Fußball

Fußballsprüche des Jahres "Ich wüsste mehr, wenn ich es wüsste"

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"Ein alter Spontispruch, den ich mir ausgeliehen habe. Und ich hatte Mordsärger": Mehmet Scholl.

(Foto: imago stock&people)

"Ich bin Profi. Ich stelle nach Schwanzlänge auf", ist der Fußballspruch des Jahres, den die Gäste der Gala der "Akademie für Fußballkultur" wählen. Gewinnerin und Trainerin Imke Wübbenhorst steht in einer Tradition mit Manuel Neuer, Thomas Hitzlsperger und Hans Meyer.

Sprüche von Fußballern können viel Spaß machen - oder Ärger verursachen. Mehmet Scholl weiß das. Der Mann war einer der Großmeister der Wortkunst. Von ihm stammen Sätze wie dieser: "Ich hatte noch nie Streit mit meiner Frau. Bis auf das eine Mal, als sie mit aufs Hochzeitsfoto wollte." Eine sichere Bank, wenn man Leute jeder Couleur unterhalten möchte. Dass Sprüche aber auch richtig in die Hose gehen können, musste Mehmet Scholl Anfang der Neunzigerjahre als frisch verpflichteter Spieler des FC Bayern erfahren. Damals wurde der spätere Europameister von 1996 nach seinem Lebensmotto gefragt. Scholl antwortete jugendlich-verspielt: "Hängt die Grünen, solange es noch Bäume gibt!"

Mit einigen Jahren Verzug sagte Scholl: "Ein alter Spontispruch, den ich mir ausgeliehen habe. Und ich hatte Mordsärger." Das kann man wohl sagen. Ein Abgeordneter der Grünen erkannte in dem Spruch von Scholl einen "Aufruf zum Mord" und erstattete Anzeige wegen Verunglimpfung und Volksverhetzung. Was folgte, war ein Prozess, der den Bayern-Spieler einerseits irritierte und andererseits an die Grenzen der seelischen wie körperlichen Belastung führte.

Doch es gab in diesen Tagen auch Vertreter der Grünen, die entspannter und gewitzter reagierten. "Zieht dem Scholl die Vorderzähne, solange es noch Nagetiere gibt!", war eine der Reaktionen. Es ist Scholl hoch anzurechnen, dass er nach einem Jahr kurz vor der Bundestagswahl auf die Frage eines Reporters, wen er denn nun wählen würde, antwortete: "Grün natürlich. Ich kann sie ja nun nicht hängenlassen!"

"Ich stelle nach Schwanzlänge auf"

Seit 2006 wird in Nürnberg auf der jährlichen Gala der "Akademie für Fußballkultur" der Spruch des Jahres gewählt. Am Freitag haben die Zuschauer aus vier Vorschlägen, die eine Jury ausgewählt hatte, ihren Favoriten bestimmt. Sieger wurde die ehemalige Trainerin des BV Cloppenburg, Imke Wübbenhorst. Sie hatte bei ihrem Debüt bei den Männer auf die Frage, ob sie eine Sirene auf dem Kopf tragen werde, damit ihre Spieler schnell eine Hose anziehen können, bevor sie in die Kabine kommt, so herrlich ungezwungen geantwortet hat: "Ich bin Profi. Ich stelle nach Schwanzlänge auf."

Dass dieser Spruch Wübbenhorsts kein Irrläufer war, bewies die Absolventin der diesjährigen Ausbildung zur Fußballlehrerin, als sie die Umstände erklärte: Erst hätten die Journalisten vor Ort gelacht, danach wäre aber nie wieder eine Frage in diese Richtung gekommen. Ihr doppeldeutiges Fazit sorgte für Gelächter beim Gala-Publikum: "Das hat ihnen offensichtlich den Mund gestopft!"

Die Ex-Jugendnationalspielerin weiß ähnlich wie Mehmet Scholl sehr genau ihre Worte einzusetzen. Das ist bei Sprüchen von Fußballern eher die Ausnahme denn die Regel. Häufig plappern die Kicker allzu entspannt über sich, das Leben und den Fußball, sodass dabei Dinge herauskommen wie dieses Bonmot von Andreas Brehme im "Aktuellen Sportstudio" des ZDF: "Also bei mir geht das mit dem linken Fuß genauer und mit dem rechten fester! Auf die Torwand schieße ich mit dem rechten."

Ebenfalls ein Altmeister der unbedachten Äußerungen ist Brehmes Weltmeister-Kollege, Lothar Matthäus: "Es ist wichtig, dass man 90 Minuten mit voller Konzentration an das nächste Spiel denkt." Ein absolutes Ausnahmetalent stellt in dieser Kategorie allerdings der Europapokalsieger mit Werder Bremen, Thorsten Legat, dar. Sein Bonmot "Der Klügere lässt nach" wird nur noch getoppt von der philosophischen Sentenz: "Ich wüsste mehr, wenn ich es wüsste."

"Da stört eigentlich nur die Mannschaft"

Wenn Fußballersprüche richtig gut sind, dann haben sie eine Halbwertszeit für die Ewigkeit. 2010 stand das Zitat der Trainerlegende Udo Lattek in Nürnberg zur Wahl. Es ist ein Satz, der ständig von seiner Aktualität eingeholt wird: "Im Kölner Stadion ist immer so eine super Stimmung, da stört eigentlich nur die Mannschaft." In den letzten Jahren hat sich ein Trend zu immer mehr Standardphrasen ohne Sinn, Verstand und vor allem Emotionen ergeben.

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"Wilhelm, ich glaub’, deine Frau betrügt uns": Willi "Ente" Lippens.

(Foto: imago/WEREK)

Es ist eine Entwicklung, die sehr schade für den Fußball ist. Wübbenhorst hat gezeigt, dass es auch anders geht. Die Zuschauer lieben diese gewitzten Sentenzen aus dem Leben. Wie damals in den späten Siebzigerjahren, als sich Schiedsrichter Walter Eschweiler und Spieler Willi "Ente" Lippens häufig auf dem Platz unterhielten. Lippens hat nie vergessen, was der Mann in Schwarz ihm damals über drei Meter Entfernung zurief: "Wilhelm, ich glaub’, deine Frau betrügt uns." Bitte (wieder) mehr davon!

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Quelle: ntv.de