Fußball

DFB denkt nicht an den Super-GAU Jones beschwört "Glück der Tüchtigen"

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Glücklos aber gesetzt: Bundestrainerin Steffi Jones vertraut Stürmerin Mandy Islacker weiter.

(Foto: imago/Uwe Kraft)

Im Extremfall könnte die Partie gegen Russland schon das letzte deutsche Spiel bei der Frauenfußball-Europameisterschaft in den Niederlanden sein. Bundestrainerin Steffi Jones mag daran gar nicht denken und gibt stattdessen ambitionierte Ziele vor.

Im Flanken-Training mit den Torhüterinnen köpfte Bundestrainerin Steffi Jones den Ball in die Maschen, im entscheidenden EM-Gruppenspiel müssen es die deutschen Fußballerinnen aber selbst richten. Schließlich braucht der Titelverteidiger gegen Russland (20.45 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) noch einen Punkt für den Viertelfinal-Einzug. "Die Mannschaft weiß, dass sie sich steigern und ihre Qualität abrufen muss. Ich bin zuversichtlich, dass das gelingt und der Knoten platzen wird", betonte Jones, die ihre Schützlinge nach dem mauen 2:1 gegen Italien und dem 0:0 gegen Schweden wegen chronischer Abschlussschwäche und mangelnder Souveränität vehement ermahnt hatte ("So reicht es nicht").

Deutschland - Russland (20.45 Uhr)

Deutschland: Schult - Blässe, Henning, Peter, Simon - Demann - Dallmann, Däbritz - Marozsan - Mittag, Islacker; Trainerin: Jones.
Russland: Scherbak - Ziyastinova, Makarenko, Kozhnikova, Solodkaya - Morozova - Sochneva, Cholovyaga, Smirnova, Chernomyrdina - Danilova; Trainerin: Fomina.
Schiedsrichterin:
Monika Mularczyk (Polen)
Stadion: Galgenwaard, Utrecht

Mit den Mängeln muss jetzt Schluss sein und so fordert Jones: "Gegen Russland wollen wir klar gewinnen. Wir wollen nicht nur ein Tor schießen, sondern zwei oder drei." Mit vier Zählern geht der achtmalige Europameister als Tabellenzweiter hinter den punktgleichen Schwedinnen und mit nur einem Punkt Vorsprung auf Russland in das Spiel in Utrecht. Ein hoher Sieg könnte für Deutschland den Gruppensieg  bedeuten. Das hätte den Vorteil, dass die DFB-Frauen den Gastgeberinnen aus den Niederlanden aus dem Weg gehen und den womöglich leichteren Viertelfinalgegner Dänemark aus Gruppe A erwischen. Doch für solche Rechenspiele herrscht im deutschen Lager dann doch zu viel Anspannung.

"Wir schauen nur auf uns. Wir wollen gewinnen, alles andere liegt nicht in unserer Hand", sagte Außenverteidigerin Leonie Maier. Zumal bei einer peinlichen Niederlage gegen den Weltranglisten-22., gegen den das DFB-Team in bislang 16 Duellen noch nie verloren hat, ja auch noch das Unvorstellbare möglich ist. "Keiner von uns denkt daran, dass wir ausscheiden könnten", stellte Lina Magull im "Kicker" klar.  Seit 1995 hat Deutschland sechsmal in Serie den Titel gewonnen - ein Aus in der Vorrunde wäre eine historische Blamage, Steffi Jones nicht als Chefin zu halten. Doch das Horror-Szenario wird ausgeblendet. "Druck kriegen wir genug von außen. Wir müssen ruhig bleiben", sagte Mittelfeldspielerin Magull.

"Man muss sich in solche Turniere reinbeißen"

Bei allem Respekt vor dem Gegner: Ernsthafte Zweifel am Weiterkommen des runderneuerten Olympiasiegers kommen in der Fachwelt trotz der Ladehemmung nicht auf. "Ich bin überzeugt, dass gegen Russland der Knoten platzt. Deutschland ist für mich weiter der Topfavorit", sagte Ralf Kellermann, Sportdirektor des deutschen Meisters VfL Wolfsburg, der ARD. DFB-Sportdirektor Horst Hrubesch sieht das ähnlich: "Man muss sich auch in solche Turniere reinbeißen können. Ich glaube, dass sie gegen Russland gewinnen werden und dann im Turnier angekommen sind."

Jones stellte indes klare Forderungen an ihr Team: "Wir müssen zielstrebiger im Angriffsdrittel agieren, mit mehr Präzision im Abschluss, höherer Passschärfe und größerer Entschlossenheit vor dem Tor. Zudem wollen wir in der Defensive souveräner und kompakter auftreten." Gegen Russland gab die 44-Jährige im vergangenen September ihr Debüt als Nachfolgerin von Silvia Neid. 4:0 gewann die DFB-Auswahl das EM-Qualifikationsspiel - ein solches Ergebnis wäre der erhoffte Befreiungsschlag. Maier warnte trotzdem pflichtbewusst: "Das wird ein ähnlich hartes Spiel wie gegen Italien. Die werden kämpfen bis zum Umfallen."

In der kränkelnden deutschen Offensive, die bei der Endrunde noch auf den ersten Torerfolg wartet, droht nach der Verletzung von Svenja Huth (Muskelfaserriss im Oberschenkel) der nächste Ausfall. Ergänzungsspielerin Lena Petermann (SC Freiburg) musste seit Sonntag wegen Magenproblemen mit dem Training aussetzen. Jones deutete erneut Änderungen in der Startelf an, eine Einsatzgarantie erhielt aber die auffällige aber glücklose Mandy Islacker: "Sie hat sich das Glück der Tüchtigen verdient."

Quelle: ntv.de, tno/dpa/sid