Mittelfeld auf einem neuen Level landen. Gbamin, der in den vergangenen beiden Jahren der bestimmende Mann im Mainzer Spiel sein sollte, konnte sein großes Potenzial nicht ausschöpfen. Offensiv werden Jean-Paul Boëtius, Robin Quaison und Karim Onisiwo in Matetas Abwesenheit für Tore sorgen müssen. Alle drei überzeugten in der abgelaufenen Saison - allerdings nicht durchgängig.

Was fehlt?

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Daniel Brosinski, etatmäßiger Elfmeterschütze von Mainz 05, könnte demnächst Bundesligageschichte schreiben.

(Foto: imago images / Kessler-Sportfotografie)

Ein Elfmeter. Ein verwandelter, um genau zu sein. Dann hätte die Mainzer 25 Elfmeter in Serie versenkt und wären damit alleiniger Rekordhalter. Bislang teilt man sich die historische Marke noch mit dem VfL Bochum. Ansonsten: ein Stürmer und ein Innenverteidiger. Dringend. Nach dem Lamento um den Mateta-Ausfall kommt es etwas überraschend, aber: Die Innenverteidigung ist die größere Baustelle, mit nur drei bundesligaerfahrenen Kräften (Niakhaté, Hack und Bell) und einem jungen Herausforderer (Gürleyen) darf da nicht viel passieren.

Und Schröder sucht auch keine Ergänzung, sondern eine Verstärkung - und bleibt dennoch entspannt: "Wir als Mainz 05 stehen natürlich nicht am Ende der Nahrungskette und können die Wartezeit nicht mit Geld verkürzen. Ich glaube, alle Positionen sind begehrt, bei den Innenverteidigern sind aber viele auf der Suche nach dem richtigen Profi. Da gilt es Ruhe zu bewahren", sagte er dem "Kicker". Das ist allerdings auch schon beinahe einen Monat her. Klar ist jedoch: In Mainz fährt man seit jeher gut damit, Aktionismus als Strategie zur Problemlösung außen vor zu lassen. Und auch mit dem nächsten satten Transferüberschuss in der Tasche werden Schröder und Schwarz keine verrückten Dinge versuchen. Das Vertrauen in den Kader ist groß.

Wie lautet das Saisonziel?

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Die Verantwortlichen von Mainz 05 wollen drin bleiben - und Spaß machen.

(Foto: imago images / Sven Simon)

Aus Mainz wird man vor einer Saison - vorbehaltlich des erfolgreichen Klassenerverbleibs - noch viele Jahre nichts anderes hören als: drinbleiben. Vielleicht lässt sich einer der Verantwortlichen mal zu einem offensiven "Wir wollen einen einstelligen Tabellenplatz erreichen" hinreißen. Wahrscheinlich ist das aber nicht. Warum auch? Seit Mainz 2009 in die Bundesliga zurückkehrte, durfte man Klubs wie dem VfB Stuttgart, dem Hamburger SV, Hertha BSC, Eintracht Frankfurt, Hannover 96 oder dem 1. FC Kaiserslautern auf dem Weg in die zweite Liga hinterherwinken. Große Ziele schießen halt keine Tore. Und eigentlich geht es ja auch nicht so sehr um Tabellenplätze (solange sie nördlich der 16 liegen), wie Schwarz dem "Kicker" diktierte: "Ein einstelliger Tabellenplatz wäre schön, aber noch schöner ist es, wenn die Fans nach Hause gehen und sagen: Mensch, der Fußball unserer 05er, der macht uns Spaß." Hach, schön.

Das sagt die Insiderin

"Mainz 05 ist ein Verein, der nach Jahren, in denen er behütet im Schatten großer Persönlichkeiten wachsen konnte, sich emanzipiert und über die handelnden Personen hinauswächst", erinnert Felicitas Boos von den Mainzer "Hinterhofsängern" an die Herausforderungen der jüngeren Vereinsgeschichte. "Dass so ein Prozess nicht schmerzfrei verlaufen würde, war zu erwarten, aber ungewohnt. Der FSV hat sich unter Präsident Stefan Hofmann, Schröder und Schwarz in den letzten zwei Saisons nicht nur stabilisiert, sondern auch weiterentwickelt. Der Mainzer Weg muss jetzt konsequent weiterverfolgt, vorgelebt und kommuniziert werden. Neben Sandro Schwarz sind mit David Wagner auf Schalke, Marco Rose in Mönchengladbach und Martin Schmidt in Augsburg drei weitere Bundesliga-Trainer mit Mainzer Vergangenheit in Amt und Würden. Es wird eine Saison mit viel Wiedersehensfreude, in der Gastgeschenke nicht eingeplant sind. Mainz ist so prominent in der Bundesliga vertreten wie noch nie. Hoffentlich verstehen mehr Menschen jetzt dein Einfluss von Mainz 05 auf den deutschen Fußball, was dem einen oder anderen 05-Fan helfen würde, sich über die eigene Geschichte noch mehr mit dem Verein zu identifizieren. Das ist besser, als vergangenen Zeiten und Größen nachzutrauern."

(Felicitas Boos ist ein Drittel der Mainzer "Hinterhofsänger", die einen regelmäßigen Podcast mit Themen rund um den 1. FSV Mainz 05 produzieren.)

Die Prognose von n-tv.de

Das Startprogramm

SC Freiburg (A)

Borussia Mönchengladbach (H)

FC Bayern München (A)

Hertha BSC (H)

FC Schalke 04 (A)

VfL Wolfsburg (H)

Schröder und Schwarz wissen, dass es in jedem Jahr erstmal darum gehen muss, drei Mannschaften hinter sich zu lassen. Mit einer klugen Marketingkampagne ("Unser Traum lebt!") hatte man in der letzten Saison auch die Mainzer Fans wieder eingefangen, die angesichts steigender Transfererlöse und -ausgaben ungeduldig wurden. Die Taktik, rhetorisch erstmal defensiv gut zu stehen, führte dazu, dass die Rheinhessen in ihre elfte Erstligasaison in Folge gehen - und sich in dieser Zeit dreimal fürs internationale Geschäft qualifizieren konnte. Das wird in dieser Spielzeit wohl nicht gelingen. Der längerfristige Ausfall von Torjäger Mateta wiegt schwer. Mit dem Abstieg wird man allerdings auch nichts zu tun haben - wenn Mannschaft und Trainer an die mutigen, temporeichen und mit viel Schärfe bestrittenen letzten Spiele der abgelaufenen Saison anschließen können. Da wurde Schwarz' Idee von einem mutigen, intensiven Fußball konsequent und mit Erfolg auf die Platte gebracht, ohne Angst vor eigenem Ballbesitz und trotz Rückschlägen mit viel Vertrauen in die gelernten Abläufe. Mainz macht den kollektiven "nächsten Schritt", bleibt drin - und spielt um einen einstelligen Tabellenplatz, auch wenn es keiner zugeben will.

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Quelle: n-tv.de

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