Fußball

"Scheint kein gutes Geschäft" Haller plagt schlechtes Gewissen nach Krebs-Schock

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(Foto: IMAGO/Revierfoto)

Er hat noch kein Spiel für Borussia Dortmund absolviert, da fällt Sebastien Haller mit der Schockdiagnose Hodenkrebs aus. Statt um den Ball dreht sich für den 28-Jährigen alles um seine Genesung. Wie es ihm geht, woran er als Erstes nach der Diagnose dachte und worauf er sich freut, erzählt er in einem Interview.

Sebastien Haller hat kurz nach seinem Wechsel zu Borussia Dortmund die Schockdiagnose Hodenkrebs verkraften müssen. Nicht ein Spiel hat der Nationalspieler der Elfenbeinküste für seinen neuen Klub bislang absolvieren können, der Sport ist zur Nebensache geworden. Alles dreht sich um seine Genesung. "Es läuft gut bei mir", sagte er nun im Interview bei ESPN.

"Ich habe das Glück, dass ich viele Menschen um mich herum habe und viel Unterstützung bekomme", so der 28-Jährige, der von Ajax Amsterdam zurück in die Fußball-Bundesliga gewechselt war. "Ich habe auch das Glück, dass ich mich nicht schlecht fühle. Ich kann immer noch jeden Tag spazieren gehen und Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden verbringen, also ist alles gut."

Nicht alles gut war bereits in der Vorbereitung bei Haller. Schon im Trainingslager in der Schweiz habe er sich nicht ganz fit gefühlt, erklärte er. "Ich hatte ein komisches Gefühl im Magen. Es tat nicht weh, aber es war einfach ein komisches Gefühl. Manchmal denkt man, dass es nach ein paar Tagen wieder verschwindet, aber es hat sich nicht richtig angefühlt. Also beschloss ich, mich untersuchen zu lassen." Auf eine Ultraschalluntersuchung folgte ein MRT, dann eine Biopsie, weil der Tumor zu erkennen war. Die Diagnose: bösartiger Tumor, Hodenkrebs. "Wenn man das Wort hört, ist das ein Schock", so Haller, der zum Interview mit einer Glatze erscheint.

Nicht einmal zwei Wochen war er zu diesem Zeitpunkt beim BVB und seine erste Sorge galt weder sich noch seiner Familie, sondern dem Verein. "Das Erste, was ich dachte, war: 'Komm schon, ich bin erst seit zehn Tagen hier und kann noch nicht einmal für den Verein spielen.' Wir haben viel für diesen Transfer getan. Alle waren glücklich und ich wollte unbedingt spielen", beschrieb der Stürmer seine Gedanken. "'Sie haben etwa dreißig Millionen Euro bezahlt und ich kann monatelang nicht spielen. Das scheint kein gutes Geschäft zu sein', dachte ich damals, aber wenn man weiter darüber nachdenkt, sieht man, dass man nichts dagegen tun konnte. Du hättest es nicht verhindern oder ändern können."

"Das wird ein schöner und emotionaler Moment sein"

Statt zu trainieren oder zu spielen, muss er nun erst einmal gesund werden. Fünf Tage lang musste er im Krankenhaus verbringen, 24 Stunden lang angeschlossen an die Infusionen, durch die die Chemotherapeutika in seinen Körper gelangen. "Du kannst dich nicht bewegen, du liegst nur im Bett. Besonders an diesen Tagen verliert man an Muskelkraft und Fitness", so Haller. Er habe daher anschließend sofort mit Laufen und Training im Fitnessstudio begonnen. Zudem spiele Ernährung eine wichtige Rolle: "Meine Frau und meine Mutter waren dabei, sodass ich auch gut essen konnte." Abgenommen habe er bislang nicht: "Ich bin sogar auf dem gleichen Stand wie vor ein paar Monaten. Das ist ein gutes Zeichen und ich hoffe, dass es so bleibt. Ich fühle mich sehr gut."

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Dass er noch einige Monate brauchen wird, um wieder zum Fußball zurückzukehren, ist Haller bewusst. Er sorge derzeit dafür, nicht allzu viel Muskelmasse zu verlieren. Dann hofft er auf einen guten Einstieg ins Training, bevor er wieder an ein Spiel denken kann. Doch er freut sich auf den Moment seines Comebacks. Oder eigentlich ja eher seine Ankunft in Dortmund: "Mein erstes Ziel ist es, wieder auf dem Platz zu stehen. Vor der 'Gelben Wand' zu spielen und mein erstes Tor zu schießen. Das wird ein schöner und emotionaler Moment sein."

Wichtig ist ihm nach seiner eigenen Diagnose auch, andere vor der Krankheit zu warnen. Er empfiehlt allen Männern eine regelmäßige Vorsorge: "Du hast keine Symptome. Nichts. Du spürst es nicht und alle Spieler werden dir das Gleiche sagen. Sie spürten nichts, und nach einer Blutuntersuchung wussten sie, dass es sich um Krebs handelte." Neben Haller fehlt in der Bundesliga derzeit auch Timo Baumgartl vom 1. FC Union wegen der Diagnose Hodenkrebs. Der 26-Jährige arbeitet inzwischen an seinem Comeback. Ebenfalls mit der Diagnose konfrontiert war Marco Richter von Hertha BSC. Ihn erwischte es leichter, nur 47 Tage nach der Feststellung der Krebserkrankung gab er am Samstag sein Comeback im Olympiastadion. Ausgerechnet gegen Hallers BVB.

Quelle: ntv.de, ara

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