Fußball

Zermürbt von Querelen und Intrigen Hannovers Schmadtke schmeißt hin

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"Wir haben uns auf der Basis eines guten Gesprächs getrennt": Jörg Schmadtke.

(Foto: dpa)

Sportlich hat er viel erreicht, richtig heimisch geworden ist er in Hannover aber nie. Bar aller Illusionen verlässt Jörg Schmadtke den Bundesligaklub. Und zwar sofort. "Ich gehe jetzt erst mal nach Hause." Den Nachfolger will Präsident Martin Kind nicht aus einem Vertrag herausholen.

Jörg Schmadtke hat nach turbulenten Wochen einen Schlussstrich unter die ständigen Querelen bei Hannover 96 gezogenen. Der Manager verlässt auf eigenen Wunsch mit sofortiger Wirkung den Fußball-Bundesligisten. Trotz überragender sportlicher Erfolge ist er bei den Niedersachsen in fast vier Jahren nie ganz heimisch geworden war. "Ich bedauere diese Entwicklung sehr", kommentierte Klubchef Martin Kind die Trennung, die nach den jüngsten Rücktrittsgerüchten keine ganz große Überraschung war.

"Es war eine sehr intensive, emotionale Zeit. Ich danke den Verantwortlichen, Mitarbeitern und Fans für die tatkräftige Unterstützung", teilte Schmadtke nach dem einstündigen Gespräch mit Kind mit. "Ich glaube, dass die Entscheidung richtig ist", sagte der bisherige Geschäftsführer, der zu seinen Zukunftsplänen nicht konkret Stellung bezog: "Ich gehe jetzt erst mal nach Hause." Der 49 Jahre alte Manager, der 2009 in Hannover angefangen hatte und zwei Jahre später zum Geschäftsführer Sport befördert wurde, wird bereits am Samstag beim Heimspiel gegen den deutschen Meister Bayern München nicht mehr neben Trainer Mirko Slomka auf der Bank sitzen. Er wurde einvernehmlich freigestellt, der unbefristete Vertrag zum 30. Juni aufgelöst.

Konflikt zwischen Trainer und Manager

Unter der Regie des ungleichen Duos Schmadtke/Slomka hat sich das Team zweimal für die Europaliga qualifizieren. Trotz dieser Erfolge schwelte seit der Verpflichtung von Slomka im Januar 2010 drei Jahre lang ein Konflikt zwischen Trainer und Manager, der von Clubchef Kind mit missverständlichen Äußerungen zusätzlich angeheizt wurde. Der Vereinspräsident kritisierte zuletzt öffentlich die mangelhafte Kommunikation der beiden Führungskräfte. Das ärgerte Schmadtke offensichtlich. "So zu tun, als sei ich ein Stummfilmstar und spreche nicht, ist nicht richtig", hatte er am Montag gesagt.

Vor einem Jahr hatte der frühere Bundesliga-Torwart schon einmal um die Auflösung seines Vertrages aus privaten Gründen gebeten. Damals konnte Kind ihn zum Bleiben überreden. Nach einer mehrmonatigen Auszeit zog der Manager mit seiner Familie nach Hannover. Diesmal blieb Schmadtke bei seiner Meinung. Er hatte sich zuvor mit der "Bild"-Zeitung überworfen, der er eine Kampagne vorwarf. Der Springer-Verlag wies den Vorwurf zurück. Kind führte vier Tage später ein Interview mit der Zeitung, in dem er sich für den Verbleib von Schmadtke und Slomka aussprach.

Der Vereinschef muss nun einen Nachfolger für Schmadtke suchen, der nach Meinung vieler Fans der beste Manager des Vereins war. Als mögliche Kandidaten werden Martin Bader (1. FC Nürnberg), Dietmar Beiersdorfer (St. Petersburg) oder der frühere Hoffenheimer Jan Schindelmeiser genannt. Kind möchte dabei keinen Manager aus einem Vertrag herausholen. "Rauskauf ist kein Thema"

Quelle: ntv.de, Peter Hübner, dpa