Fußball

"Wenn du stehlen musst ..." José Mourinho musste mal wieder ausrasten

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José Mourinho ist sauer.

(Foto: imago images/PRiME Media Images)

Für José Mourinho gibt es seit Wochen wenig zu feiern. Der Startrainer schimpft legendär offen auf sein Team, verliert den Anschluss an die Champions-League-Plätze - und jetzt treiben ihn auch noch Erziehungstipps eines Kollegen zur Weißglut.

Nein, für José Mourinho läuft es derzeit sportlich alles andere als gut, im Gegenteil. Der Starcoach gerät bei Tottenham Hotspur immer mehr unter Druck, denn seit Wochen hagelt es Nackenschläge. Nach dem überraschenden Aus in der Europa League gegen Dinamo Zagreb im März war der Portugiese explodiert: "Ich fühle mich in meiner Ehre verletzt", sagte er damals BT Sports. "Wenn das für irgendeinen von denen kein wichtiges Spiel war, für mich ist es eins. Aus Respekt vor meiner Karriere und aus Respekt vor dem Spiel ist jedes Spiel wichtig."

Nicht ganz einen Monat später gibt es wieder eine Menge Ärger für den mehrfachen Champions-League-Siegertrainer. Auslöser: Die jüngste 1:3-Pleite in der Premier League gegen Manchester United. Dem Klub, bei dem der streitbare Trainer im Winter 2018 noch rausgeflogen war. Eine Niederlage, die er also durchaus hätte persönlich nehmen müssen. Doch diesmal brachten nicht das Ergebnis oder die eigenen Spieler den Coach auf die Palme, sondern der gegnerische Trainer.

"Wenn du stehlen musst, stiehlst du"

"Wenn mein Sohn drei Minuten lang so auf dem Boden liegen bliebe und zehn Kumpels braucht, um aufzustehen, würde er nichts zu essen bekommen", sagte Ole Gunnar Solskjaer dem Bezahlsender Sky. Den ManUnited-Trainer hatte Tottenham-Angreifer Heung-min Son in Rage gebracht. Der Südkoreaner war in der 34. Minute von Scott McTominay mit der Hand im Gesicht getroffen worden und leicht theatralisch zu Boden gegangen, weshalb der folgende Treffer von Edinson Cavani nach Ansicht der Videobilder zurückgenommen worden war. Wenige Minuten später hatte Son Tottenham dann seinerseits in Führung geschossen.

"Das ist peinlich", hatte Solskjaer gesagt, "der Fußball ist völlig dahin." Auf die Frage, ob United erneut "betrogen" worden sei, antwortete der dreifache Familienvater: "Wir nicht, die Schiedsrichter." Referee Chris Kavanagh habe "leider entschieden, dass wir nicht Fußball spielen. Ich bin komplett fassungslos, dass das ein Foul sein soll."

Die Wut seines Kollegen machte Mourinho richtig sauer: "Im Bezug darauf will ich nur sagen, dass sich Sonny sehr glücklich schätzen kann, dass sein Vater ein besserer Mensch als Ole ist", sagte der Portugiese, der mit Tottenham nun sechs Punkte hinter einem Champions-League-Rang liegt, auf der Pressekonferenz: "Ich bin auch Vater, und ich denke, als Vater musst du deine Kinder immer ernähren, egal, was sie tun. Wenn du stehlen musst, um sie zu ernähren, stiehlst du." Schon vorher hatte er Solskjaer persönlich seinen Zorn spüren lassen. Im Nachgang der Partie berichteten die Spurs via Twitter von "abscheulichen rassistischen Beleidigungen" gegen Son in Sozialen Netzwerken.

Eine gleich mehrfach ärgerliche Pleite

Kurios: Nach der 1:6-Klatsche im Hinspiel, damals, als Mourinhos Welt noch etwas mehr in Ordnung war, hatte Solskjaer schon einmal seine pädagogischen Methoden offenbart: "Wenn das mein Sohn wäre, bekäme er zwei Wochen lang nur Brot und Wasser", verkündete er damals in Richtung von Tottenham-Profi Erik Lamela. Der hatte in der 28. Minute die Hände von Uniteds Anthony Martial im Gesicht, der dafür vom Platz flog.

Seinen Spielern machte Mourinho diesmal ausdrücklich keine Vorwürfe, im Gegenteil. "Sie haben alles gegeben, was sie hatten", lobte der Trainer, "keine Beschwerden" gebe es von ihm. Am Ende stand trotzdem eine 1:3-Pleite, weil Fred (57. Minute), Edinson Cavani (79.) und Mason Greenwood (90.+6) den Rückstand noch konterten - und Mourinho damit eine mehrfach besondere Niederlage bescherten: Nie zuvor verlor Mourinho ein Heimspiel gegen Manchester United, weder in Diensten des FC Chelsea noch in seiner Zeit in Tottenham. Und schlimmer: Nie verlor der große Trainer zehn Ligaspiele in einer Saison - bis zu jenem ärgerlichen 1:3. Neun dieser Niederlagen setzte es in den letzten 19 Spielen. Bevor der Abwärtstrend mit einer Niederlage in Liverpool einsetzte, führte man die Premier League noch an.

18 Punkte sind den Londonern in dieser Saison nach Führungen verloren gegangen. Für Mourinho, der seit jeher eher für die gute defensive Organisation als für Spektakel steht, eine Katastrophe, nicht nur rechnerisch. Aber all das waren kurz nach dem Spiel nur Randnotizen. Zu groß war der Ärger über Ole-Gunnar Solskjaers Erziehungsmethoden.

Quelle: ntv.de, ter

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