Fußball

Kritik an Wahl zum Weltfußballer Brasilien fühlt sich übergangen

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Neymar ist Brasiliens Messi, hat es bislang aber noch nie auf die Shortlist für die Wahl zum Weltfußballer geschafft.

(Foto: dpa)

Wenn heute in Zürich der Weltfußballer 2012 gekürt wird, gibt es keine fachlichen Einwände gegen die Nominierten: Lionel Messi? Ein Muss! Cristiano Ronaldo? Logisch! Andres Iniesta? Bester Spieler der EM! In Brasilien regt sich dennoch Unmut über die Fifa-Wahl, der eigene Held Neymar sei chancenlos. Die Statistik zeigt: das stimmt.

Wie wird ein Brasilianer Weltfußballer, der in Brasilien spielt? Ganz einfach: Er muss Brasilien verlassen. Oder, etwas umständlicher: Sein Land mit einem herausragenden Turnier mindestens ins WM-Finale führen, besser noch zum Titel. Beides trifft auf Brasiliens Zauberfuß Neymar da Silva Santos Júnior bislang nicht zu.

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Lionel Messi ist der Topfavorit auf die vierte Weltfußballer-Krone.

(Foto: REUTERS)

Weil er trotzdem mit Abstand der beste Spieler Brasiliens ist und die Fans mit Traumtoren und Dribblings verzückt, ist der 20-Jährige bei der jährlichen Fifa-Gala in Zürich selbstverständlich gern gesehen. Als Gast. Zu einer Final-Nominierung für den Hauptpreis Ballon d'Or hat es bei der rauschenden Kür zum Weltfußballer des Jahres für ihn aber noch nie gereicht, diesmal stehen Titelverteidiger Lionel Messi, Andres Iniesta (beide FC Barcelona) und Cristiano Ronaldo auf der Shortlist. Und das stößt im Land des Rekordweltmeisters vielen bitter auf.

Der x-te Erbe Pelés habe gar keine Chance auf die renommierte Auszeichnung des Weltverbandes, lautet der Vorwurf am Zuckerhut. Die schlichte Begründung: Neymar spielt beim FC Santos in Brasilien und nicht wie die Platzhirsche Lionel Messi, Cristiano Ronaldo oder Andrés Iniesta bei einem Topclub in Europa.

Neymar brilliert nur auf YouTube

Als der dreifache Weltfußballer Ronaldo das kürzlich in Sao Paulo öffentlich monierte, saß ausgerechnet Fifa-Präsident Joseph Blatter neben ihm - und hatte keine andere Möglichkeit, als dem Weltmeister von 2002 beizupflichten. So sei nunmal die Lage der Dinge.

Der Weltfußballer wird von den Nationaltrainern und Kapitänen aller Fifa-Mitgliederländer gewählt. Seit 2010 dürfen auch internationale Journalisten ihr Votum abgeben. Die Galaauftritte von Messi und Co. sind durch die weltweite Vermarktung des europäischen Fußballs auch weltweit zu sehen. Neymars Wundertaten bleiben dem globalem Publikum oft verborgen. Die spektakulären Tore des 20-Jährigen verbreiten sich am ehesten noch auf der Videoplattform Youtube.

Eurozentrismus statistisch belegt

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Ronaldo (M) wurde selbst dreimal zum Weltfußballer gewählt - als er in Europa spielte.

(Foto: picture alliance / dpa)

"Er ist der beste Spieler in Brasilien, aber in Europa ist von ihm nur wenig zu sehen. Wir kennen sein Potenzial, und er verdient es, auf der Shortlist der besten drei Spieler zu sein, aber die Welt kennt seinen Fußball nicht", sagte Ronaldo. Er selbst gewann seine drei Goldenen Bälle 1996, 1997 und 2002, als er für PSV Eindhoven, FC Barcelona, Inter Mailand und Real Madrid spielte. Eine Lösung für Neymar laut Ronaldo: "Der kürzeste Weg wäre, für ein großes Team in Europa zu spielen." Gerade dagegen hat sich Neymar mit seinem Vertrag bei Santos bis 2014 entschieden. Frühestens nach der WM, bei der er Brasilien zum Heim-Titel führen soll, will er den Verlockungen aus Europa folgen.

Der Vorwurf des Eurozentrismus kann der Fifa natürlich gar nicht schmecken. So wurde ja zum Beispiel die höchst umstrittene WM-Vergabe an Katar genau damit begründet, dass neue Märkte erschlossen werden sollen. Doch die Zahlen sind erdrückend. Seit Einführung der Weltfußballer-Wahl mit dem ersten Sieger Lothar Mattäus im Jahr 1991 spielten die Top-Drei alle für einen Verein in Europa. Bei den Siegern sind Profis des FC Barcelona einsame Spitze.

Hoffnungsträger Iniesta

Ernsthaft wird niemand an der Berechtigung der Siege von Lionel Messi und Cristiano Ronaldo zwischen 2008 und 2011 zweifeln. Augenscheinlich ist jedoch, dass persönliche Erfolge oder Titel in der Vermarktungsmaschine Champions League mehr ins Gewicht fallen als Nationalmannschafts-Ehren. Der letzte Weltfußballer, der aufgrund seiner Leistungen bei einem großen Turnier gekürt wurde, war Italiens Verteidiger Fabio Cannavaro im WM-Jahr 2006. Allerdings: Mit Andres Iniesta ist in diesem Jahr zumindest der beste Spieler der EM 2012 nominiert.

Quelle: ntv.de, cwo/dpa

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