Fußball

US-Team soll für WM 2022 reifen Klinsmann-Erbe setzt auf Bundesliga-Profis

imago38531160h.jpg

Gregg Berhalter soll die USA zur WM 2022 führen.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Mehr als zwei Jahre dauert die Suche des US-Fußball-Verbandes, bis mit Gregg Berhalter ein Nachfolger für Jürgen Klinsmann gefunden ist. Der Neue soll die Amerikaner zur WM 2022 führen. Doch erstmal muss er einen Stammkader finden - und vertraut dabei auf Bundesliga-Power.

Das Warten hat für Gregg Berhalter endlich ein Ende. Seit dem 2. Dezember ist der ehemalige Profi von Energie Cottbus und 1860 München neuer Fußball-Nationaltrainer der USA. Doch erst jetzt kann er erstmals richtig loslegen. "Es ist ein großartiges Gefühl, endlich den gesamten Spieler-Pool zur Verfügung zu haben. Jetzt wollen wir die Voraussetzungen für den Gold Cup legen", sagt Berhalter. Seit Montag hat er seinen Kader in Orlando zusammen, wo das US-Team in der Nacht zu Freitag ein Testspiel gegen Ecuador bestreitet (Anpfiff 1 Uhr). Anschließend geht es weiter nach Houston. Hier treffen die Amerikaner am Dienstag in einer weiteren Freundschaftspartie auf Chile.

imago26173276h.jpg

Im November 2016 musste Klinsmann die US-Jacke ausziehen.

(Foto: imago/Icon SMI)

Berhalter ist der erste offizielle Cheftrainer der USA seit der Entlassung von Jürgen Klinsmann am 21. November 2016. Als der Schwabe mit zwei Niederlagen gegen Mexiko und Costa Rica in die entscheidende Qualifikationsphase zur Weltmeisterschaft 2018 gestartet war, zog der US-Verband die Reißleine. Der ehemalige Nationaltrainer Bruce Arena hatte als Interimscoach übernommen. Nachdem er jedoch knapp ein Jahr später das WM-Ticket nach Russland nicht buchen konnte und die USA somit erstmals seit 1986 bei einer Weltmeisterschaft zuschauen mussten, wurde auch Arena entlassen.

Große Namen, kleine Lösung

Auf ihn folgte die Übergangslösung Dave Sarachan - und mit ihm ein weiteres Kapitel von Inkompetenz seitens des US-Verbandes. Sarachan war zuvor Arenas Assistent gewesen und sollte Ende 2017 eigentlich nur für das letzte Länderspiel des Jahres in Portugal an der Seitenlinie stehen. Doch die Suche der Offiziellen nach einem neuen Nationaltrainer entwickelte sich fast zu einer Mission Impossible - und dauerte bis Anfang Dezember. Große Namen wie Louis van Gaal oder auch Thierry Henry wurden gehandelt - doch letztlich gab es mit Gregg Berhalter, der seit 2013 den MLS-Klub Columbus Crew trainierte, die eher kleine Lösung.

Dass er nicht die allererste Wahl war, ist dem Neuen ziemlich egal. Berhalter soll die USA zur WM 2022 zu führen. Doch so weit geht sein Blick noch nicht. Berhalter schaut auf den Sommer. Auf den Gold Cup. Die Kontinentalmeisterschaft für Nord- und Zentralamerika sowie die Karibik wird sein erster Gradmesser. Und ihm bleibt im Vorfeld des Turniers nur das jetzige Trainingslager, um so etwas wie eine Art Stammkader zu formen. Zwar hatte Berhalter im Januar bereits ein Trainingslager in Kalifornien abgehalten. Doch da kamen nur die Nationalspieler aus den MLS-Klubs zusammen, da die nationale Liga noch Saisonpause hatte.

Vier Bundesliga-Profis bei Berhalter

imago39241023h.jpg

Power und Ballgefühl - das schätzt Berhalter an Brooks.

(Foto: www.imago-images.de)

Nun sind erstmals auch die Profis aus Übersee dabei. Unter anderem John-Anthony Brooks (Wolfsburg), Christian Pulisic (Dortmund), Weston McKennie (Schalke) und Tyler Adams (Leipzig). Berhalter hat nach eigenen Angaben mit mehr als 40 Spielern gesprochen. Er war Ende Februar auch in Deutschland, um mit seinen Nationalspielern aus der Bundesliga zu reden. Als einen seiner Leistungsträger sieht er Brooks. Der 1,93 Meter große Abwehrspieler vom VfL Wolfsburg ist der "Tower of Power" in der US-Verteidigung. "Seine Statur und wie er den Ball passt - ich denke, John hat ein riesiges Potential", betont Berhalter, der Brooks beim 3:0-Sieg der Wolfsburger in Mönchengladbach Ende Februar live gesehen hat.

Auf eine genaue Kadergröße für sein Team will sich der 45-Jährige noch nicht festlegen. Nur soviel: "Ich bin fest davon überzeugt, dass wir am besten sind, wenn wir die Stärken eines jeden Einzelnen einbringen." Das heißt unter anderem, dass er Christian Pulisic, das seit Jahren größte US-Talent, als klassischen Spielmacher hinter den Spitzen einsetzen will. Bei Borussia Dortmund kommt der 20-Jährige eher über die linke Seite. Tyler Adams wiederum, der bei RB Leipzig im zentralen Mittelfeld spielt, testet Berhalter im Trainingslager als Rechtsverteidiger.

Adams-Experiment lässt Fans aufschrecken

Dieses Experiment ließ bei einigen US-Soccer-Fans umgehend ungute Erinnerungen an die Klinsmann-Ära aufkommen. Der hatte immer mal wieder Profis auf Positionen eingesetzt, die sie weder im Verein, noch jemals zuvor in ihrer Karriere gespielt hatten. Berhalter versteht diese Sorgen, macht aber klar, dass man sich erst in "der Anfangsphase" befinde, in der er Adams "mal testen will, um zu sehen, wie er sich schlägt". Zudem betonte Berhalter, dass er den jungen, dynamischen Leipziger nicht als klassischen Rechtsverteidiger sieht, sondern als jemanden, der immer wieder auch ins Mittelfeld zieht und so seine Stärken ins Aufbauspiel einbringen könne. "Vielleicht klappt es nicht so, wie wir uns das vorstellen. Dann müssen wir uns anpassen. Aber ich denke, es ist zumindest einen Versuch wert."

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema