Fußball

Löw ruft nach DFB-Sieg an Kapitän Neuer besticht mit Risiko-Dribbling

121180685.jpg

Tanz an der Eckfahne: Manuel Neuer.

(Foto: picture alliance/dpa)

Es geht ohne Bundestrainer Joachim Löw. Beim Sieg der deutschen Fußballer in der EM-Qualifikation in Borissow gegen Weißrussland stimmt für Aushilfschef Marcus Sorg das "Gesamtpaket". Kapitän und Torwart Manuel Neuer sorgt derweil mit einem nicht ungefährlichen Dribbling für Aufsehen.

Wollte er einfach nur mal etwas wagen? Oder ist er einfach nur cool? Manuel Neuer hat mit seinem lässigen Dribbling von Borissow am Samstagabend seine Kollegen begeistert, die Fans verzückt und die Chefs einigermaßen verblüfft. "Ich habe gedacht: Wahrscheinlich hat er ein bisschen Langeweile gehabt. Das war recht mutig bei dem Spielstand", sagte DFB-Direktor Oliver Bierhoff über die waghalsige Trickserei des Kapitäns in der 32. Minute des EM-Qualifikationsspiels in Weißrussland, das die deutsche Mannschaft mit 2:0 gewann.

121182964.jpg

Gut gemacht: Matthias Ginter und Niklas Süle gratulieren.

(Foto: picture alliance/dpa)

Als der weit aus seinem Strafraum geeilte Neuer an der Torauslinie den gegnerischen Stürmer Juri Kowalew gleich zweimal austanzte, stand es allerding erst 1:0, Leroy Sané hatte nach zwölf Minuten das erste deutsche Tor erzielt. Das zweite Tor für die DFB-Elf besorgte Marco Reus dann nach einer guten Stunde. "Ich wollte nicht dribbeln, aber ich hatte keine direkte Anspielmöglichkeit", sagte Neuer, "deshalb habe ich nochmal aufgezogen. Beim zweiten Mal war immer noch niemand da, das hat sich einfach so ergeben, war nichts Geplantes". Aber gekonnt.

Die Zuschauer, auch die weißrussischen, applaudierten, die Kollegen klatschten mit. "Er könnte bei uns auch auf der Sechs oder ein bisschen weiter vorne spielen, so kreativ wie er da hinten rumgeschnickt hat", sagte Joshua Kimmich, der mit Neuer beim FC Bayern spielt. "Man sieht, dass er Selbstvertrauen hat und Bock zu spielen. Das tut uns als Mannschaft sehr gut." Dass Neuer, 33 Jahre alt, auch ein guter Feldspieler geworden wäre, ist keine neue Erkenntnis. Und doch überraschen seine technischen Fähigkeiten immer wieder. "Ich habe einiges gelernt von meinen Mitspielern in der Vergangenheit, da kann man sich schon was abschauen."

"Wir sind im Gesamtpaket zufrieden"

Neuer, betonte Bierhoff, könne derartige Situationen "gut einschätzen - und natürlich war es eine tolle Aktion für ihn". Der Torwart spiele "immer gerne mit und ist ganz froh, wenn er ein bisschen Aktion hat". So wie in der 30. Minute, als er beim Kopfball von Nikita Naumow seinem eigentlichen Job nachging: Bälle halten. Auch dies in überragender Manier. "Man hat gesehen: Er ist bereit", sagte Bierhoff über die Nummer eins. Und Marcus Sorg, der den sportverletzten Bundestrainer Joachim Löw an der Seitenlinie vertrat, bescheinigte Neuer, "in diesem Augenblick die richtige Entscheidung" getroffen zu haben.

Weißrussland - Deutschland 0:2 (0:1)

Tore: 0:1 Sané (12. Minute), 0:2 Reus (62.)
Weißrussland: Gutor - Schitow, Naumow, Martynowitsch, Poljakow - Gromyko (ab 57. Korsun), Dragun - Kowalew (ab 69. Gordeitschuk), Majewski, Wolodko - Laptew (ab 62. Skawysch). - Trainer: Kriuschenko
Deutschland: Neuer - Tah, Ginter, Süle - Klostermann, Kimmich, Gündogan (ab 81. Goretzka), Schulz - Gnabry, Reus (ab 76. Brandt), Sané (ab 71. Draxler). - Trainer: Sorg
Schiedsrichter: Srdjan Jovanovic (Serbien)
Zuschauer: 10.000 in Borissow

Apropos Löw. Der meldete sich direkt nach dem zweiten Sieg der deutschen Mannschaft in der Qualifikation zur Europameisterschaft 2020 telefonisch bei seinem Assistenten. "Er hat uns beglückwünscht und ist natürlich auch sehr zufrieden", berichtete Sorg noch im Stadion über das kurze Gespräch mit Löw. "Das Ergebnis hat ihm geholfen, morgen wieder einen ruhigeren Tag zu haben", erzählte DFB-Direktor Oliver Bierhoff, der ebenfalls mit Löw gesprochen hatte. "Da kam auch raus, wie schwer es ihm fiel, das erste Mal nicht dabei zu sein", verriet Bierhoff außerdem. Es geht also auch mal ohne den seit 13 Jahren amtierenden Bundestrainer. Das war eine sehr wichtige Erkenntnis des Abends.

Sorg erledigte seinen Job als Chef unaufgeregt und erfolgreich. "Natürlich war es etwas Besonderes", gab der 53-Jährige zu. Es war kein glanzvoller, aber ein ungefährdeter Sieg nach Toren der Angreifer Leroy Sané und Marco Reus. Und es war zudem am Ende einer langen Saison und nach einer längeren Wettkampfpause für etliche Nationalspieler ein weiterer Entwicklungsschritt der stark verjüngten Mannschaft. "Wir sind im Gesamtpaket zufrieden", sagte Sorg. Und Torschütze Reus resümierte in aller Kürze: "Pflichtaufgabe erfüllt."

Das Ergebnis gegen einen Gegner, der vor allem auf Toreverhinderung ausgerichtet war, genoss Priorität. "Siege sind für eine Mannschaft, die wie unsere in der Entwicklung steht, ungemein wichtig", betonte Sorg. "Grundsätzlich haben wir eine positive Tendenz, das ist schon mal wichtig", erklärte auch Neuer. Mit sechs Punkten aus zwei Spielen ist der Grundstein für die Qualifikation für die EM gelegt. Bevor die Nationalspieler in den Urlaub gehen können, soll nun noch am Dienstag (ab 20.45 Uhr bei RTL und im Liveticker bei n-tv.de) in Mainz gegen Estland Sieg Nummer drei in der Gruppe C folgen.

*Datenschutz

Quelle: n-tv.de, sgi/sid/dpa

Mehr zum Thema