Fußball

"11 Leben"-Podcast zu Uli Hoeneß Schon als Ulmer Junge ging's nur ums Geld

Schon als Schüler hatte Uli Hoeneß klare Vorstellungen davon, wie die Dinge zu laufen haben: Zum Beispiel verfasste er seine Erfolgsmeldungen für die Lokalpresse selbst - natürlich gegen Bezahlung. Der Podcast "11 Leben" widmet sich dem Werdegang des legendären Bayern-Managers.

Die Wurzeln des mächtigsten Mannes im deutschen Fußball liegen in Ulm. Uli Hoeneß, Metzger-Sohn und Ausnahmetalent, ist aus der baden-württembergischen Provinz in den Fußball-Olymp aufgestiegen. Als Spieler, Manager, aber vor allem als mitunter streitbare Persönlichkeit. Der Podcast "11 Leben" von Sportjournalist Max-Jakob Ost widmet sich dem Werdegang des ehemaligen Bayern-Präsidenten. Es ist eine akustische Reise in die Vergangenheit - um in der Gegenwart mit Hoeneß ins Gespräch zu kommen.

Die Geschichte von Uli Hoeneß ist eine Geschichte im permanenten Kontrast. Hinterhofkicker und Nationalspieler. Sympathieträger und Grolltroll mit hochrotem Kopf. Findiger Manager und Steuerhinterzieher. Hoeneß hat schüchterne Momente, wenngleich er in der Öffentlichkeit meist eher auf Krawall gebürstet wirkt.

Stiller Genießer

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Hauptberuflich nimmt Max-Jacob Ost die Fußball-Bundesliga in seinem Podcast "Rasenfunk" unter die Lupe.

(Foto: Audio Alliance)

Als er nach dem Champions-League-Sieg des FC Bayern München 2013 in London von den Fans aufgefordert wird, die silberne Trophäe in den Nachthimmel zu strecken, wirkt der omnipräsente Macher wie schüchterner Schuljunge. Kurz lässt er sich hinreißen, kommt dem Wunsch der Fans nach, bevor er schnell wieder in der zweiten Reihe abtaucht. Um den Erfolg, dessen Vater er ist, still zu genießen.

Dabei ist Hoeneß eigentlich kein Mann für die zweite Reihe. Nicht in der öffentlichen Wahrnehmung, und erst recht nicht in seiner Funktion als Bayern-Boss Nummer eins. Schon als Jugendlicher hatte er klare Vorstellungen davon, wie die Dinge rund um ihn zu laufen haben. Seine Erfolgsmeldungen für die Ulmer Lokalpresse verfasste er kurzerhand selbst. Gewieft, wie er war, natürlich nicht, ohne sich dafür bezahlen zu lassen. Neun Pfennig pro Zeile hatte er als Honorar ausgehandelt. "Er hat sich das erste Mal gemeldet, als er Kapitän der Schülermannschaft war, die im Berliner Olympiastadion England mit 6:0 geschlagen hat", erzählt Peter Bizer, damaliger Sportredakteur der Schwäbischen Donauzeitung in "11 Leben".

Rasender Reporter bis zur A-Jugend

Mit einem handgeschriebenen Bericht kam der 15-jährige Hoeneß in die Redaktion, um von den Highlights zu berichten. Zwei Tore hatte er zum Kantersieg der deutschen Schüler beigesteuert und damit den Mikrokosmos Ulm verlassen. Fußball-Deutschland sprach und berichtete über den talentierten Schüler Hoeneß. Und der hatte Blut geleckt: Bis zur A-Jugend hat er für die Zeitung geschrieben und sich quasi selbst vermarktet. "Er wollte einfach Geld verdienen", erzählt Bizer. Geld. Ein Thema, das für Hoeneß schon immer von Belang war. Und bis heute ist.

Im Podcast "11 Leben" wird eine der spannendsten Figuren des deutschen Fußballs porträtiert: Uli Hoeneß. Zu Beginn nicht mehr als eine fixe Idee, gestaltete sich die Umsetzung für Max-Jacob Ost schwieriger als gedacht. Über zwei Jahre hat der Podcaster und Sportjournalist recherchiert, gelesen, telefoniert und Interviews geführt. In akribischer Kleinarbeit ist er in die Vergangenheit eingetaucht, hat sich private wie auch berufliche Erfolge und Niederlagen des gebürtigen Ulmers ganz genau angeschaut. Und sich an der größten aller Herausforderungen versucht: Uli Hoeneß höchstpersönlich für "11 Leben" vor das Mikro zu bekommen. Ob's geklappt hat? Hören Sie rein bei Audio Now.

Geld war für Hoeneß nicht nur eine Form der Anerkennung, sondern auch immer untrennbar mit sozialem Aufstieg verbunden. "Zwischen den Doktorsöhnen und -töchtern hat der Metzger-Bub gedacht, dass er noch ein bisschen mehr aus sich machen muss. Im Nachhinein denke ich, dass sein Antrieb war, rauszukommen, mehr zu sein als ein Metzgersohn", sagt Kraft-Otto Steinle, Hoeneß' ehemaliger Lehrer.

Der Profikicker ist offiziell nur Gärtner

Doch hinter allem, was Hoeneß tat, steckte nicht nur Gier, sondern vor allem auch Kalkül. Beispielweise hätte das Ausnahmetalent schon deutlich früher den Profikicker-Status erhalten können. Doch er verzichtete darauf, weil sein großes Ziel die Olympischen Spiele 1972 in München waren. Zwar unterschrieb der Juniorennationalspieler einen Vertrag beim FC Bayern, um seinem Förderer Udo Lattek zu folgen. Offiziell war Hoeneß aber nur als Gärtner angestellt, denn als Profi hätte er bei Olympia nicht auflaufen dürfen.

Bezahlt wurde Hoeneß natürlich trotzdem, nicht nur monetär: "Ich hoffe, dass mir mein Entschluss Popularität eingebracht hat und noch mehr einbringen wird. Ich hoffe, dass er sich nach den Spielen auch auszahlen wird", wird Hoeneß in einem damaligen Interview mit der "Welt am Sonntag" zitiert.

"Hoeneß hat seinen Weg in den Profi-Fußball geplant wie andere ihre berufliche Karriere", fasst "11 Leben"-Host Max-Jakob Ost zusammen. "Als sich die Tür dann öffnete, stellte er seinen Fuß hinein und ordnete alles andere unter."

Uli Hoeneß. Ein Mann mit Fokus. Immer zäh. Immer ehrgeizig. Immer laut. Von klein auf. Er führt ein Leben im Kontrast. Damals. Und auch heute noch.

"11 Leben - Die Welt des Uli Hoeneß" ist eine Reise in die Vergangenheit. Erfahren Sie in elf spannenden Folgen, wie es der junge Uli Hoeneß vom Ulmer Hinterhof zum jüngsten, aber auch legendärsten Manager der Bundesliga schafft. Ach, und einen Flugzeugabsturz hat er auch noch überlebt.

Quelle: ntv.de

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