Fußball

Mal Dilettant, am Ende brillant Hummels spielt oscarreif

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Mats Hummels kann besser spielen als in Donezk. Besser treffen kann er nicht.

(Foto: dpa)

Die große Fußball-Gala zeigt Meister Borussia Dortmund nicht. Dennoch kann sich der BVB nach dem Remis im Achtelfinale bei Schachtjor Donezk Hoffnungen auf die nächste Runde machen - dank Mats Hummels. Der korrigiert spät seine zuvor fehlerhafte Leistung.

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Einmal Latte, einmal drin: Mats Hummels brauchte zwei Anläufe für ein Tor.

(Foto: dpa)

Mats Hummels war sichtlich erleichtert. Mit einem Dauerlächeln und viel Geduld meisterte der Nationalspieler den Interview-Marathon nach dem Schlusspfiff in Donezk. "Mir ist ein riesiger Stein vom Herzen gefallen", kommentierte er seinen späten Ausgleichstreffer zum 2:2 (1:1), der den deutschen Meister aus Dortmund vor der ersten Saisonniederlage in der Champions League bewahrte. Kurz vor Ende eines für seine Verhältnisse ungewohnt schwachen Spiels trumpfte er als Torschütze auf. Dieses Happy End war ganz nach dem Geschmack von Trainer Jürgen Klopp: "Manchmal geht es im Fußball gerecht zu. Deshalb durfte Mats zum 2:2 treffen."

Dank Hummels kann die Borussia auf den ersten Einzug in das Viertelfinale der europäischen Königsklasse seit 15 Jahren hoffen. Sein Kopfballtor in der 87. Minute bescherte dem BVB eine gute Ausgangsposition für das Achtelfinal-Rückspiel am 5. März vor heimischem Publikum. "Das war Achterbahn. Mein Tor war unfassbar wichtig für mich persönlich und für die Mannschaft. Die Chancen stehen nun 55:45 für uns", sagte Hummels. Denn: "Anders als Schachtjor Donezk müssen wir im Rückspiel kein Tor schießen, um weiter zu kommen."

Hauptdarsteller mit wechselnden Rollen

Donezk - Dortmund 2:2 (1:1)

Tore: 1:0 Srna (31.), 1:1 Lewandowski (41.), 2:1 Costa (68.), 2:2 Hummels (87.)
Donezk: Pjatow - Srna, Rakizki, Chygrynskyy, Rat - Fernandinho,  Hübschman - Teixeira (84. Eduardo), Mkhitaryan, Taison (62. Costa) - Adriano
Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Felipe Santana, Hummels,  Schmelzer - Sven Bender, Kehl - Blaszczykowski (80. Leitner), Götze,  Reus (90.+1 Schieber) - Lewandowski
Referee: Webb Zuschauer: 49.140
Schüsse: 8:18 Ecken: 4:6 Ballbesitz: 46:54

Sein Auftritt als Hauptdarsteller mit wechselnden Rollen machte die über weite Strecken wenig hochklassige Partie zum Schauspiel. Sowohl vor dem ersten Treffer der Gastgeber durch Dario Srna (31.) als auch vor der zweiten Führung des ukrainischen Meisters durch Douglas Costa (68.) wirkte der Dortmunder Abwehrchef zu zögerlich. Das brachte die Borussia in große Not, obwohl sie über weite Strecken dominiert hatte. Trotz seiner Patzer bewahrte Hummels, der schon in der 1. Halbzeit mit einem Kopfball die Latte getroffen hatte, die Nerven: "Das hat richtig Spaß gemacht. Hoffentlich war es nicht unsere letzte K.o.-Runde."

Viel spricht dafür, dass die zuletzt märchenhafte Reise der Borussia durch Europa weitergeht. Der erste Einzug in das Viertelfinale der europäischen Königsklasse seit 15 Jahren scheint zum Greifen nah. Anders als in den bisherigen Auswärtsspielen in Manchester, Madrid und Amsterdam fehlte zwar der große Glanz, doch der BVB meisterte die Aufgabe mit Entschlossenheit und Glück.

Lewandowski trifft und trifft

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Robert Lewandowski sorgte mit seinem fünften Champions-League-Tor für den 1:1-Ausgleich.

(Foto: dpa)

Gleich zweimal schlug die Borussia durch Robert Lewandowski (41.) und Hummels nach einem Rückstand zurück. Deshalb konnte Trainer Klopp mit diesem Remis gut leben: "Wenn man schon nicht gewinnen kann, ist es in diesem Wettbewerb wichtig, dass man Tore schießt."

Wieder einmal war auf Angreifer Lewandowski Verlass. Mit seinem bereits fünften Europacup-Tor brachte der Pole sein Team zurück ins Spiel. Allein der Blick auf die Zahlen dokumentiert seine Effektivität. In 31 Pflichtspielen dieser Saison war er an 29 Treffern beteiligt, 21 erzielte er selbst, acht bereitete er vor. Diese bemerkenswerte Quote dürfte das Interesse diverser Clubs an einer Verpflichtung des bis 2014 an den BVB gebundenen Ausnahmestürmers weiter erhöhen.

Neben Lewandowski überzeugte Sebastian Kehl. An seinem 33. Geburtstag stellte der Routinier abermals unter Beweis, wie wichtig er für die junge Mannschaft noch immer ist. Zufrieden ließ er seinen Ehrentag Revue passieren. "Ich habe mir zum Geburtstag heute ein gutes Spiel und ein vernünftiges Ergebnis gewünscht. Beides ist eingetreten."

Unglück überschattet das Spiel

Doch angesichts des Flugzeugunglücks in der ukrainischen Metropole geriet der Fußball fast zur Nebensache. In einer Schweigeminute vor der Partie gedachten Spieler und Fans der Opfer der Bruchlandung am Nachmittag vor dem Anpfiff. Beim Anflug im dichten Nebel war eine aus Odessa kommende ukrainische Linienmaschine über die Landebahn hinausgeschossen und zerbrochen. Dem Vernehmen nach wollten einige Passagiere die Partie in der Donbass-Arena besuchen.

"Das ist das Perverse an diesem Job. Dass man so etwas mit Spielbeginn total ausblenden muss", sagte Klopp, der seine Profis kurz vor dem Anpfiff über die Tragödie mit mehreren Toten informiert hatte. "Aber da waren die Jungs schon im Tunnel."

Quelle: ntv.de, dpa