Fußball

Rassismus, Covid, Homosexualität Jens Lehmann, der Quoten-Idiot

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Schon lange nicht mehr tragbar für Hertha BSC: Ex-Aufsichtsratsmitglied Jens Lehmann.

(Foto: imago images/Ulrich Hufnagel)

Herthas Aufsichtsratsmitglied Jens Lehmann bezeichnet Dennis Aogo als "Quotenschwarzen", der Verein entlässt ihn. Lehmann stigmatisiert den ehemaligen deutschen Nationalspieler zur Marionette - und bedient sich bei Methoden der Rechtsextremen. Es ist nicht seine erste Beleidigung.

Jens Lehmann war ein erfolgreicher Fußballprofi. In der Nationalmannschaft löste er beim Sommermärchen viel Jubel aus. Aber der Torhüter war auch immer wieder für Aussetzer gut. Ob er gegen am Boden liegende Spieler nachtrat, Gegner an den Haaren zog, oder sich über die Erziehung von Balljungen beschwerte: Lehmann konnte genauso gut äußerst unschönes Verhalten an den Tag legen wie Fußbälle halten.

Seit seine aktive Zeit vorbei ist, fängt Jens Lehmann keine Flanken mehr ab, macht keine gegnerischen Torchancen mehr zunichte. Sein abstoßendes Verhalten behält er aber bei. Nach einer rassistischen Aussage in Richtung des ehemaligen deutschen Nationalspielers Dennis Aogos wirft Hertha BSC ihn (via Investor Lars Windhorst) aus dem Aufsichtsrat. Die einzig richtige Reaktion. Lehmann war nicht mehr haltbar für Hertha BSC. Schon lange. Lehmanns Denken und Werte sind nicht vereinbar mit einem Klub und einer Gesellschaft, die für Weltoffenheit und Vielfalt stehen.

Bereits 2014 rät der Ex-Torwart homosexuellen Fußballern von einem Coming-Out ab. "Komisch", so Lehmann, hätte er auf einen schwulen Teamkollegen reagiert, denn: "Man duscht jeden Tag zusammen." Aber sein Ex-Mitspieler Thomas Hitzlsperger, der nach seiner aktiven Karriere seine Homosexualität öffentlich machte, sei ja einer, "der erstens sehr intelligent ist, und zweitens von seiner Spielweise überhaupt nicht den Anlass gegeben hätte, dass da man hätte denken können, da ist irgendetwas." Die Kritik an den subtil-homophoben Äußerungen war berechtigterweise äußerst bissig.

Im Mai 2020 wird Lehmann dann Mitglied im Aufsichtsrat bei Hertha BSC, als der Verein nach dem Aus von Jürgen Klinsmann versucht, wieder ein wenig internationales Flair zu bekommen. Da ist Lehmann jedoch schon als Corona-Verharmloser in den Fokus der Kritik geraten, weil er nicht verstand, warum Fußballfans nicht ins Stadion dürfen. Hertha kümmert es damals wenig, Lehmann wird zum hauseigenen Quoten-Idioten. Denn der ehemalige Keeper macht weiter: Weil einige infizierte Spieler keine Symptome gezeigt hätten, sei das Virus "für junge, gesunde Menschen mit einem starken Immunsystem nicht so bedenklich". Kurz vor Weihnachten legt Herthas Aufsichtsratsmitglied nach und zieht einen unpassenden und verharmlosenden Vergleich zwischen Grippe- und Corona-Toten, der ein Schlag ins Gesicht der Tausenden Opfer, Angehörigen und Helfer ist. Der Hauptstadtklub reagiert wieder nicht.

Lehmann macht's wie Rechtsextreme

Nun also folgt Lehmanns rassistische Aussage. Und daraufhin massive Kritik und der Rauswurf bei Hertha BSC. Der ehemalige deutsche Nationalspieler Dennis Aogo ist mittlerweile Experte beim TV-Sender Sky und kickt seit letztem Sommer im Kader der Ü32 des Hauptstadtvereins in der Verbandsliga. In einer privaten Whatsapp-Nachricht bezeichnet Lehmann ihn als "qotenschwarzer" (sic!). Er bedient sich damit dem sogenannten Tokenismus (das englische Wort "token" steht dabei für Zeichen oder Symbol, aber auch für Spielstein).

Herthas Ex-Aufsichtsratsmitglied reduziert Aogo also auf dessen Hautfarbe und meint, Sky setze den Ex-Kicker lediglich als symbolische Anstrengung als Experten ein, weil sich der TV-Sender mit einer Person of Color als weltoffen zeigen wolle. Im Tokenismus geht es um die minimalste Akzeptanz von Minderheiten in der weißen, männlichen Mehrheitsgesellschaft. Lehmann bedient sich bei Methoden von Rechtsextremen und Rechtsradikalen, die damit Minderheiten niedermachen, und stigmatisiert Aogo zu einer Marionette ohne Eigenverantwortung. Lehmann sieht Aogo mit dieser Aussage nicht als Mensch, sondern als Werkzeug. Als Spielzeug.

Vom ehemaligen Torhüter folgt daraufhin eine Reaktion via Twitter, die in ihrer Bedeutung ähnlich beleidigend ist und die nur er selbst als Entschuldigung ansieht. Es sei "ein Eindruck entstanden" (welcher Art betitelt er nicht; Diskriminierung ist aber sowieso kein Eindruck), für den er sich "im Gespräch mit Dennis entschuldigt habe". Aogo sei "sehr fachkundig" und bringe "bei Sky Quote". Das war's. Keine Klarstellung, kein Bitten um Entschuldigung für den Gebrauch des rassistischen Begriffs und rassistischen Denkens. Vielmehr ergibt sich aus seinen zwei Sätzen, dass man Aogo ohne sein fachkundiges Wissen wohl trotzdem als "Quotenschwarzen" hätte beleidigen dürfen. Reue sieht anders aus, wenngleich sie die Situation ohnehin nicht besser gemacht hätte. Lehmann gibt sich eher wie jemand, der erwischt wurde, aber seinen Fehler nicht einsieht, sondern rechtfertigt.

Der Wertekatalog des ehemaligen Torhüters scheint vollkommen hinüber. Er beleidigt mit seinen Aussagen Homosexuelle, Opfer der Corona-Pandemie und deren Helfer - und nun auch Menschen of Color. Nur deshalb sei an dieser Stelle der abwertende Begriff "Idiot" erlaubt. Jens Lehmann sollte sich schleunigst darüber aufklären, welches Gedankengut er benutzt und was er damit anrichtet - bevor er noch mehr Menschen verletzt.

Quelle: ntv.de

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