Fußball

Vertuschung von Fifa-Korruption IOC prüft, DFL fordert Blatters Kopf

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IOC-Präsident Jacques Rogge (r.) mit Fifa-Boss Joseph Blatter. Der Schweizer ist qua Amtes ein Olympier. Offen ist, wie lange noch. Blatters Vorgänger Joao Havelange wurde im Dezember 2011 wegen der ISL-Affäre stillschweigend zum Rücktritt aus dem IOC gedrängt.

(Foto: REUTERS)

Das Internationale Olympische Komitee will die erwiesene Mitwisserschaft von Fifa-Präsident Joseph Blatter bei Fifa-Schmiergeldaffäre nicht einfach hinnehmen. Das IOC behält sich eine Untersuchung gegen den Schweizer vor. Noch weiter geht DFL-Boss Reinhard Rauball: Er verlangt offen Blatters Rücktritt. Auch DFB-Präsident Wolfgang Niersbach zeigt sich "geschockt" von Blatters Verharmlosung des Skandals.

Ligapräsident Reinhard Rauball hat Fifa-Präsident Josef Blatter zum Rücktritt aufgefordert. "Nach dem derzeitigen Stand sollte Sepp Blatter seine Amtsgeschäfte schnellstmöglich in andere Hände geben. Für einen Reformprozess braucht die Fifa jemanden, der gewillt ist, einen Neuanfang zu machen", sagte Rauball der Zeitung "Die Welt".

Der Vereinspräsident von Borussia Dortmund ergänzte nach dem Bekanntwerden des Ausmaßes der Korruptionsaffäre im Fußball-Weltverband: "Es ist immer schwierig, jemanden einzubinden, der selbst Teil der Umstände ist, die einen Reformprozess erst erforderlich gemacht haben." Er habe Blatter seine Betroffenheit persönlich am Telefon mitgeteilt. "Er hatte Kenntnis von diesen Geldbewegungen, wenngleich erst deutlich später. Deshalb hat er die Sorgfaltspflicht gegenüber den Mitgliedsverbänden nicht erfüllt", sagte Rauball.

Prüfen und abwarten

In der längst enthüllten, seit Mittwoch nun aber auch offiziell bestätigten Schmiergeldaffäre beim Fußball-Weltverband Fifa bekommt Blatter offenkundig auch Druck vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC). Die weltweit höchste Sportorganisation bereitet sich nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" auf Untersuchungen gegen ihr Schweizer Mitglied vor. "Wir müssen uns mit den Dokumenten vertraut machen", teilte das IOC dem Blatt auf Anfrage mit.

Zunächst jedoch scheint das IOC noch keine eigene Initiative ergreifen zu wollen: "In erster Instanz ist diese Angelegenheit von der Fifa zu behandeln. Wir werden die Schritte beobachten, die sie unternimmt." Blatter gehört dem IOC seit 1999 an. Im vergangenen Winter noch hatte das IOC im Zusammenhang mit dem erzwungenen Rücktritt von Blatters Fifa-Vorgänger Joao Havelange (Brasilien) aus dem IOC wegen drohender Ermittlungen aufgrund der ISL-Bestechungszahlungen ausdrücklich auf eine Untersuchung von Blatters Rolle in der Affäre um Schmiergeldzahlungen des bankrotten Fifa-Vermarktungspartners ISL verzichtet.

Durch die Veröffentlichung von Schweizer Gerichtsdokumenten zum Fall der ISL waren am vergangenen Mittwoch Schmiergelder in Millionenhöhe an Havelange und seinen Ex-Schwiegersohn Ricardo Teixeira, der zu Jahresbeginn nach 23-jähriger Amtszeit als Brasiliens Verbands-Chef zurückgetreten war, bekannt geworden. Blatter räumte danach Kenntnisse über die Vorgänge ein, sah in seiner Tatenlosigkeit allerdings keinen Fehler.

Nicht strafbare Provisionen?

In einer Fifa-Mitteilung sprach der schon mehrfach in Korruptionsverdacht geratene Eidgenosse von "Provisionszahlungen". Man habe solche Finanztransaktionen damals "als Geschäftsaufwand sogar von den Steuern abziehen" können. "Heute wäre dies strafbar. Man kann die Vergangenheit nicht mit den Maßstäben von heute messen. Ich kann also nicht von einem Delikt gewusst haben, welches keines war", sagte Blatter weiter. Dass es sich zweifellos um ein strafbares Delikt handelte, zeigt die Tatsache, dass sich die Fifa, Havelange und Teixeira im Mai 2010 mit einer Millionenzahlung von einer Verurteilung wegen Untreue freikaufen mussten.

Auch DFB-Präsident Wolfgang Niersbach ging auf Abstand zu Blatter. "Die Reaktion des Fifa-Präsidenten hat mich geschockt. Wenn nicht unbedeutende Persönlichkeiten der Fifa Geld kassiert haben und die Reaktion darauf ist, dass das damals nicht verboten war, dann können wir uns als DFB davon nur klar distanzieren", sagte Niersbach. Die Frage nach Konsequenzen für Blatter wie den von DFL-Boss Rauball geforderten Rücktritt ließ Niersbach offen: "Bei diesen Dingen stehen immer die Beteiligten selbst im  Mittelpunkt. Das muss er selbst entscheiden."

Trotzdem verdeutlicht die immer lauter werdende öffentliche Kritik von IOC, DFL und DFB Blatters wachsende Isolation. Bereits am Freitag hatten Ex-DFB-Präsident Theo Zwanziger, inzwischen Mitglied der Fifa-Exekutive, und der französische Europaratsabgeordnete Francois Rochebloine weitere Aufklärung verlangt. Zwanziger forderte unter anderem die Aberkennung der Ehrenpräsidentschaft für Havelange.

Quelle: ntv.de, cwo/sid/dpa

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