Fußball

Der neue "11 Leben"-Podcast Hoeneß stresste den FC Bayern schon früh

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Tja, ...

(Foto: dpa)

Einer der erfolgreichsten Fußballer Deutschlands zu sein, das war das Ziel, das Uli Hoeneß anstrebte - und tatsächlich auch erreichen sollte. Doch der Weg auf den Fußball-Olymp wurde nicht zu dem Selbstgänger, wie ihn sich Hoeneß sicher gewünscht hätte. Im zweiten Teil seines Podcastes "11 Leben - Die Welt von Uli Hoeneß" widmet sich Journalist Max-Jacob Ost dem einmaligen Aufstieg von Uli Hoeneß. Einem jungen Fußballspieler, der gerade die Provinz von Ulm verlassen hatte, um beim FC Bayern München (zumindest offiziell) als Gärtner anzufangen - und mit 22 Jahren alles gewinnt, was es zu gewinnen gilt. Sein Ehrgeiz und Egoismus hätten jedoch fast den großen Traum vom WM-Titel 1974 platzen lassen: Hoeneß verschweigt eine fiebrige Grippe, um im WM-Finale zu spielen - und verursacht bereits nach 60 Sekunden einen Elfmeter.

Vor dem WM-Titel stand zunächst der Anfang beim FC Bayern: Neue Stadt, neue Wohnung - gemeinsam mit Paul Breitner in einer Wohngemeinschaft. Doch anders als die Wohnsituation in München gestaltet sich der Anfang beim FC Bayern holprig. "Der Uli wusste, was er wollte", erinnert sich Franz "Bulle" Roth im Podcast "11 Leben" an seinen talentierten, aber bereits sehr unbequemen neuen Teamkameraden, "aber wir waren damals ja schon die erfahrenen Spieler. Da mussten sie [Uli und Paul] sich schon ein bisschen unterordnen." Unterordnen, das ist etwas, das nicht zu Hoeneß' Stärken zählt - damals wie heute. Beflügelt vom Rückenwind der Presse war er mit gerade einmal 18 Jahren schon der Lautsprecher, sodass Hoeneß "nicht nur mit Kondition, sondern auch mit flotten Sprüchen auffällt", so Podcast-Host Max-Jacob Ost.

Es sind Breitseiten, die er offen an verdiente Mitspieler wie Gerd Müller, Erich Maas und nicht zuletzt an "Kaiser" Franz Beckenbauer verteilt, die das Kapitel FC Bayern schon früh zu beenden drohen. "Wenn ich so als junger Spund aus Ulm in so ein Mannschaftsgefüge komme", erinnert sich Sportjournalist und Hoeneß-Biograf Peter Bizer, "und dann schon Ansprüche stelle, da kommt schon Gegenwind, das ist schon klar." Trainer Udo Lattek zieht daher die Reißleine und initiiert eine Aussprache zwischen Hoeneß und der Mannschaft. Mit Erfolg. "Der Paul und der Uli hatten natürlich die Unterstützung von Udo Lattek", so Bizer, "da muss man eine Aussprache halten und dann war er voll integriert - und wurde einer der besten Stürmer in Deutschland oder sogar Europa".

Olympia und das Image der Raffgier

Und als eben dieser darf Hoeneß zu den Olympischen Spielen in München - wegen derer er immerhin auf seinen Profi-Vertrag verzichtet hat und offiziell nur als Gärtner bei Bayern München angestellt ist. Doch statt zum Star "wurde er zum Nebendarsteller", so Max-Jacob Ost. Der große Erfolg für Deutschland und Hoeneß misslingt nach dem 4:1 gegen Ungarn - nur einen Tag nach dem Olympia-Attentat. Hoeneß nach den Spielen: "Ich weiß, ich habe als Fußballer einiges von meinem Image eingebüßt, man hat einfach von mir zu viel erwartet. Olympia, das möchte ich sagen, war eine gute Lehre für mein zukünftiges Leben."

Und das Image sollte ambivalent werden. Ottmar Hitzfeld, der statt Hoeneß die Tore bei Olympia schießt, sagt anschließend über Hoeneß: "Er ist mit dem Porsche rumgefahren, während wir im Mannschaftsbus saßen." Er skizziert damit genau das Bild, welches in der deutschen Öffentlichkeit von Hoeneß dominiert: Nicht nur ein dynamischer Fußballspieler, sondern ein Mensch, der seinen Wert kennt und ausreizt. Auch deswegen kommt es fast zum Bruch mit dem FC Bayern, denn die Forderungen, die er an seinen Profi-Vertrag knüpft, sind seinem Arbeitgeber schlicht zu hoch. Doch dank seines Verhandlungsgeschicks unterschreibt Hoeneß nach zähem Ringen im Oktober 1972 dann doch noch seinen Profi-Vertrag und bildet mit Breitner und Beckenbauer eines der stärksten Teams in der Geschichte der Bayern.

Zur Weltmeisterschaft im eigenen Land 1974 legt sich Bundestrainer Helmut Schön bereits früh fest, als er sagt, dass Hoeneß der Star des Turniers würde. Doch so einfach sollte es nicht werden. Hoeneß vergibt viele Chancen. Als dann sogar die BRD das Prestigeduell gegen die DDR verliert, ist die deutsche Presse entsetzt. Das Urteil über Hoeneß' Leistung ist vernichtend: "Lief sich in der ersten Halbzeit halb tot und war vom Pech verfolgt. Nach der Halbzeit musste man Hoeneß auf dem Spielfeld suchen. Er war mausetot und nicht mehr zu sehen", recherchiert Max-Jacob Ost die damalige Einzelkritik nach dem DDR-Spiel.

Hoeneß geht mit Fieber ins Finale

Dennoch schafft es Deutschland ins Finale - wo ein "typischer Hoeneß", so sein ehemaliger Mitspieler Bernd Dürnberger, fast den Triumph kostet: "Ich kann mich an das Endspiel '74 erinnern", so Dürnberger über Hoeneß, "wo er mit Fieber ins Spiel ging". Und nach 60 Sekunden verursacht ein überehrgeiziger Hoeneß auch prompt den Elfmeter, der zum 1:0 für die Niederlande führt. Und dennoch: Deutschland dreht dieses Spiel und somit hat Uli Hoeneß mit 22 Jahren jeden großen Titel gewonnen, den es zu holen gibt: DFB-Pokal, Meisterschaft, Europapokal, Europameister, Weltmeister.

Doch es ist nicht nur Glück, Ehrgeiz und Physis, in denen Max-Jacob Ost den einmaligen Erfolg von Hoeneß begründet sieht: Er spielt als Verbindungsspieler zwischen Mittelfeld und Angriff. Interpretiert jede Position, auf der er eingesetzt wird, nicht klassisch, sondern anders und neu. Er liefert, was man gegen tief stehende Mannschaften braucht: Uli Hoeneß bringt mit, was gebraucht wird: "Schnelle Antritte, Sprints in die Lücken der Verteidigung und eine hohe Ausdauer, um den direkten Gegenspieler müde zu laufen", so Ost über das Erfolgsrezept von Hoeneß.

Ein Rezept, welches nicht ewig halten soll, denn seine beste Zeit ist da fast vorbei und mit Bayern geht's bald um den Abstieg - das in der nächsten Folge.

Quelle: ntv.de