Fußball

Als Trainer kein Vertrauen Klinsmann überrascht Hertha mit Rücktritt

Überraschung bei Hertha BSC: Bei Facebook verkündet Jürgen Klinsmann seinen Rücktritt als Trainer des Fußball-Bundesligisten. Er erklärt seine Entscheidung damit, dass er nicht das uneingeschränkte Vertrauen für seine Arbeit genieße. Der Klub war vorab nicht informiert.

Nach zweieinhalb Monaten ist das spektakuläre Trainer-Comeback von Jürgen Klinsmann in der Fußball-Bundesliga schon wieder beendet. Via Facebook erklärt er völlig überraschend seinen Rücktritt bei Hertha BSC. Als Grund führt er mangelndes Vertrauen für seine Arbeit an. "Gerade im Abstiegskampf sind Einheit, Zusammenhalt und Konzentration auf das Wesentliche die wichtigsten Elemente", schrieb er. "Sind die nicht garantiert, kann ich mein Potenzial als Trainer nicht ausschöpfen und kann meiner Verantwortung somit auch nicht gerecht werden." Die Entscheidung sei nach langer Überlegung gereift. Klinsmanns Berater Roland Eitel bestätigte den Rücktritt gegenüber RTL/ntv.de.

In einer ersten Stellungnahme erklärte der überraschte Klub, dass es für diese Entscheidung keine Anzeichen gegeben habe. Vor allem nicht nach der "vertrauensvollen Zusammenarbeit hinsichtlich der Personalentscheidungen in der Winterpause". Das wirkt durchaus kurios: Denn eben das Vertrauen führt Klinsmann als Grund für seinen Rückzug an. Der "Bild"-Zeitung zufolge soll sich der Trainer schon am Vormittag vor dem Training von dem Team verabschiedet haben. Interimsnachfolger wird der bisherige Assistent Alexander Nouri. Es ist der sechste Trainer-Wechsel in dieser Saison. Zuvor hatten bereits der FC Bayern, der 1. FC Köln, der FSV Mainz 05 und Fortuna Düsseldorf das Personal getauscht.

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Der Hertha will der 55-Jährige allerdings erhalten bleiben. Er will sich wieder auf "meine ursprüngliche langfristig angelegte Aufgabe als Aufsichtsratsmitglied zurückziehen", heißt es in der Erklärung bei Facebook. Klinsmann bedankte sich bei den Anhängern, den Spielern und den Mitarbeitern. Sie "sind mir in dieser Zeit natürlich ans Herz gewachsen und deshalb werde ich weiter mit der Hertha fiebern. Ich freue mich weiterhin auf viele Begegnungen in der Stadt oder im Stadion."

Ohne Not große Ambitionen geäußert

Zuletzt war die Kritik an der Arbeit des ehemaligen Bundestrainers immer lauter geworden. Vor allem das lahmende und arg ideenlose Offensivspiel wurde kritisiert. Im Winter hatte sich die Hertha für knapp 80 Millionen Euro verstärkt. Mehr Geld gab in der Pause kein anderer Bundesligist aus. Nicht mal der BVB, der mit Super-Talent Erling Haaland und Nationalspieler Emre Can zwei Hochkaräter verpflichtet hatte. Allerdings kamen bei der Hertha bislang nur Stürmer Krzysztof Piątek und Mittelfeldabräumer Santiago Ascacíbar zum Einsatz. Die Mannschaft steckt als Tabellen-14. tief im Abstiegskampf.

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Klinsmann hatte das Traineramt am 27. November als Nachfolger von Ante Covic übernommen. In neun Bundesliga-Spielen holte der frühere Welt-  und Europameister zwölf Zähler. Im DFB-Pokal unterlagen die Berliner im Achtelfinale vergangene Woche beim FC Schalke 04 dramatisch mit 2:3 nach Verlängerung, nachdem Hertha zur Pause mit 2:0 geführt hatte.

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Trotz der angespannten Situation in der Liga hatte Klinsmann immer wieder große Visionen geäußert. Für die kommende Saison hatte er bereits die Qualifikation für die Europa League ausgerufen. Dank der Investitionen des Unternehmers Lars Windhorst soll die Hertha zu einem "big city club" werden.

Jürgen Klinsmann schmeißt nach nur 76 Tagen bei Hertha BSC als Trainer hin. Anfangs präsentiert er sich als Visionär, weckt Euphorie und entwickelt große Ambitionen. Doch die Realität heißt Abstiegskampf - und endet in einem stillosen Abgang. Auch Fettnäpfchen lässt der Kurzzeit-Coach nicht aus.

Quelle: ntv.de, tno