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Bayerns Torhüter und Rensings Drama Kraft spielt auch gegen Neuer

Thomas Kraft ist jung, gut – und spielt beim FC Bayern. Das ist sein Problem. Die Münchner haben bereits schlechte Erfahrungen mit einem jungen Torhüter gemacht, der einen etablierten beerben sollte. So spielt Kraft auch gegen Michael Rensing. Und gegen Manuel Neuer.

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"Er muss lernen, damit umzugehen, dass die ganze Welt weiß, dass er in der Champions League spielt." Sagt Münchens Trainer Louis van Gaal über Thomas Kraft.

(Foto: dpa)

Sportdirektor Christian Nerlinger hat es dann lieber noch in der Halbzeit der Partie gegen Basel in der Champions League gesagt. Thomas Kraft spiele gut. "Es ist wichtig, dass wir eine gute Nummer zwei haben." Das heißt auch: Jörg Butt bleibt der Torwart Nummer eins beim FC Bayern München. Und da der schon 36 Jahre alt ist, heißt das vor allen Dingen auch, dass Schalkes Manuel Neuer ein Thema bleibt.

Der ist 24 Jahre alt, vor allem aber Nationaltorhüter und richtig gut. Gut ist Thomas Kraft auch, das hat er beim 3:0 gegen den FC Basel gezeigt, und sogar zwei Jahre jünger als Manuel Neuer. Aber er ist noch sehr unerfahren und hat in dieser Saison erst zweimal gespielt, zweimal in der Königsklasse. Bei der 2:3-Niederlage in Rom und eben am Mittwoch gegen Basel. Louis van Gaal, sein Trainer, sagt über ihn: "Er ist ein großes Talent. Er muss lernen, damit umzugehen, dass die ganze Welt weiß, dass er in der Champions League spielt. Das ist gut für ihn, das ist gut für Bayern."

Michael Rensing? "Das ist ein Drama"

Da wäre nur folgerichtig, wenn er ab dem kommenden Sommer Jörg Butt beerbt, dessen Vertrag dann ausläuft. Wenn, ja wenn da nicht die Sache mit Michael Rensing wäre. Die Bayern haben nämlich schon einmal schlechte Erfahrungen mit einem jungen Torhüter gemacht, der einen etablierten ersetzten sollte. "Das ist ein Drama", sagte Uli Hoeneß, Präsident des FC Bayern, jüngst in der "Bild"-Zeitung. Dabei ist er nicht ganz unschuldig daran, was mit Michael Rensing passiert ist. Als er im Juni dieses Jahres den FC Bayern verließ, blickte er auf zehn lange Jahre in München zurück. Oft hatte er auf der Bank gesessen, weil der Stammtorhüter Oliver Kahn hieß. Der Nationaltorhüter, der Titan, unantastbar. Aber sie hatten ihm versprochen, dass er eines Tages sein Nachfolger wird. Und die Bayern hielten ihr Verspechen. Im Sommer 2008 beendete Oliver Kahn seine Karriere, Jürgen Klinsmann heuerte als Trainer an der Säbener Straße an – und Michael Rensing war die Nummer eins.

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Michael Rensing, 26 Jahre alt, arbeitslos.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

"Mein Ziel ist es, eine Ära wie Kahn zu prägen", sagte Rensing nach nur wenigen Wochen. Und: "Wer die Nummer eins bei den Bayern ist und sich, wie ich, in dieser Rolle auch international beweist, wird auch ein Thema für die Nationalelf." Das Ende ist bekannt. Im Frühjahr 2009 beim Viertelfinale in der Champions League beim FC Barcelona setzte Jürgen Klinsmann ihn, ohne einen Grund zu nennen, auf die Bank. Dort blieb Michael Rensing bis zum Ende der Saison. Auch als der Trainer Louis van Gaal hieß, setzte er sich nicht durch. Heute ist Michael Rensing 26 Jahre alt. Und arbeitslos. Mit seinem ehemaligen Jugendtorwarttrainer hält er sich beim Bezirksoberligisten VfR Garching fit.

Thomas Kraft gibt sich gelassen

Nun haben sie beim FC Bayern also wieder einen jungen Torwart, dem, wie es scheint, die Zukunft gehört. Thomas Kraft, der über die Sportfreunde Daaden, den VfB Wissen und die SG 06 Betzdorf 2004 nach München kam und dort einen Vertrag bis zum 30. Juni 2011 hat, will zwar nicht gleich eine Ära prägen. Aber spielen will er schon. "Es wäre ja schlimm, wenn ich sagen würde, ich will das nicht." Und er gibt sich gelassen. "Ich weiß nicht, inwieweit die Leute sich Gedanken machen, was mit Michael Rensing passiert ist und ich weiß auch nicht, ob mich die Vergangenheit einholt. Was passiert oder gemacht wird, kann ich ja weiter nicht beeinflussen. Ich kann nur sagen, dass ich alles versuche und tue, damit ich mich gut empfehlen kann."

Doch Thomas Kraft spielt, wenn er spielt, nicht nur für sich, sondern auch gegen Michael Rensing. Und damit gegen Manuel Neuer. Der hat zwar beim FC Schalke 04 noch einen Vertrag bis 2012. Das heißt aber auch: Wenn sie in Gelsenkirchen eine Ablösesumme für ihren besten Spieler haben wollen, müssen sie ihn nach der Saison verkaufen. Für Manuel Neuer sei das sowieso das Beste. Sagt ausgerechnet Oliver Kahn.

Quelle: n-tv.de

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