Fußball

"Mit Werten nicht vereinbar" Hertha feuert Torwarttrainer nach Interview

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Petry ist seit seinem Karriereende 2005 als Torwarttrainer tätig, erst in Paderborn, dann in Hoffenheim und nun mit kurzer Unterbrechung seit 2015 bei Hertha.

(Foto: imago images/Christian Schroedter)

Hertha BSC lehnt eine öffentliche Reaktion zunächst ab, die Meinung vieler Fans scheint aber eindeutig. Torwarttrainer Zsolt Petry kritisiert im Interview mit einer regierungsnahen ungarischen Zeitung die Migrationspolitik Europas und die Unterstützung für homosexuelle Menschen.

Torwarttrainer Zsolt Petry vom Fußball-Bundesligisten Hertha BSC hat mit fragwürdigen Aussagen zu den Themen Homosexualität und Zuwanderung für Irritationen gesorgt - und anschließend seinen Job verloren. Geschäftsführer Carsten Schmidt wird in der Mitteilung dazu so zitiert, "dass die getätigten Äußerungen insgesamt nicht den Werten von Hertha BSC entsprechen".

Petry kritisierte in einem Interview mit der regierungsnahen ungarischen Tageszeitung "Magyar Nemzet" den Einsatz des ungarischen Torhüters Peter Gulacsi von RB Leipzig für einen Verein, der unter anderem die Homo-Ehe unterstützt. Er verstehe nicht, was seinen Landsmann Gulacsi dazu bewogen habe, "sich für Homosexuelle, Transvestiten und Menschen sonstiger geschlechtlicher Identität einzusetzen", sagte Petry.

Gulacsi hatte sich jüngst klar gegen Homophobie positioniert. Der 30-Jährige kritisierte dabei das Ende Dezember verabschiedete Gesetz, nach dem homosexuelle Paare keine Kinder adoptieren dürfen. "Jeder Mensch hat das Recht auf Gleichberechtigung", schrieb der Schlussmann: "So hat auch jedes Kind das Recht, in einer glücklichen Familie aufzuwachsen - ganz egal, aus wie vielen Menschen sie besteht, welche Hautfarbe man hat, wen man liebt oder an was man glaubt." Die Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban steht seit längerem in der Kritik, nicht nur wegen ihrer LGBTQ-feindlichen Politik.

Der 54-jährige Petry, der mit Unterbrechungen seit 2015 bei den Berlinern arbeitet, vertrete selbst eine konservative Linie. Auch beim Thema Migration. "Ich verstehe gar nicht, wie Europa moralisch so tief sinken konnte, wie jetzt. (...) Europa ist ein christlicher Kontinent, ich sehe den moralischen Niedergang nicht gerne, der den Kontinent niederfegt", sagte Petry: "Die Liberalen blasen die Gegenmeinungen auf: Wenn du die Migration nicht gut findest, denn schrecklich viele Kriminelle haben Europa überlaufen - dann werfen sie dir sofort vor, dass du ein Rassist bist." Petry selbst spielte als Profi neben seiner Heimat Ungarn auch in Belgien, der Türkei, den Niederlanden, Finnland und Deutschland.

In den sozialen Medien gab es viel Kritik für die Aussagen Petrys. So gilt es als verbreitete Taktik rechter Argumentation, mit dem Vorwurf, als "Rassist" bezeichnet zu werden, jegliche Kritik als unberechtigt von sich zu weisen. Hertha reagierte am Tag nach der Veröffentlichung - und trennte sich infolge des "vorher nicht bekannten Interviews" mit sofortiger Wirkung von Petry: "Hertha BSC hat die Charta der Vielfalt unterschrieben und setzt sich als Verein aktiv für Werte wie Vielfalt und Toleranz ein, weil uns diese Werte wichtig sind. Dies findet sich in den Äußerungen von Zsolt Petry, die er als unser Mitarbeiter öffentlich getätigt hat, nicht wieder."

Quelle: ntv.de, tsi/dpa

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