Fußball

Bratwurst, Superstar, Bayern-Boss "Killer-Kalle" Rummenigge hat's allen gezeigt

Franz Beckenbauer nennt ihn "Bratwurst", Karl-Heinz Rummenigge schwört sich: Denen zeig's ich. Und das tut er. Erst wird er einer der besten Fußballer seiner Generation, dann zum starken Mann beim FC Bayern. Nun wird der "Biedermann" 60.

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Rosige Wangen, wuscheliges blondes Haar und ein wenig nervös: Karl-Heinz Rummenigge 1974.

(Foto: imago/Sportfoto Rudel)

Er bezeichnet sich selbst als Sonntagskind, ein Menschenfänger ist er nicht. Karl-Heinz Rummenigge hat einmal gesagt, gut damit leben zu können, keine Persönlichkeit zu sein, die andere für sich einnimmt. "Ich bin bieder - und bin stolz drauf." Ein lockerer Vogel sei er nie gewesen, sagt er, "dazu bin ich zu ehrgeizig." So spricht einer, der weiß, dass er sich nicht mehr darum kümmern muss, was andere über ihn denken. Einer, dem alles geglückt ist, der sich wegen seiner kühlen Art aber auch den Spitznamen "Killer-Kalle" erarbeitet hat. Einer, der weiß, dass er etwas zu sagen hat - als Vorstandschef des FC Bayern, dem besten, reichsten und auch mächtigsten Fußballklub des Landes, und als Vorsitzender der europäischen Klubvereinigung ECA.

Kurzum: So spricht einer, der weiß, was er geleistet hat. Denn auch wenn sich die Jüngeren nicht daran erinnern - Karl-Heinz Rummenigge war nicht immer Funktionär. Er hat einst richtig gut Fußball gespielt und - das lässt sich ohne Übertreibung sagen - eine durchaus erstaunliche Karriere hinter sich.

Alles fing im August 1974 an, als er für 17.500 Deutsche Mark aus der ostwestfälischen Provinzstadt Lippstadt zum großen FC Bayern nach München wechselte. Seine Lehre bei einer Bank hatte er abgebrochen. Damals ahnte noch niemand, dass aus ihm erst ein Stürmer von Weltklasse und später dann der wichtigste Mann im Verein werden sollte. Rosige Wangen, wuscheliges blondes Haar und ein wenig nervös - Rotbäckchen nannten sie ihn.

"Rummelfliege", "Rumgenippe"

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"Ohne ihn geht gar nix."

(Foto: imago/Ulmer)

Max Merkel, ehemaliger Trainer und Kolumnist der "Bild"-Zeitung schrieb stets von "Rummefliege", für den Komiker Otto Waalkes war er "Rumgenippe". Franz Beckenbauer titulierte Rummenigge später gar als "Bratwurst" - und erinnert sich: "Schüchtern, fast ehrfürchtig" habe der 19-jährige Rummenigge gewirkt, als er im August 1974 erstmals in der Kabine zwischen all denen stand, die gerade mit der deutschen Nationalelf Weltmeister geworden waren. Lang ist's her.

Nach einem grandios verkorksten Debüt - der FC Bayern verlor am 24. August 1974 im Frankfurter Waldstadion mit 0:6 gegen die Offenbacher Kickers - ging es dann stetig aufwärts. In zehn Jahren spielte er 310 Mal für die Münchner und erzielte dabei 162 Tore. Rummenigge gewann mit den Bayern zweimal, 1975 und 1976, den Europapokal der Landesmeister und 1976 auch den Weltpokal. Zweimal, 1980 und 1981, wurde er Deutscher Meister, 1982 und 1984 gewann er mit den Münchnern den DF-Pokal. Für die Nationalmannschaft spielte er 95 Mal und schoss 45 Tore. In Italien wurde er 1980 mit der DFB-Elf Europameister. Bei Weltmeisterschaften hingegen hatte er stets ein wenig Pech. Das Turnier 1978 in Argentinien wurde von der Niederlage gegen Österreich in Cordoba und dem frühen Ausscheiden überschattet, 1982 in Spanien quälte er sich mit einem Muskelriss, 1986 in Mexiko war er ebenfalls angeschlagen. Immerhin erreichte er zwei Endspiele, die allerdings gegen Italien und Argentinien verloren gingen. Seiner Popularität tat das keinen Abbruch.

"Ich empfinde Lust dabei, mich zu schinden"

Das englische Popduo "Alan & Denise" widmete ihm 1983 gar ein Lied und besang seine "sexy knees". Als er 1984 zu Inter Mailand ging, war er eindeutig der Star beim FC Bayern und einer der beliebtesten Fußballer des Landes. Seine Poster hingen in den Kinderzimmern. Wer in den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren fußballerisch sozialisiert wurde, kam auch als Anhänger eines anderen Klubs an Rummenigge nicht vorbei. 11,4 Millionen Mark mussten die Italiener für ihn an den FC Bayern bezahlen - und retteten damit ganz nebenbei den damals verschuldeten Klub. Teurer war seinerzeit nur Diego Maradona.

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Teurer war nur Maradona: Rummenigge im Trikot von Inter Mailand.

(Foto: imago/Horstmüller)

Es muss für Rummenigge eine Genugtuung gewesen sein. Nach Beckenbauers Spruch mit der "Bratwurst" habe er sich geschworen: "Denen zeig' ich's!" Das hat er in der Tat. Heute, sagte Beckenbauer der "Sport Bild", "ist Kalle einer der wichtigsten und besten Macher im Weltfußball". Uli Hoeneß würdigte seinen langjährigen Freund als den "ganz starken Mann, ohne ihn geht gar nix". Und DFB-Präsident Wolfgang Niersbach betonte, Rummenigge genieße "international ein tolles Ansehen". Das hat sich Rummenigge hart erarbeitet. "Ich empfinde Lust dabei, mich zu schinden", hat er einmal gesagt. Und, später: "Ich habe fünf Kinder, ich weiß, was Disziplin ist." Hier spricht der Ostwestfale, der die Bezeichnung Funktionär nicht mag, weil das einen negativen Klang habe und "inzwischen mehr ein Schimpfwort als sonst was" sei.

Nun ist er seit 1991 beim FC Bayern genau das. Erst als ehrenamtlicher Vize-Präsident, seit 2002 als Vorstandschef der FC Bayern München AG. Sein Vertrag läuft bis Ende 2016. Mit Hoeneß formte er einen großen Klub mit einem Umsatz von über 500 Millionen Euro. Eine steile Karriere, die ihm wenige zugetraut hatten. Es sei sein Glück, "immer unterschätzt" worden zu sein, sagte er. Oder wie sein Dortmunder Funktionärskollege Hans-Joachim Watzke sagte: "Wer an der Spitze eines so bedeutenden Vereins steht, hat nicht so viel falsch gemacht." Heute wird Karl-Heinz Rummenigge 60 Jahre alt. Er lässt es langsam angehen, bieder halt, feiert mit seiner Frau Martina, seiner Familie und einigen Freunden. Die großen Feste sind seine Sache nicht. "Mehr gelogen wird nur auf Beerdigungen - und das brauche ich dann irgendwie nicht."

Quelle: n-tv.de

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