Fußball

Achtligist im Pokal-Abenteuer Klopps Hilfe und ein kleines Fußball-Märchen

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Neil Young (links) und Niall Cummings vom FC Marine erlebten einige aufregende Tage im Zeichen des Pokals.

(Foto: imago images/PA Images)

Der FC Marine ist ein kleiner Klub, dessen Pokal-Abenteuer schnell wieder zu Ende geht. Doch die Tage rund um das große Spiel sind gefüllt mit begeisternden Momenten - und Begegnungen mit den ganz großen Namen. Am Ende steht der Verein saniert da.

Auch die Hilfe von Jürgen Klopps Stab und des FC Liverpool konnte nicht verhindern, dass die Dinge für den FC Marine zumindest sportlich seinen geregelten Gang gingen: Der Amateurklub verlor sein Pokalspiel gegen die Tottenham Hotspur von Starcoach José Mourinho 0:5. Der englische Meister hatte dem Underdog umfangreiches Videomaterial von Tottenham zur Verfügung gestellt, außerdem hatte man die Amateurkicker vor dem Spiel auf seinem Vereinsgelände trainieren lassen. Zuvor durfte Marine auch beim ebenfalls in Liverpool beheimateten FC Everton trainieren. Der eigene Trainingsplatz des FC Marine war wegen Frosts gesperrt.

"Wir sind so gut vorbereitet, wie man es als Teilzeit-Fußballer eben sein kann", sagte Neil Young, der Teammanager des FC Marine: "Ich habe sehr viel analysiert mit der Hilfe des FC Liverpool, der uns einige Informationen gegeben hat. Wir sind beiden Klubs extrem dankbar für ihre Hilfe." Es nutzte nichts.

"So viel Respekt vor José Mourinho"

Auch, weil José Mourinho, streitbarer Trainer der Spurs, angekündigt hatte, sein Team auf das Spiel "ganz normal und mit großem Respekt vorbereiten". Entsprechend nahm der Portugiese im nicht eben über die Maßen beliebten Pokalwettbewerb auch keine C-Truppe mit nach Liverpool, sondern schickte unter anderem Superstar Gareth Bale und Englands Nationalspieler Dele Alli ins Rennen. Das nötigte auch Neil Young, Mourinhos Gegenpart vom FC Marine, gehörigen Respekt ab: "Er hat mit seiner Aufstellung das umgesetzt, was er angekündigt hatte, er hat Spieler gebracht, die er leicht hätte auf der Bank lassen können."

Er habe vor dem Spiel "ein gutes Gespräch mit José" gehabt "und er war sehr lobend über den Platz und das Spielfeld. Er versteht den englischen Fußball." Es wäre für Mourinho "sehr einfach für ihn gewesen, Gareth Bale nicht zu bringen, aber er hat es getan, weil er respektiert, was wir in diesem Wettbewerb erreicht haben." Der FC Marine hatte vorher sieben Runden im regionalen Pokalwettbewerb überstanden. "Ich habe so viel Respekt vor José Mourinho."

"Zuschauer: 30.697"

Doch der Abend wurde für den Amateurklub noch aus anderen Gründen zu einem kleinen Fußball-Märchen, denn die Aufmerksamkeit durch die großen Namen, die auf einmal durch den Kosmos des kleinen Vereins schwirrten, sorgte für beeindruckende Zahlen: Für das Pokalspiel gegen den Premier-League-Club verkaufte der 1894 gegründete FC Marine mehr als 30.000 virtuelle Eintrittskarten. "Endstand: Marine 0, Tottenham 5. Zuschauer: 30.697", twitterte der Verein aus Crosby in der Nähe von Liverpool, der als Ziel 6000 ausgegeben hatte.

Im Stadion, das ohnehin nur knapp 3200 Zuschauer fasst, waren keine Fans erlaubt. Einige Anhänger schauten aber durch den Zaun und aus den Fenstern der umliegenden Häuser zu. Wegen der Coronavirus-Pandemie steckt der 1894 gegründete Club finanziell in Not. Die virtuellen Tickets konnten Fans für 10 Pfund (circa 11 Euro) online erwerben, um Marine zu unterstützen. Auch zahlreiche Tottenham-Fans kauften die Karten. Spurs-Coach José Mourinho und TV-Moderator Gary Lineker sollen ebenfalls virtuelle Tickets erworben haben. "Absolut fantastische Unterstützung", schrieb der krasse Pokal-Außenseiter bei Twitter. "Danke an die Fußballwelt und die Spurs."

Unter allen Käufern eines virtuellen Tickets verlost der FC Marine übrigens einen ganz besonderen Preis: Der Gewinner darf den Achtligisten in einem Vorbereitungsspiel coachen. Mourinho soll für den Fall des Sieges bereits freundlich abgewunken haben - unter Verweis auf die eigene Vorbereitung.

Quelle: ntv.de, ter