"Kacktore" frusten Dortmund"Mein Fehler": BVB-Star Kobel nimmt tragisches CL-Aus auf sich

Borussia Dortmund erlebt einen schlimmen Abend: Der BVB scheidet gegen Atalanta Bergamo in der Champions League aus - und das schon in den Playoffs. Am Ende ist der Kapitän bedient, der Trainer "geknickt" und der Torwart entschuldigt sich.
Torhüter Gregor Kobel von Borussia Dortmund hat das Aus in den Playoffs der Champions League auf seine Kappe genommen. "Ja klar, war mein Fehler am Ende. Tut mir natürlich super leid für die Jungs", sagte Kobel bei DAZN nach dem bitteren 1:4 (0:2) bei Atalanta Bergamo über seinen schlimmen Fehlpass vor dem entscheidenden Gegentor in der Nachspielzeit. "Fußball ist manchmal hart. Den muss ich natürlich irgendwie klären, scheißegal wie", sagte Kobel.
Doch statt den Ball auf die Tribüne oder in den Nachthimmel zu hauen, spielte der Schweizer den Ball in die Füße von Bergamos Mario Pasalic, nach dessen Flanke traf BVB-Verteidiger Ramy Bensebaini Nikola Krstovic mit dem Fuß am Kopf, Lazar Samardzic verwandelte den fälligen Foulelfmeter (90.+8), direkt danach war Schluss - und das 2:0-Polster aus dem Hinspiel dahin. Ein solches Aus war den Dortmundern im Europacup zuvor nur im Dezember 1987 gegen den FC Brügge passiert. Damals scheiterte der BVB nach einem 3:0 im Hinspiel durch ein 0:5 nach Verlängerung.
Er mache Kobel "definitiv keinen Vorwurf", sagte Kapitän Emre Can: "Wie oft der uns in dieser Saison gerettet hat. Das tut mir leid für den Jungen." Und auch Trainer Niko Kovac wollte keine Schuldzuweisungen machen, auch wenn das letzte Tor "natürlich nicht passieren" dürfe. Insgesamt habe seine Mannschaft aber zu viele Fehler gemacht. "In der Champions League werden diese Fehler bestraft. Deshalb sind wir enttäuscht und extrem geknickt", so Kovac.
"Das waren schon Kacktore"
Der Last-Minute-Albtraum beschäftigte die BVB-Profis auch nach dem Abpfiff noch. Fassungslos standen sie nach dem Schluss vor ihren Fans. Das späte Drama, die unglücklichen Gegentore: All das arbeitete in den Protagonisten. "Am Ende ist es sehr, sehr unglücklich, aber wenn man ehrlich ist, kommen wir auch verdient nicht weiter", sagte Kapitän Can bei DAZN. "Das waren schon Kacktore, würde ich sagen. Ich weiß nicht, welches Wort ich sonst finden sollte."
Die Niederlage ist auch ein millionenschwerer Rückschlag. Der Einzug ins Achtelfinale hätte eine Prämie von rund elf Millionen Euro gebracht. Dazu kommt der Nackenschlag unmittelbar vor dem Bundesliga-Klassiker am Samstag (18.30 Uhr/Sky und ntv.de-Liveticker). Der FC Bayern reist nach Dortmund - und der BVB hat damit auch die wirklich allerletzte Chance, irgendwie noch eine Rolle in der Meisterschaft zu spielen. Der Rückstand beträgt zehn Spieltage vor Saisonende acht Punkte, bei einer Niederlage sind es dann elf.
Deswegen ist vielleicht noch schlimmer als das reine Ausscheiden aus der Champions League die Art und Weise. Die Verantwortlichen warnten im Vorfeld noch, das Spiel bloß nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Tatsächlich scheiterte der BVB-Plan bereits nach fünf Minuten. Lorenzo Bernasconi wurde auf dem linken Flügel gut in Szene gesetzt, seine flache Hereingabe drückte Scamacca am langen Pfosten unbedrängt über die Linie. BVB-Torwart Kobel, der 60 Sekunden zuvor gegen Nicola Zalewski gerettet hatte, war machtlos.
Nach der Pause wird es noch schlimmer
Der BVB wurde in der Folge harmlos, zunehmend fahrig. Und die Hausherren? Sie witterten die Überraschung: Angetrieben von seinen heißblütigen Fans drängte Atalanta auf den zweiten Treffer, den Kobel bei einem weiteren Schuss von Zalewski (24.) mit einer Glanzparade noch verhinderte. Auch Kapitän Can, der bei seiner Rückkehr gleich in der Startelf stand, konnte der Abwehr keine Sicherheit geben. Der 32-Jährige hatte seit Ende Januar wegen Adduktorenproblemen zuletzt fünf Pflichtspiele verpasst. Die einzige echte Chance in der ersten Halbzeit bot sich Julian Brandt, der mit einem Flachschuss an Bergamos Torwart Marco Carnesecchi scheiterte.
Ohne die Unterstützung seiner Ultra-Fans agierte der Bundesligist viel zu brav. Die organisierten Anhänger waren der Partie wegen behördlicher Maßnahmen im Vorfeld ferngeblieben. "Das ist für uns natürlich sehr bitter und sehr ärgerlich", sagte Kovac dazu. Wenige Sekunden vor der Pause musste der BVB-Trainer dann miterleben, wie Ramy Bensebaini einen Distanzschuss von Zappacosta unhaltbar für Kobel abfälschte.
Nach dem Seitenwechsel kam es noch schlimmer. Pasalic stand bei einer Flanke aus dem Halbfeld völlig frei und überwand Kobel per Kopf. Wenige Minuten zuvor hatte Maximilian Beier die große Chance zum Anschluss vergeben, als er völlig frei nur den Pfosten traf. Viel mehr hatte Dortmund in der Offensive nicht zu bieten, auch wenn Adeyemi noch einmal für Hoffnung sorgte.
Am Ende war ja da noch dieser Elfmeter: Samardzic, der nach Stationen bei Hertha BSC und RB Leipzig schon 2021 nach Italien gewechselt war, blieb beim ganz späten Strafstoß ganz cool. Und der BVB konnte die Welt nicht mehr verstehen.