Fußball

"Es muss sich etwas ändern" Klopp fürchtete offenbar um sein Leben

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Gegner Leeds protestierte mit T-Shirts.

(Foto: imago images/PA Images)

Die Reaktionen auf den Plan zur Super-League-Gründung sind heftig. Der FC Liverpool ist einer der zwölf Klubs, die damit an die Öffentlichkeit gehen. Trainer Jürgen Klopp war dabei anscheinend nicht eingeweiht - und macht sich jetzt öffentlich Sorgen.

Jürgen Klopp schien nach all den Drohungen, den Beschimpfungen und dem Hass, der ihm und seinem "gierigen" FC Liverpool in Leeds entgegengeschlagen war, um sein Leben zu fürchten. "Ich gehe jetzt nach Hause und weiß nicht, was da abgehen wird", sagte Klopp sichtlich aufgewühlt und fügte fast flehentlich hinzu: Die Fans und Experten, die ihn und seinen Klub nach der Mitgründung der Super League "zur Hölle" gewünscht hatten, "sollten alle mal runterkommen, wir sind auch nur Menschen".

Ausgerechnet der FC Liverpool! Wohl kein Fußball-Verein der Welt verströmt mehr Tradition als dieses Symbol der Arbeiterklasse aus der Stadt der Beatles. Das Stadion an der Anfield Road ist eine Ikone des Fußballs, die Vereinshymne "You'll never walk alone" verkörpert wie keine andere den Zusammenhalt zwischen Klub und Fans. Und jetzt wirft sich der ruhmreiche LFC in die schmierigen Arme der Hochfinanz? Pfui, Teufel!

Klopp, der die neue Reichenliga selbst ablehnt, wurde deshalb schon beim Spaziergang durch Leeds mit seinen Spielern vor dem 1:1 von aufgebrachten Fans scharf attackiert. "Damn LFC to hell!", hätten die Anhänger gebrüllt, berichtete Klopp, also: "Zum Teufel mit Liverpool!"

Auf Bannern am Stadion war von "Super-Gier" und dem "Tod" des Klubs zu lesen, die Leeds-Spieler trugen beim Aufwärmen T-Shirts mit den Slogans "Fußball ist für die Fans" und "Champions League - verdient es euch". Liverpools Stadtrivale FC Everton sprach von "Verrat" und "lächerlicher Arroganz".

"Klub ist größer als wir alle zusammen"

Klopp äußerte Verständnis für die Proteste, reagierte aber verärgert auf die Art und Weise. Dass die Shirts auch in der Liverpool-Kabine gelegen hatten, sei "ein Witz, ein echter Witz", schimpfte er, "das macht mich wütend". Dass seine Spieler und er zur Zielscheibe geworden seien, "haben wir nicht verdient. Ich habe nicht gesagt: Auf in die Super League!" Er sei in die Pläne nicht eingeweiht gewesen und halte die Liga weiter für "keine großartige Idee".

Vertreter anderer Klubs wie Rudi Völler oder Gary Neville hätten deshalb "kein Recht", Liverpools Hymne gegen den Klub zu verwenden, echauffierte sich Klopp, "das gefällt mir nicht". Die Aussage von "You'll never walk alone" sei aktueller denn je. "Das ist mir wichtig. In schwierigen Zeiten muss man zusammenhalten", appellierte Klopp, "das heißt aber nicht, dass man zu allem Ja sagt."

Aber müsste er dann nicht aus Protest gegen die eigenen Bosse zurücktreten? Nein, betonte Klopp, er "werde das so lange machen, wie man es mich machen lässt". Und Liverpool ist auch nur ein Verein aus dem "Dreckigen Dutzend" der Super-League-Gründer, von denen jetzt vor allem die sechs englischen Teams den massiven Gegenwind der empörten Basis spüren. Die übrigen 14 Premier-League-Klubs verurteilten das Gebaren der "Big Six" auf einer Dringlichkeitssitzung scharf. Doch Klopp ist es viel zu einfach, auf die vermeintlichen "Verräter" aus England zu zeigen.

Den Abtrünnigen werde Geldgier vorgeworfen, sagte er bei Sky, "aber was glauben Sie, was die UEFA will?" Dem europäischen Dachverband gehe es wie der FIFA mit ihrer Klub-WM um "immer mehr Spiele" und folglich "ums Geld, um nichts anderes." Deshalb lehne er auch die Reform der Champions League ab, wie sie die UEFA am Montag beschlossen hatte. Für Klopp steht daher fest, dass die Macht umverteilt werden müsse. "Es muss sich etwas ändern im Fußball, das ist ganz sicher."

Quelle: ntv.de, tsi/sid

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