Fußball

Signalstörung beim DFB Kein Geisterspiel für St. Pauli

Nach dem Becherwurf im Spiel gegen Schalke 04 kommt der FC St. Pauli doch um das Geisterspiel gegen Werder Bremen herum. Das DFB-Sportgericht sieht in der Urteilsrevision eine charmante Lösung und verkennt, dass das Signal gegen Fangewalt nun nur noch eine Signalstörung ist.

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Dieser Pauli-Fan kann seine Mannschaft gegen Werder Bremen anfeuern.

(Foto: dpa)

Der Ostersamstag wird nun doch ein ganz gewöhnlicher Bundesligasamstag und für den FC St. Pauli ist das eine gute Nachricht. Der Kiezklub hat Erfolg gehabt mit seinem Einspruch gegen die Strafe für den Bierbecher-Wurf, der den Abbruch des Heimspiels gegen den FC Schalke unvermeidlich gemacht hatte. Die Geisterspiel-Premiere in der Fußball-Bundesliga, die der DFB-Kontrollausschuss als Strafmaß für den tätlichen Angriff auf Schiedsrichter-Assistent Thorsten Schiffner verhängt hatte, sie fällt aus.

"Überragend, ich habe großen Respekt vor der Entscheidung des DFB. Das nennt man Fairplay", begrüßte der scheidende St.-Pauli-Trainer Holger Stanislawski die Revision des Urteils. Das sieht nun nur noch eine Platzsperre in Verbindung mit einem Teilausschluss der Zuschauer in der kommenden Saison vor. "Diese Entscheidung hat den Charme, dass in den Wettbewerb der laufenden Saison durch das Sportgericht in keiner Weise eingegriffen wird", sagte Hans E. Lorenz, der Vorsitzende des DFB-Sportgerichts, bei der Urteilsverkündung.

Die nach sieben Niederlagen in Folge akut abstiegsgefährdeten St. Paulianer hatten ihren Protest gegen das "Geisterspiel" auch mit einer drohenden Wettbewerbsverzerrung begründet, was angesichts der sportlichen Lage der Hamburger allerdings zweifelhaft ist. Denn auch mit der Unterstützung ihrer Anhänger holte der Verein in 14 Heimspielen gerade einmal 15 Punkte. Heimschwächer ist nur Tabellenschlusslicht Borussia Mönchengladbach.

"Urteil wird uns wirtschaftlich hart treffen"

Nun müssen die St. Paulianer das erste Heimspiel der kommenden Spielzeit mindestens 50 Kilometer von Hamburg entfernt austragen. Zuschauen dürfen dann nicht mehr als 13.750 Menschen, davon 12.500 Anhänger des FC St. Pauli und 1250 Gästefans. Am Hamburger Millerntor finden 24.487 Zuschauer Platz.

"Das Urteil wird uns wirtschaftlich hart treffen, aber es greift nicht in den laufenden Wettbewerb ein", sagte St. Paulis Vize-Präsident Gernot Stenger. Für den Fall des "Geisterspiels" gegen Werder Bremen hatte St. Pauli mit einem Verlust von 350.000 Euro kalkuliert, der sich nun zumindest verringern dürfte. Als Ausweichorte sind Bremen oder Hannover im Gespräch.

Stenger betonte, dass der Club nach wie vor "schockiert" von dem Vorfall ("ein Horror") sei und entschuldigte sich erneut bei Schiffner. Er bezeichnete aber eine "Geisterspiel"-Strafe als "zu hart" und sagte: "Diese Tat eines Einzelnen können wir nicht durch irgendeine Schutzmaßnahme verhindern." Das Spiel gegen Schalke 04 am 1. April war in der 87. Minute beim Stand von 2:0 für die Gäste abgebrochen worden, weil ein Pauli-Fan den Schiedsrichter-Assistenten Thorsten Schiffner mit einem gefüllten Bierbecher am Nacken getroffen und zu Fall hatte. Die Begegnung wurde mit 2:0 für Schalke gewertet.

Nachreiner unnachgiebig

Chefankläger Anton Nachreiner vom DFB-Kontrollausschuss hatten die Argumente des Kiezklubs nicht überzeugt, er hatte auch in der mündlichen Verhandlung ein "Geisterspiel" gefordert. Ein Konsensgespräch zwischen Verein und Nachreiner brachte keine Lösung. Dem neuen Strafmaß stimmte Nachreiner letztlich offenbar vor allem deshalb zu, weil die Hamburger bei einer Bestätigung des ersten Urteils Einspruch beim DFB-Bundesgericht eingelegt hätten. Aufgrund der Fristen wäre eine Entscheidung des Bundesgerichts vor dem Werder-Spiel nicht möglich gewesen.

Werder begrüßte die Entscheidung. "Unter sportlichen Aspekten ist es sicherlich die beste Lösung. Wir hätten ein Geisterspiel nicht als Vorteil angesehen", erklärte Clubchef Klaus Allofs.

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"Das soll aber nicht heißen, dass es zukünftig nur Platzsperren geben wird", sagt Hans E. Lorenz, Vorsitzender des DFB-Sportgerichts.

(Foto: dpa)

Dass Sportgerichts-Chef Lorenz ("Das soll aber nicht heißen, dass es zukünftig nur Platzsperren geben wird") betonte, die Entscheidung sei keinesfalls als Freifahrtsschein für Fanattacken misszuverstehen, zeigt nur die Hilflosigkeit des DFB gegenüber Zuschauern, die in dem Glauben ins Stadion gehen, mit dem Erwerb der Eintrittskarte nicht mehr Anstandsregeln verpflichtet zu sein. Die es als ihr Recht ansehen, wie im Fall Paolo Guerrero Spieler übel zu beschimpfen oder wie jetzt einen Referee zu verletzen. Es führt nämlich letztlich zu der Frage, was in einem Bundesliga-Stadion passieren muss, ehe der DFB ein "Geisterspiel" verhängt. Ein von Fans provozierter Spielabbruch, der den Schiedsrichter-Assistenten mit einer Nackenprellung zurücklässt, reicht offensichtlich nicht.

Signalstörung beim DFB

Der Hamburger Sportrechtler Martin Nolte hatte das "Geisterspiel"-Urteil gegen den FC St. Pauli als "hart, aber fair" begrüßt. Es bewege sich auf dem Boden der geltenden Regeln und sei in seiner Wirkung auf Generalprävention gerichtet. Nolte erhoffte sich von dem Urteil eine abschreckende Wirkung, weil natürlich auch in anderen Stadien Münzen, Feuerzeuge, Schneebälle und Bierbecher geworfen werden. Der Spielabbruch am Millerntor hätte sich auch in einer anderen Bundesliga-Arena ereignen können.

Nolte sagte deshalb: "Ich meine, dass man hier zur richtigen Zeit das richtige Signal gesetzt hat." Nach der Revision des Urteils steht fest, dass es nur eine Signalstörung war.

Quelle: n-tv.de, mit dpa und sid

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