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Relativ einfach zu ertasten Was man über Hodenkrebs wissen muss

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Hodenkrebs ist einerseits sehr selten, andererseits die häufigste diagnostizierte Krebsart bei Männern zwischen 25 und 45 Jahren. Gleichzeitig ist der "Krebs des jungen Mannes" gut therapierbar, allerdings nur, wenn er rechtzeitig erkannt wird. Die wichtigsten Antworten zu einem Tabu-Thema, das keines sein sollte, hat ntv.de zusammengetragen.

Wer bekommt Hodenkrebs?

In Deutschland werden dem Robert-Koch-Institut (RKI) zufolge jährlich rund 4200 Fälle von Hodenkrebs diagnostiziert. Tendenz steigend. Das Durchschnittsalter der Patienten liegt bei 38 Jahren. "Um die aktuelle Zunahme von Hodenkrebs zu erklären, müssen wir 30 Jahre zurückblicken, denn so lange dauert diese Krebsform, um sich zu entwickeln", wird Mark Schrader, Chefarzt der Urologie am Helios Klinikum Berlin-Buch und Leiter des Hodenkrebszentrums bei Focus zitiert. Denn bereits vor der Geburt, also noch in der Gebärmutter, werde festgelegt, ob später dieser Junge Hodenkrebs bekommen wird oder nicht.

Was sind die Ursachen von Hodenkrebs?

Doch sicher ist es nicht, wie es zu Hodenkrebs kommt. Manche Expertinnen und Experten halten es für möglich, dass die Ursachen dafür bereits im vorgeburtlichen Stadium zu suchen sind. Auch für Schrader ist denkbar, dass sogenannte Nahrungsöstrogene eine Rolle spielen könnten, die beim Embryo die Urkeimzellen verändern. Ein anderer Erklärungsansatz geht davon aus, dass Hormone im Trinkwasser, die durch östrogenhaltige Medikamente wie beispielsweise mancher Antibabypille verursacht werden, die Ursache für späteren Hodenkrebs sein könnten. Wissenschaftlich beweisen lassen sich diese Hypothesen allerdings nicht. Klar scheint dagegen zu sein, dass Männer selbst keine Verantwortung an der Entstehung von Hodenkrebs tragen. Denn weder zu langes Radfahren noch Rauchen sind Auslöser dafür oder begünstigen dessen Bildung. Prävention ist demnach nicht möglich, Früherkennung dagegen schon.

Wie macht sich Hodenkrebs bemerkbar?

Hodenkrebs macht sich am Anfang kaum oder gar nicht bemerkbar, denn viele Männer sind, vor allem wenn es sich um kleine Tumoren im Hoden handelt, beschwerdefrei. Manche Patienten spüren ein leichtes Ziehen, eine Verhärtung oder eine kleine Verdickung an einem Hoden, die aber schmerzlos sind. In seltenen Fällen gibt es Patienten, die über Rückenschmerzen berichten. Diese Beschwerden können durch Lymphknoten-Metastasen im hinteren Bauchraum verursacht werden. Ein mögliches Symptom ist auch, dass sich ein Hoden schwerer anfühlt als der andere. Jeder Mann, der eine Veränderung an seinem Hoden feststellt, sollte sich damit unbedingt bei einem Arzt, am besten bei einem Urologen, vorstellen.

Gibt es besonders gefährdete Männer?

Tatsächlich haben Mediziner Patientengruppen ausgemacht, deren Risiko an Hodenkrebs zu erkranken, größer ist als bei anderen. Dazu gehören alle Männer, die als Kinder unter einer Hodenfehllage wie Leisten- oder Pendelhoden beziehungsweise Hodenhochstand (Maldescensus testis) litten. Zudem scheint es eine genetische Komponente zu geben, denn Männer, bei denen der Vater oder der Bruder bereits an Hodenkrebs erkrankt sind, haben selbst auch ein erhöhtes Risiko, diese Tumoren zu entwickeln. Zudem gelten ein selbst überstandener Hodenkrebs sowie diagnostizierte Unfruchtbarkeit als Risikofaktoren.

Wie gut ist Hodenkrebs therapierbar?

"Der Hodentumor gehört zu den wenigen Tumoren, die sich exzellent heilen lassen", wird Professorin Susanne Krege, Direktorin der Klinik für Urologie, Kinderurologie & Urologische Onkologie der KEM Evangelische Kliniken Essen-Mitte, bei web.de zitiert. Rund 95 Prozent der Männer kann geholfen werden. "Aufklärung spielt deshalb eine große Rolle. Allerdings ist es insgesamt schwieriger, Männer in Sachen Krebsvorsorge zu erreichen als Frauen; da müssen Sie sich schon etwas einfallen lassen, damit das funktioniert“, betont die Urologin im Hinblick auf das kritisierte Video der Techniker Krankenkasse. Mit dem Aufklärungsvideo wollte die Techniker Krankenkasse (TK) eigentlich auf die Notwendigkeit der Hodenkrebs-Früherkennung aufmerksam machen. In dem Clip erklärt eine Pornodarstellerin, wie genau Mann seine Hoden untersuchen sollte.

Wie wichtig ist der regelmäßige Hoden-Check?

Für die frühe Diagnose ist die Selbstuntersuchung essenziell. Dabei genügt es, sich einmal im Monat Zeit zu nehmen und selbst abzutasten, denn Hodentumore sind leicht zu spüren. "75 Prozent der Hodentumore werden im Anfangsstadium festgestellt, weil sie viel besser ertastbar sind als beispielsweise bei der weiblichen Brust. Sie fühlen sich an wie eine Verhärtung, ähnlich einem Knoten in der Brust", erklärt Schrader laut web.de. Wichtig sei, dass sich beide Hoden homogen anfühlen.

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Ist man auch nach einer Hodenkrebstherapie zeugungsfähig?

Weil Hodenkrebs vor allem junge Männer trifft, ist die Frage nach dem Erhalt der Zeugungsfähigkeit sehr wichtig. Wird Hodenkrebs im frühen Stadium entdeckt, dann wird der Hoden in einer Operation entnommen und meistens durch ein Implantat ersetzt. Für die Zeugungsfähigkeit bleibt der andere Hoden. Erst wenn Hodenkrebs auch mit einer Chemotherapie bekämpft werden muss, kann es zu einer Beeinträchtigung der Zeugungsfähigkeit kommen. Doch auch für diese Fälle ist gesorgt: Seit 1. Juli 2021 übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für die sogenannte Kryokonservierung von Spermien vor einer keimzellschädigenden Therapie, zum Beispiel einer Chemotherapie gegen Hodenkrebs, schreibt der Krebsinformationsdienst. Allerdings hat dieses Gesetz Lücken und muss deshalb angepasst werden.

Quelle: ntv.de

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