Fußball

Atlético ohne Fußball ins Viertelfinale Klägliches Bayer scheitert - an sich

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Gescheitert: die Leverkusener nach dem Elfmeterdrama von Madrid.

(Foto: imago/Claus Bergmann)

Von den guten Hinspiel-Geistern verlassen, vergeigen die Fußballer des TSV Bayer 04 Leverkusen beim Elfmeterdrama in Madrid das zum Greifen nahe Weiterkommen in der Champions League. Besonders einem versagen die Nerven.

"Wenn man schon ausscheidet, dann so." Das konnte wohl nur einer sagen, der beim Elfmeterschießen nicht antreten musste - Lars Bender, Kapitän der Fußballer aus Leverkusen. Bei seinen Kollegen Hakan Calhanoglu, Ömer Toprak und Stefan Kießling dagegen dürfen nach ihren Fehlschüssen Schlafstörungen größeren Ausmaßes vermutet werden. Das gilt vor allem für Calhanoglu, dem Matchwinner aus dem Hinspiel, dem Mann, der sein Team in dieser Saison schon so oft mit seiner Schusskraft gerettet hatte. Nun ist Bayer Leverkusen raus, wieder einmal. Und Atlético Madrid steht im Viertelfinale der Champions League.

Dabei hatte Atlético der Werkself sogar den Gefallen getan, im Elfmeterdrama an diesem Dienstagabend in Madrid gleich den ersten Schuss zu vergeben. Doch dann trat Calhanoglu als erste Schütze für Leverkusen an - und verschoss so kläglich, dass es beim Zuschauen wehtat. "Der Torwart hat genau gewusst, dass ich ihn ausgucken wollte und ist lange stehen geblieben", sagte Calhanoglu. Stimmt, in der Mitte ist er stehen geblieben. Und dort hatte Calhanoglu hingeschossen. Wobei das mit einem Schuss wenig zu tun hatte. Dem 21-Jährigen versagten im bislang bedeutendsten Spiel seiner Karriere schlichtweg die Nerven, und so erging es auch seinem türkischen Landsmann Ömer Toprak. Total verunsichert jagte er die Kugel übers Tor. Schon vor dem Schuss stand ihm die Angst ins Gesicht geschrieben.

"Wir hätten es verdient gehabt"

"Ich war froh, dass ich fünf zusammen gekriegt habe", ließ Trainer Roger Schmidt hinterher tief blicken. Man versucht dann, mit einem sicheren Schützen anzufangen und mit einem sicheren Schützen aufzuhören." Torwart Bernd Leno hielt die Werkself mit einer Parade im Rennen, aber Schlussschütze Stefan Kießling, seit Jahren Bayers Mann für Schüsse vom Punkt, verschoss und brach in Tränen aus, während das Vicente-Calderon-Stadion seine Antihelden feierte. Denn das Elfmeterdrama war das Abbild einer Partie, die mit Fußball wenig zu tun hatte - weil Atlético es so wollte und Bayer es nicht verhindern konnte. "Es war eine Schlacht um die zweiten Bälle. Man kann sich dieser Spielweise nicht entziehen, man muss das mitgehen", sagte Schmidt. Kampf statt Spiel also, ein Nachteil für die Werkself, die im Hinspiel gezeigt hatte, dass sein ihrem Gegner spielerisch überlegen ist.

Eben darin bestand der große Triumph zwei Wochen zuvor: Leverkusen hatte den Vorjahresfinalisten fußballerisch beherrscht. Dem Rückspiel aber drückten die Spanier ihren Stempel auf - und auf dem stand Kampf. Jeder Angriffsversuch der Leverkusener wurde im Keim erstickt - und das meist sogar mit fairen Mitteln. Die Werkself blieb ohne echte Torchance und war ihrerseits in den Zweikämpfen immer wieder zu spät dran. Das Ergebnis: 25:10 Fouls und 6:4 gelbe Karten für Bayer. "Wir hätten besser nach vorne spielen müssen. Das haben wir nicht geschafft, und das müssen wir uns vorwerfen lassen", sagte Simon Rolfes nach dem letzten Champions-League-Spiel seiner Laufbahn, die ja im Sommer zu Ende geht. Der Routinier hatten seine Elfmeter übrigens sicher verwandelt.

Und so lebt er weiter, der Achtelfinal-Fluch der Leverkusener - wenn auch, aus Sicht von Rudi Völler, unter anderen Vorzeichen. "Das Ausscheiden ist ja nicht dasselbe wie in den letzten beiden Jahren, als es Klassenunterschiede gab." Bernd Leno sieht das ähnlich. "Dass es so spannend wird, hat uns vor dem Achtelfinale keiner zugetraut. Wir hätten es verdient gehabt weiterzukommen, denn es war wirklich auf Messers Schneide." Nach dem grandiosen Hinspiel allerdings hatten sich alle mehr erhofft. Und nun darf sich Leverkusen in der Bundesliga mit Schalke 04 messen, jener Mannschaft also, die vergangene Woche bei Real Madrid nach einer grandiosen Rückspiel-Leistung ebenso knapp ausgeschieden war. "Wir müssen jetzt versuchen, in der Bundesliga den Weg weiter zu gehen, damit wir nächstes Jahr wieder in der Champions League spielen können - und das dann mit diesen Erfahrungen besser machen können, " gibt Schmidt als Parole fürs Topspiel am Samstag (ab 18.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) aus. Keine leichte Aufgabe, nach der Enttäuschung von Madrid.

Quelle: ntv.de

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