Fußball

HSV-Chef verweigert Rückendeckung Labbadia droht der Rauswurf

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(Foto: picture alliance / dpa)

Ein Punkt aus vier Spielen: Der Hamburger SV dümpelt trotz großer Ambitionen mal wieder auf dem Relegationsplatz der Fußball-Bundesliga herum. Während Torwart Adler Trainer Labbadia lobt, hält sich HSV-Chef Beiersdorfer merklich bedeckt.

Top-Joker Nils Petersen hat Trainer Bruno Labbadia beim Hamburger SV an den Rand des Rauswurfs geschossen. Mit seinem Siegtreffer in der 70. Minute beim 1:0 (0:0) des SC Freiburg verschärfte der Torjäger die sportliche Krise des HSV, der mit nur einem Punkt aus vier Saisonspielen Tabellen-16. der Fußball-Bundesliga ist und am Samstag gegen den FC Bayern den nächsten Tiefschlag befürchten muss.

Spätestens dann könnte die Amtszeit von Labbadia beendet sein. "Ich stehe in der Hauptverantwortung, deswegen kreide ich mir das natürlich immer als erstes an, wenn wir solche Spiele nicht für uns entscheiden", sagte Labbadia.

Keine Rückendeckung für Labbadia von oben

Vorstandschef Dietmar Beiersdorfer verweigerte eine Jobgarantie für den Coach. "Bruno Labbadia ist unser Trainer, da muss ich ihm auch nicht jeden Tag Rückendeckung geben", sagte Beiersdorfer im TV-Sender Sky. "So ein Spiel muss man erstmal sacken lassen", sagte der HSV-Chef.

Er kündigte aber eine gemeinsame Analyse mit Labbadia an: "Ganz oben steht der HSV und sonst keiner. Das müssen wir intern thematisieren und nicht extern über die Medien. Wir werden natürlich darüber sprechen und dann sehen wir weiter."

Adler springt Labbadia bei

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Adler-Patzer bringt HSV auf die Verliererstraße.

(Foto: picture alliance / dpa)

Torwart René Adler hatte mit einem Fehler das 0:1 und damit die Niederlage des HSV eingeleitet. "Es tut mir leid für die Mannschaft. Das Spiel nehme ich heute auf meine Kappe, den Ball muss ich besser klären oder festhalten. So fahren wir wieder mit leeren Händen nach Hause. Der Trainer hat damit gar nichts zu tun."

"Ich finde es auch ein bisschen affig wie schnell das im Fußball heutzutage geht. Bruno Labbadia war vor zehn Monaten der Retter. Wir nehmen den Trainer komplett raus, er macht einen tollen Job. Es sind wir Spieler, die zurzeit Scheiße bauen."

"Bruno ist in einer schwierigen Situation gekommen und hat uns damals gerettet. Das muss man respektieren", meinte auch Kapitän Johan Djourou, für den ein Trainertausch zum jetzigen Zeitpunkt "total falsch" sei: "Wir brauchen Beständigkeit."

Druck auf Labbadia wächst

Nach dem verpatzten Saisonstart stand der einst als Retter gefeierte Labbadia schon vor dem Spiel gewaltig unter Druck. Sein mit mehr als 30 Millionen Euro verstärktes Ensemble konnte die hohen Erwartungen im Norden bislang nicht mal im Ansatz erfüllen. Das 0:4 gegen Aufsteiger RB Leipzig hatte endgültig die Angst vor einer weiteren Spielzeit im Abstiegskampf geweckt, zumal kein Bundesligist in diesem Kalenderjahr weniger Punkte geholt hatte. 

Entsprechend verunsichert präsentierten sich die Hamburger auch in Freiburg. Kurzfristig hatte Labbadia seinen Rekordtransfer, den Flügelstürmer Filip Kostic, ersetzen müssen. Der Serbe meldete sich mit Leistenproblemen ab und wurde von Luca Waldschmidt vertreten. Torjäger Pierre-Michel Lasogga, um dessen Verbannung aus dem Kader es zuletzt Wirbel gegeben hatte, nahm ebenso auf der Bank Platz wie Lewis Holtby und Offensivhoffnung Alen Halilovic.

Schock sitzt tief

So gingen die Gäste vor 24.000 Zuschauern zunächst sehr vorsichtig zu Werke, überließen den Freiburgern die Spielkontrolle und hofften vor allem auf Fehler des Gegners. Lange blieb die Partie arm an Torraumszenen. Die beste Chance der ersten Halbzeit hatte HSV-Angreifer Bobby Wood, der nach einem Patzer von SC-Kapitän Nicolas Höfler in der 37. Minute den Innenpfosten traf. 

Auch nach dem Seitenwechsel wurde es lange nicht besser. Nach gut einer Stunde verlangten die Fans daher lautstark die Einwechslung von Torgarant Petersen - und wurden von Coach Christian Streich erhört. "Da kriegt man immer noch Gänsehaut", sagte Petersen. 54 Sekunden später wurde der Olympia-Silbermedaillengewinner seinem Ruf als Top-Joker gerecht. "Dass es dann noch mit einem Tor klappt, ist doch wunderbar", meinte der Matchwinner.

Einen satten Flachschuss von Vincenzo Grifo konnte Adler nicht festhalten, Petersen war zur Stelle und schob den Abpraller aus kurzer Distanz ein. Acht seiner neun Gegentore in dieser Saison hat der HSV damit durch eingewechselte Spieler kassiert.

Von diesem Schock erholten sich die Hamburger nicht mehr. Ein echtes Aufbäumen blieb in der Schlussphase aus. Auch die eingewechselten Lasogga und Halilovic brachten keine Gefahr mehr für die Freiburger, die cool den Sieg über die Zeit brachten.

Quelle: ntv.de, bad/dpa/sid