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Anpfiff in der 2. Fußball-Bundesliga Leckerbissen oder Chaos-Liga?

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Die neue Zweitliga-Saison birgt viel Krawall-Potenzial.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Ball rollt wieder in Liga 2 - und gleich zum Auftakt stehen mit dem Ostderby Cottbus gegen Dresden und dem Favoritenduell Fürth gegen Eintracht Frankfurt zwei Kracher auf dem Programm. Allerdings drohen der Liga nicht nur sportliche Schlagzeilen. Das Krawallpotenzial ist hoch wie nie.

Drei Wochen vor der 1. Fußball-Bundesliga startet die Zweite Liga heute in ihre 37. Saison. Drei Wochen gehören die Fußball-Schlagzeilen dann nur den Klubs aus dem Unterhaus. Die ersten beiden Partien beginnen um 18 Uhr: Der FSV Frankfurt empfängt den 1.FC Union Berlin, in der Lausitz steigt das Ostderby zwischen Energie Cottbus und Aufsteiger Dynamo Dresden. Um 20.30 Uhr folgt dann gleich der erste Kracher der neuen Spielzeit: Greuther Fürth empfängt Topfavorit Eintracht Frankfurt zum ersten Leistungscheck zweier Aufstiegsaspiranten.

Ob in der neuen Saison allerdings immer das rein Sportliche im Vordergrund stehen wird, ist fraglich. Selten zuvor barg die Zweite Fußball-Bundesliga so viel Krawall-Potenzial wie in dieser Saison. Mit Eintracht Braunschweig, Dynamo Dresden, Hansa Rostock, dem FC St Pauli sowie dem selbsternannten "Deutschen Randalemeister 2011", Eintracht Frankfurt, sind gleich fünf Vereine hinzugekommen, die in den letzten Jahren immer wieder durch Ausschreitungen, Gewalt und Strafmaßnahmen auf sich aufmerksam gemacht haben.

Nie zuvor wurde eine Zweitligaspielzeit so früh gestartet, ausgenommen die Saison 1992/93, als im Zuge der Wiedervereinigung 24 Teams an den Start gingen. So mancher Trainer murrt schon über den verkürzten Erholungsurlaub der Spieler und die kurze Vorbereitung. Nach Auffassung der Deutschen Fußball Liga (DFL) wird dem Unterhaus durch die Maßnahme mehr Aufmerksamkeit zuteil. Das kann angesichts gleich dreier Ostderbys und zwei weiterer zumindest potenziell risikoträchtiger Partien innerhalb der ersten vier Spieltage eine Chance sein – oder nach hinten losgehen.

1. SpieltagEnergie Cottbus- Dynamo Dresden
2. SpieltagDynamo Dresden- Hansa Rostock
 Eintracht Frankfurt- FC St. Pauli
3. SpieltagEintracht Braunschweig- Eintracht Frankfurt
4. SpieltagDynamo Dresden- Union Berlin

Droht der Liga das Chaos?

Am ersten Spieltag steht mit der Partie Energie Cottbus gegen Dynamo Dresden gleich der erste Härtetest an – ein Risikospiel, Sicherheitsstufe eins. Cottbus-Trainer Claus-Dieter Wollitz hofft auf einen positiven Effekt der Begegnung: "Es ist die große Möglichkeit, ganz Deutschland zu zeigen, dass die Fans im Osten anders sind, als alle erwarten", sagt er. Tatsächlich haben sich die Brandenburger im Vorfeld der Partie alle Mühe gegeben, die Gäste aus Sachsen milde zu stimmen. Statt der vorgeschriebenen 2200 Gäste-Karten gaben sie 3000 Tickets an die Dresdner ab. "Wir sind nicht naiv und wissen, dass Dynamos ersten Auftritt nach langer Zeit in der zweiten Liga mehr Fans sehen wollen", sagte Energie-Sprecher Lars Töffling der "Berliner Zeitung". Er glaubt: "Mehr Karten bedeuten weniger Frust." Die Deeskalationsstrategien zum Saisonstart sind vielfältig.

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Eine Hundertschaft der Polizei am Frankfurter Stadion.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ob das reicht, ist fraglich. Dresdens Geschäftsführer Volker Oppitz dämpft die Erwartungen, glaubt nicht an einen Friedensgipfel im Lausitzer "Stadion der Freundschaft". "Leider wird es immer einige Idioten geben, die man nicht erreichen kann", sagt der krawallerfahrene Klubfunktionär. Und der Mann weiß, wovon er spricht. In der abgelaufenen Spielzeit wurden Dynamo 50.000 Euro an Strafgeldern aufgebrummt. Grund waren Fanausschreitungen.

Rainer Wendt, Chef der Deutsche Polizeigewerkschaft, ist bekannt für seine oftmals provokanten Aussagen zum Thema und warnt bereits, die zweite Liga werde zu einer Chaos-Liga. Das kann man für übertrieben halten – einfach abtun lässt sich die Gefahr nicht. "Wir sollten zwar ruhig bleiben. Aber wir müssen zugleich wachsam sein und dürfen die Augen nicht vor der Realität verschließen. Die Liga birgt schon eine gewisse Brisanz", sagt der Sicherheitschef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Helmut Spahn, in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Ebenso wenig abstreiten lässt sich, dass die große Zahl an Problemfans für die bei Risikospielen eingesetzte Bundespolizei eine zunehmende Belastung ist. Fußballspiele machen zwei Drittel der Einsatzzeit der Beamten aus. 100 Überstunden pro Saison seien die Regel, berichtet ein Einsatzleiter in der "Süddeutschen Zeitung", Tendenz steigend. Der Beamte beobachtet bei vielen Ultras eine sinkende Hemmschwelle, auch das Unrechtsbewusstsein der Fußball-Rowdies nehme immer weiter ab. "Irgendwann wird es den ersten Toten geben", fürchtet er, "und dann werden alle fragen: Wie konnten wir es so weit kommen lassen?"

Rostock - Braunschweig als Weichensteller

Panikmache oder bittere Realität? Laut Statistik wurden in der abgelaufenen Saison bei Fußballspielen 940 Verletzte gezählt, 332 davon waren Polizeibeamte – mehr als ein Drittel. Manch Beobachter fürchtet, dass die zunehmende kompromisslose Gewaltbereitschaft einiger weniger Fußball-Rowdies über kurz oder lang auch mehr Gegengewalt erzeugen wird. Dass die Ordnungshüter sich künftig auch rigoroser verteidigen könnten. Die Schwelle zur befürchteten Chaos-Liga könnte dann schnell überschritten werden.

Beim Drittliga-Duell Hansa Rostock gegen Eintracht Braunschweig im Herbst vergangenen Jahres stellten beide Klubs ihren Ruf als Krawallmacher unter Beweis. Schon bei der Anreise der Gästefans kam es zu Ausschreitungen und Randale. Braunschweiger Fans zogen bei der Einfahrt ihres Zuges in den Rostocker Hauptbahnhof mehrfach die Notbremse, rund 200 Fans verließen daraufhin auf freier Strecke den Zug, legten den Bahnhof für knapp eine Stunde lahm. Die Zweitliga-Neuauflage des Matches steigt am 9. September an gleicher Stelle. Spätestens dann dürfte sich entscheiden, ob Vereine, DFL und Polizei in der Lage sind, den Randalierern mit einer gemeinsamen Strategie Einhalt zu gebieten.

Zwei Kracher zu Beginn

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Das "Stadion der Freundschaft" in Cottbus ist Schauplatz des ersten Ostduells der neuen Zweitliga-Spielzeit.

(Foto: picture alliance / dpa)

Heute Abend wird jedoch erst einmal Fußball gespielt. In Cottbus steht vor dem Duell gegen die Dresdener vor allem Rückkehrer Dimitar Rangelow im Zentrum des Interesses. Der Bulgare, der von 2007 bis 2009 in 41 Erstligapartien 15 Tore für die Lausitzer erzielte und dort Publikumsliebling war, kehrt auf Leihbasis von Meister Borussia Dortmund nach Cottbus zurück. "Jeder hier in Cottbus ist von diesem Transfer begeistert", sagt Trainer Wollitz.

"Randalemeister" Eintracht Frankfurt wird unter den Zweitliga-Trainern auch sportlich als erster Kandidat auf den Titel gehandelt. Mit Armin Veh wollen sich die Hessen den verspielten Kredit der vergangenen Saison zurückholen. "Ich bin hier, um aufzusteigen", hatte der neue Coach bei seiner Vorstellung bereits gesagt. "Alles andere kann man hier sowieso nicht verkaufen." Ein Sieg im Auftaktspiel käme da ganz gelegen. Doch auch die "Unaufsteigbaren" aus Fürth werden wieder ein Wörtchen mitreden um die begehrten vorderen Plätze - wahrlich kein Spaziergang für den hochgelobten Absteiger.

Quelle: n-tv.de, mit dpa

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