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Blamabler "Briefträgerfußball" Holland wankt auf EM-Katastrophe zu

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Vier Spiele, drei Niederlagen bedeuten für die Niederlande Alarmstufe Orange.

(Foto: dpa)

Der Beginn der EM-Qualifikation wird zum Debakel für den WM-Dritten Niederlande. Oranje verliert auch in Island und befindet in einer veritablen Post-WM-Krise. Sündebock ist der gerade erst zurückgekehrte Bondscoach Guus Hiddink. Wie lange bleibt der noch?

Nach WM-Platz drei ist vor der verpassten EM? Für die Niederlande könnte dieses Szenario wahr werden. Tief vergraben in seine königsblaue Trainingsjacke saß Bondscoach Guus Hiddink am Montagabend in Reykjavik auf der Bank, die Mundwinkel missmutig nach unten gezogen. Die niederländische Nationalmannschaft hatte soeben ihr zweites EM-Qualifikationsspiel verloren, 0:2 gegen Island. Sein Blick sprach Bände. Es war die dritte Niederlage für den neuen Nationaltrainer im vierten Spiel. Nur gegen den Fußballzwerg Kasachstan gelang dem WM-Dritten ein Sieg, und selbst der war mühsam. Fans und Kommentatoren blieben entsprechend entgeistert zurück.

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Im Mittelpunkt der Kritik: Bondscoach Guus Hiddink, der die Mannschaft erst nach der WM übernommen hat.

(Foto: dpa)

Das "abstoßende" defensive Spiel und seelenlose Gekicke entsetzen die Niederlande. Die fußballbegeisterte Nation sieht "Oranje in totaler Auflösung". "Briefträgerfußball" habe die Elftal gespielt, schimpfte die Zeitung "De Volkskrant". Eine "Katastrophe" zeichne sich ab, ergänzte "Voetbal International". Hiddink konnte sich der Kritik nicht einmal verschließen, er räumte ein: "Es geht um fehlendes Tempo. Wir spielen zu langsam."

"Es ist 2 vor 12"

"Total daneben", kommentierte Bayern-Star Arjen Robben nach dem Spiel wutentbrannt. "Wir sind nicht gut." Die Niederlande müssten nun die Ehre wiederherstellen. "Es ist 2 vor 12", warnte Robben. Doch für den Bondscoach scheint die Zeit schon fast abgelaufen. Denn die "totale Ohnmacht", die Kommentatoren in Reykjavik sahen, herrschte nicht nur auf dem Rasen, sondern gerade auch auf der Trainerbank. Für die meisten ist es keine Frage mehr ob, sondern wann der 67-Jährige das Handtuch wirft. Er will davon vorerst nichts wissen, sagte er. "Man muss das jetzt alles in aller Ruhe analysieren."

Doch bezeichnend war ein kurzes Interview. "Sitzt du hier noch im nächsten Monat auf der Bank?", fragte ein Reporter. "Wo? Hier in Island?", antwortete Hiddink. "Bei Oranje?" fragte der Reporter. Hiddink sagte nichts. Und das sagte alles. "Es ist vorbei mit Guus", meinen viele Kommentatoren. Der internationale Erfolgstrainer soll den Platz räumen. 1998 hatte er Oranje noch bei der WM in Frankreich ins Halbfinale geführt. Er coachte die Mannschaften von Russland, Australien und hat in Südkorea bei der Heim-WM 2002 mit dem Halbfinal-Einzug Heldenruhm erworben. Doch seine zweite Periode bei Oranje droht zu einem Debakel zu werden.

Hiddink "ein fantastischer Coach"?

Kapitän van Persie hält nichts davon, Hiddink für die Lage verantwortlich zu machen: "Er ist ein fantastischer Coach", betonte er. Das Problem, glaubt Robben, sei doch ohnehin die Einstellung: "Vergesst die WM. Hört auf über die WM zu reden und über 5-3-2. Das  Problem ist kein taktisches", behauptet der Münchner. Sondern? "Wir  müssen aufhören zu glauben, dass wir gut sind. In Wahrheit sind wir nicht gut."

Die Presse schießt sich trotzdem auf Hiddink ein. "Willst du dir das eigentlich überhaupt noch antun?" fragte ein TV-Reporter. Der Bondscoach lächelte nur verkrampft. Viele sehnen sich zurück nach seinem Vorgänger. Für Louis van Gaal war Erfolg bei der WM in Brasilien fast schon eine heilige Mission. Der heutige Coach von Manchester United wollte die totale Kontrolle. Er stand am Spielfeldrand, fuchtelte mit den Händen, gab Kommandos, dirigierte seine Spieler wie ein Schulorchester, schrieb eifrig in sein Notizblock und schwoll manchmal knallrot an, wie eine holländische Tomate. Ein Fußballtrainer aus Leidenschaft.

Guss Hiddink dagegen sitzt stumm und passiv daneben. Ein Zuschauer des drohenden Untergangs. Sieben Spiele stehen Oranje in der Qualifikation noch bevor. Im November wartet Lettland in Amsterdam. Es wird das erste von sieben Finals.

Quelle: n-tv.de, cwo/dpa/sid

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