Fußball

6 Dinge, gelernt am 14. Spieltag Hummels fremdelt, FC Bayern lässt sehnen

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Wie es ihnen beliebt: Die Fußballer des FC Bayern feiern den Sieg gegen die Berliner Hertha.

(Foto: imago/MIS)

Dreikampf in Spanien, Fünfkampf in England - nur in der Fußball-Bundesliga macht der FC Bayern, was er will. Derweil fremdelt Mats Hummels beim BVB, der HSV mausert sich - und in Bremen gehen die Lichter aus.

1. Der FC Bayern zieht seine Kreise

Mittlerweile ist es ja sogar egal, ob der FC Bayern gewinnt. Abgesehen davon, dass sich die Münchner wohl auf Vorschlag ihres Trainers Josep Guardiola an diesem 14. Spieltag der Fußball-Bundesliga dazu entschieden haben, auch die Berliner Hertha, die immerhin als Tabellenvierter angereist war, am Samstag mit 2:0 zu besiegen, spielt das mittlerweile keine Rolle mehr, was die, die immer noch unter dem Label Verfolger firmieren, so anstellen. Allein die Dortmunder Borussia hat ihre Mini-Krise beendet, die aus Niederlagen beim Hamburger SV und einer Mannschaft namens FK Krasnodar in der Europaliga bestand, und die Stuttgarter mit 4:1 geschlagen. Und verhinderte so, dass die Bayern sich jetzt schon Herbstmeister nennen dürfen. Es bleibt bei acht Punkten Rückstand auf den Branchenprimus. Die 40 Zähler der Münchner zu diesem Zeitpunkt sind wieder einmal ein Rekord.

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"Nicht auf den Lorbeeren ausruhen": Philipp Lahm.

(Foto: imago/MIS)

Aber sonst? Der VfL Wolfsburg müht sich zu einem 0:0 in Augsburg, die Borussia aus Mönchengladbach freut sich über ein 3:3 in letzter Minute bei der TSG Hoffenheim, der TSV Bayer 04 Leverkusen rettet ein Remis gegen den FC Schalke 04. Und müssen wir über den HSV reden, der nach dem Sieg in Bremen nun auf Platz sieben steht? Nein, müssen wir nicht. Was bleibt, ist ein sehnsüchtiger Blick auf die anderen wichtigen Ligen in Europa. In der spanischen Primera Division zeichnet sich immerhin ein Dreikampf zwischen dem FC Barcelona sowie Atlético und Real aus Madrid ab. In der englischen Premier League sind Spitzenreiter Manchester City, der Stadtrivale United, das Überraschungsteam aus Leicester und der FC Arsenal gerade einmal zwei Pünktchen voneinander getrennt; auch Tottenham Hotspur aus London und sogar der FC Liverpool mit seinem deutschen Trainer Jürgen Klopp sind noch im Rennen. Der FC Bayern hingegen zieht hierzulande unangefochten seine Kreise. Daran wird sich in dieser Saison auch nichts mehr ändern. Kapitän Philipp Lahm gab zu Protokoll: "Man muss immer arbeiten und weiter nach vorne schauen, man kann sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen."

2. Dortmunds Hummels wittert Böses

Borussia Dortmund hat gewonnen. Im Westfalenstadion, gegen den VfB Stuttgart. Ein fast schon gewohntes Spektakel mit dem fast schon obligatorischen Treffer von Pierre-Emerick Aubameyang. Pardon, es waren ja sogar zwei. Es war ein gutes Gefühl nach zuletzt zwei Niederlagen. Es gibt also eine Menge schöner Ansätze, um sich nach diesem Spieltag mit dem BVB zu beschäftigen. Doch was passiert? Alle reden über Mats Hummels. Aber hat der nicht auf der Bank gesessen und rein gar nichts zu diesem Sieg beigetragen? Stimmt! Und genau deswegen reden ja nun alle über den Kapitän der Schwarzgelben. Es steht die Frage im Raum: Hat der Hummels nicht gespielt, weil er zuletzt so viele Fehler gemacht und sie nicht eingesehen hat? Nein, natürlich nicht. Sagt zumindest Trainer Thomas Tuchel.

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"Ein tolles Gefühl"? Mats Hummels auf der Bank.

(Foto: imago/Team 2)

Er muss das vermutlich so sagen. Mit dem Verzicht auf den Innenverteidiger habe der Coach lediglich auf dessen hohe Belastung reagieren wollen. Er habe eine gewisse Ermüdung beim 26-Jährigen festgestellt, auch mental. Außerdem, und jetzt wird's interessant, "sei es ein tolles Gefühl", mit einem Mats Hummels während des Spiels qualitativ noch nachbessern zu können. Nun, da geben wir Herrn Tuchel natürlich recht! Und der Edeljoker? Wie fühlt er sich in der neuen Rolle? Sagen wir mal so, er fremdelt noch ein wenig. Und ohnehin hat er derzeit große Probleme mit dem Handeln anderer. Ein Beispiel? Die Medien. Natürlich. Die sind nämlich doof. "Ich fühle mich definitiv falsch bewertet und sehe meine Leistungen ehrlich gesagt auch besser als manch ein Medium", sagte er dem "Kicker" und vermutet grundsätzlich "Böses" bei den Berichterstattern: "Vielleicht ist es so, dass es bei Bayern derzeit schwierig ist, etwas Negatives zu finden. Dann geht man auf die nächst größeren Mannschaften. Zwangsläufig landet man dann beim Zweiten Borussia Dortmund und Leuten wie Marco Reus, Pierre-Emerick Aubameyang oder mir." Immerhin folgt zum Ende seiner Ausführung auch noch ein kleines bisschen Selbstkritik: "Als Innenverteidiger werde ich mein Leben lang an Gegentoren beteiligt sein. Das ist einfach so." Stimmt. Und auch wir Medien geloben Besserung und versuchen stets objektiv zu bleiben. Erste Erkenntnis: Gegen den VfB war Mats Hummels, der die letzten zehn Minuten mitmachen durfte, am Gegentor völlig schuldlos.

3. Die Dominanz der Bayern ist auch eine Chance

Der Vorschlag ist nicht neu, bleibt aber reizvoll: Wen die Dominanz des FC Bayern nervt, der soll sich doch die Tabelle ohne sie vorstellen. Und schon ist es wieder spannend. Der Tabellenführer aus Dortmund hätte dann zwar immer noch sieben Punkte Vorsprung auf die Wolfsburger. Aber sonst ist alles drin, auch mit den Münchnern übrigens. Von Platz drei bis Platz zehn sind es gerade einmal fünf Zähler. Das heißt: Mannschaften wie die Berliner Hertha, der FSV Mainz und sogar der Hamburger SV stehen bei für sie positiver Betrachtung der Lage nicht im breiten Mittelfeld der Liga, sondern dürfen auf die Teilnahme am Europapokal hoffen. Und die Mönchengladbacher, mit Trainer Lucien Favre und fünf Niederlagen in die Saison gestartet, sind unter André Schubert mittlerweile wieder ein ernsthafter Kandidat auf die Champions League. Das spricht nun nicht gerade für die Stärke der Liga - aber interessant ist es allemal. Zumal der Rest gegen den Abstieg spielt und die Grenze zwischen Mittelfeld und Tabellenkeller durchlässig ist. Daran wird sich in dieser Saison auch nicht mehr viel ändern.

4. Schwäbische Spektakelburschen bestehen Charaktertest

Wer sich bei Temperaturen wie am Wochenende ins Stadion bewegt, der hat richtig Bock auf Fußball. Und was gibt es dann Fürchterlicheres als ein 0:0 bei Nieselregen mit dem Spannungsbogen einer Hamsterbeobachtung am helllichten Tag? Nichts! Also was tun, um solch ein Elend zu vermeiden? Es kann nur eine Antwort geben: ein Spiel des VfB Stuttgart besuchen. Noch nicht einmal in dieser Saison spielten die Schwaben torlos. Und es kommt noch besser, 3,8 Treffer fallen im Schnitt in Spielen der Stuttgarter. Blöd nur, dass es überwiegend im eigenen Gehäuse einschlägt. So gab's auch gegen Borussia Dortmund (4,2 Tore im Schnitt pro Partie) wieder fünf Treffer, in der für den VfB ungünstigen Verteilung von 1:4. Und dennoch waren sie ziemlich zufrieden. Warum? Weil sie es mussten. Denn sie haben ja einen neuen (Interims)-Trainer, den Jürgen Kramny. Und dessen vorwiegende Aufgabe war ja nicht punkten oder gar gewinnen. Nein, seine Jungs sollten sich einfach nur wehren. Haben sie gemacht. Nach Kräften sogar. Charaktertest bestanden. Niederlage in der Kategorie "erwartetes Übel" einsortieren, abhaken und die nächste Stufe zünden. Und die heißt drei Punkte. Gegner sind die mit erheblichen Triebwerksproblemen kämpfenden Bremer. Spektakelempfehlung der n-tv.de Sportredaktion: Unbedingt ansehen!

5. Der Hamburger SV mausert sich

Ach, reden wir doch noch über den Hamburger SV. Nicht über Platz sieben, der sagt - wir erwähnten es - derzeit nicht allzu viel aus. Aber dass die Mannschaft, die sich in den vergangenen beiden Spielzeiten nur deshalb in der Liga hielt, weil sie mit Glück die Zusatzchance der Relegation nutzte, sind diese 21 Punkte nach 14 Runden unter Trainer Bruno Labbadia so schlecht nicht. Zum Vergleich: In der vergangenen Saison brauchte der HSV 20 Spieltage, um diese Marke zu erreichen. Und in Hamburg machen sie nach dem 3:1-Sieg im Nordderby beim SV Werder Bremen das, was wohl am klügsten ist: Sie geben sich bescheiden. "Wir müssen weiter demütig sein, Hochmut kommt vor dem Fall", sagte Mittelspieler Lewis Holtby. Auch Labbadia betonte: Es ist eine Momentaufnahme, nicht mehr und nicht weniger." Doch fest steht auch: Die Hamburger haben sich gewandelt und überzeugen mittlerweile sogar spielerisch - zumindest als gnadenlose Kontermannschaft. Das haben sie in Bremen gezeigt, das musste der BVB bei der 1:3-Niederlage vor einer Woche erfahren. Und um noch einmal Holtby zu zitieren: "21 Punkte sind kein schlechtes Ergebnis. Das zeugt von unserer Stabilität." Wer hätte ihnen das zugetraut?

6. Werder mit dem Rücken zur Wand

Die gute Nachricht aus Bremen ist: Sie wollen auch nach fünf Heimniederlagen in Folge nicht über Trainer Viktor Skripnik diskutieren. Die schlechte Nachricht ist: Die Werderaner stehen mit dem Rücken zur Wand. Sagt zumindest Thomas Eichin. Und der ist Geschäftsführer in Bremen: "Wir haben fünf, sechs Zähler zu wenig. Wir brauchen nichts schönzureden." Sein Plan: Man werde miteinander sprechen und versuchen, das Umfeld ruhig zu halten, damit das Trainerteam und die Mannschaft in Ruhe weiterarbeiten können. Das Problem ist nur: Es wird langsam eng, die Bremer nähern sich konstant einem Abstiegsplatz, drei Punkte trennen sie noch von Rang 16, auf dem derzeit der FC Augsburg steht. In der vergangenen Saison sammelte Werder auch nur 17 Punkte in der Vorrunde; nun kommt die schlechteste Heimmannschaft gerade einmal auf 13 Zähler. Einem Sieg gegen Mönchengladbach am dritten Spieltag stehen sechs Niederlagen gegenüber. Am kommenden Sonntag geht es zum noch schlechteren VfB nach Stuttgart, am 12. Dezember ist der 1. FC Köln zu Gast im Weserstadion und zum Abschluss der Hinrunde geht es fünf Tage vor Heiligabend zur Frankfurter Eintracht. Geld, um neue Spieler zu kaufen, haben die Bremer kaum. So klang Trainer Skripnik schon arg geknickt, als er nach der bitteren Niederlage gegen den HSV und vor den letzten Partien des Jahres sagte: "Wenn wir die drei gewinnen, dann reichen unsere Nachwuchsleute."

Quelle: ntv.de