Fußball

"Uns Trainer braucht keiner" Hecking und Funkel üben harsche Kritik

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Dieter Hecking muss Borussia Mönchengladbach verlassen - und geht sehr nachdenklich.

(Foto: imago images / Eibner)

Dieter Hecking muss seinen Herzensverein Borussia Mönchengladbach ein Jahr vor Vertragsende verlassen. Dabei führt er den Fußball-Bundesligisten in die Europa League. Genau dieser harsche Umgang mit den Trainern ärgert auch seinen Kollegen Friedhelm Funkel.

Mit deutlich kritischen Worten hat sich Dieter Hecking bei Borussia Mönchengladbach verabschiedet. Nicht im Groll, aber wehmütig und sehr nachdenklich. Der grundsätzliche Umgang mit Trainern in der heutigen Zeit passt ihm gar nicht, machte er nach dem 0:2 (0:1) gegen Borussia Dortmund deutlich. "Viktoria Köln entlässt den Trainer als Tabellenerster am vorletzten Spieltag, Markus Anfang muss in Köln als Meister gehen und Niko Kovac steht beim FC Bayern in Frage, obwohl er vielleicht das Double holt. Unabhängig von meiner Person zeigen die drei Beispiele, dass man uns Trainer nicht braucht. Wir können zuhause bleiben", sagte Hecking. "Bei Misserfolg wissen wir, was uns blüht. Aber wir dachten, im Erfolgsfall geht es uns gut. Das scheint sich zu drehen und das tut den Trainern überhaupt nicht gut. So darf es nicht weitergehen."

Bestätigung bekam er von seinem erfahrenen Kollegen Friedhelm Funkel: "Es ist in der Art und Weise nicht nachzuvollziehen", sagte der Trainer von Fortuna Düsseldorf am Samstag im ZDF-Sportstudio. "Ich will nicht unbedingt sagen, dass wir die Mülleimer sind. Aber die Trainer haben es schon schwer. Und es wird immer schwerer für uns, weil das eine aufgeblasene Welt ist. Das muss man einfach so sagen", meinte Funkel. In der Winterpause stand er selbst im Mittelpunkt einer Vertragsposse. Am Ende einigte man sich auf Weiterbeschäftigung und er führte die Fortuna auf Platz zehn der Tabelle - und schaffte damit eine kleine Sensation

"Nicht die Mülleimer von allen Menschen hier"

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Funkel kennt sich mit Vertragspossen aus.

(Foto: imago images / Martin Hoffmann)

Wenn man sehe, dass selbst sehr erfolgreiche Trainer in Frage gestellt oder ausgewechselt würden, dann sei das nicht nachzuvollziehen, so der 65-Jährige. Der Trainer nannte Hecking und Bruno Labbadia vom VfL Wolfsburg als Beispiele. Beide hätten tolle Erfolge erzielt und "trotzdem können beide nicht weitermachen", meinte Funkel. Man müssen schon aufpassen, dass wir miteinander viel, viel besser umgehen. Genau das forderte auch Labbadia nach seinem letzten Spiel als Wolfsburg-Trainer. Wiederholt hat der 53-Jährige den Umgang mit den Trainer angemahnt. Im Oktober 2012 sagte er als Coach des VfB Stuttgart: "Die Trainer in der Bundesliga sind nicht die Mülleimer von allen Menschen."

Hecking, der jetzt erstmal zu seiner Familie in Bad Nenndorf zurückkehren wird, plant - wohl auch aus diesem Grund - nicht sofort wieder als Chefcoach einzusteigen. "Im Moment kann ich das ausschließen", sagte der 54-Jährige. "Aber man weiß ja nie, was übermorgen ist." Der 54-Jährige weiter: "Ich werde mir die Donnerstagabende frei halten und mir die Europa-League-Spiele von Borussia Mönchengladbach im Fernsehen anschauen." Zuvor war der Coach im Borussia-Park mit viel Emotionen verabschiedet worden und konnte die Tränen nicht zurückhalten. "Wenn man zweieinhalb Jahre bei so einem tollen Klub arbeiten darf, ist das schon etwas Besonderes", sagte Hecking.

Für Hecking war Borussia ein Herzensangelegenheit. Darum seien die vergangenen sieben Wochen auch die schwierigsten in seiner Trainerkarriere gewesen. Kaum einem anderen Klub hätte er im Dezember 2016 kurz nach dem Ende seiner Tätigkeit beim VfL Wolfsburg zugesagt. Er hat selbst am Bökelberg die ersten Schritte zum Profifußballer gemacht und war jetzt bereits der zehnte Gladbacher Cheftrainer, der zuvor auch als Spieler für Borussia unterwegs war. "Er ist ein großartiger Mensch und hat die Situation mit Bravour gemeistert", sagte Sportdirektor Max Eberl. "Wir haben viel zusammen erlebt. Er ist ein toller Coach, da ist es nicht einfach, wenn man auseinandergeht", sagte Torhüter Yann Sommer. Doch das hören Trainer offenbar viel zu selten.

Quelle: n-tv.de, ara/dpa

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