Fußball

Keulenschlag vor der Königsklasse Heimklatsche schockt den BVB

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Der Endstand in Dortmund: Bitter für BVB-Fans, großartig für den HSV-Anhang.

(Foto: dapd)

Ausgerechnet vor dem Achtelfinal-Hinspiel der Champions League bei Schachtjor Donezk kommt Meister Borussia Dortmund in der bisher starken Rückrunde ins Straucheln. Die höchste Heimniederlage seit 2009 nimmt sogar Berufsoptimist Jürgen Klopp erstmal jede Zuversicht.

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Jürgen Klopp waren jedes Gegentor und jeder Fehler seiner BVB-Überflieger anzusehen.

(Foto: dapd)

Jürgen Klopp war restlos bedient. Das unrasierte grimmige Gesicht unter der schwarz-gelben Baseball-Kappe sprach Bände. "Ich habe nach dem Schlusspfiff gemerkt, das Leben geht weiter und endet nicht mit so einem Dreck", haderte der Trainer des deutsche Meisters Borussia Dortmund, sprach von einem "gebrauchten Tag", gratulierte nach der 1:4 (1:2)-Heimpleite brav dem "starken Hamburger SV" und versuchte, seinen Optimismus wiederzugewinnen.

"Denn den habe ich zurzeit nicht in mir. Aber ich kenne mich gut genug, um zu wissen, dass das morgen anders ist", ergänzte der BVB-Coach nach der dritten Heimniederlage der Saison, der ersten in der Rückrunde und höchsten seit dem 12. September 2009 (1:5 gegen Bayern München). Vier Tage vor dem Achtelfinal-Hinspiel am Mittwoch (20.45 Uhr/ZDF) bei Schachtjor Donezk traf die Niederlage die Westfalen wie ein Keulenschlag.

"Solche Scheißtage gehören dazu"

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Abwehrchef Mats Hummels ließ sich vor dem 1:2 austricksen.

(Foto: dapd)

Mit hängenden Köpfen schlichen die BVB-Verlierer sie nach einer turbulenten Begegnung in die Kabine. Es lief wirklich nicht viel und einiges gegen die Borussen. Die Fans feierte sie dennoch demonstrativ. Dazu Klopp: "Leider gehören solche Scheißtage zum Leben eines Fußballers dazu." Kapitän Sebastian Kehl wollte es damit nicht bewenden lassen: "Wir haben zu Hause vier Gegentore kassiert. Darüber muss man reden."

Die Westfalen ohne die erkrankten Marcel Schmelzer und Kevin Großkreutz fanden keinen Rhythmus, weil der gebürtige Dortmunder Thorsten Fink seine Mannschaft exzellent eingestellt hatte. Dennoch erzielte Robert Lewandowski seinen 14. Saisontreffer (17.), bevor Artjoms Rudnevs (18.) zum Ausgleich und Heung-Min Son (26.) mit einem Sonntagsschuss den BVB-Nerv empfindlich traf.

Fünf Minuten später sah zu allem Überfluss Lewandowski nach einer unglücklichen Aktion gegen Per Skjelbred die Rote Karte. "Das hat schon gegen die Moral gedonnert. Danach wurde es wild, alles wurde hektisch und als ungerecht empfunden. Aber das ist menschlich", resümierte Klopp. Dass sich seine Mannschaft trotz Unterzahl vehement gegen den Rückschlag wehrte, wollte der 45-Jährige als positiven Aspekt mitnehmen. Das 1:3 durch Rudnevs (62.) und 1:4 von Son (89.) machten schließlich den Dortmunder Frusttag perfekt.

Meisterschaft gegen den Meister

Beim BVB wolle man sich mit dem Blick auf Donezk auch nicht damit trösten, dass man in dieser Saison vor einem Champions-League-Auftritt immer größere Probleme gezeigt habe. "Wir sollten am Mittwoch besser sein, und ich denke, das wird gelingen", so Klopp.

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Unverhoffte Sieger, aber das verdient.

(Foto: dapd)

HSV-Coach Fink musste den unverhofften Triumph erst einmal sacken lassen. "Wir haben das gefeiert wie eine Meisterschaft", meinte Rafael van der Vaart, "wir waren heute die bessere Mannschaft." Am Ende konnte auch das Rot wegen einer Notbremse gegen Jeffrey Burma (59.) die Freude über den zweiten Sieg über den Meister nach dem 3:2 im Hinspiel nicht trüben.

Schwarzgelbe Heimschwäche

"Das ist kaum zu glauben, weil der BVB normalerweise zu Hause eine Macht ist. Das sollte uns Auftrieb geben", äußerte Dennis Aogo und – lag damit falsch. Das 1:4 gegen den HSV war schon die dritte Dortmunder Heimniederlage in dieser Saison. Von den vergangenen sieben Heimspielen hat der BVB nur zwei gewonnen. In der Heimtabelle ist der Noch-Meister nur Neunter.

Mit einem Auswärtssieg gerechnet hatte nach Hamburgs 0:2-Heimniederlage am vergangenen Wochenende gegen Frankfurt dennoch niemand. Deshalb genoss Fink den Moment und vermied jegliche ausschweifende Analyse nach dem dritten Auswärtssieg. Linksverteidiger Marcell Jansen hofft auf eine Initialzündung beim HSV: "Der Sieg war so wichtig für uns." Die Fans träumen indes schon wieder von einem Europapokal-Platz.

Quelle: ntv.de, sid