WM-Tickets jetzt noch teurerLetzte Chance: FIFA-Gier und technische Probleme sorgen für Riesenärger

Fußballfans weltweit wüten, weil die FIFA in der letzten Verkaufsphase die ohnehin schon enorm hohen WM-Ticketpreise noch einmal anhebt. Eine Eintrittskarte fürs Finale kostet nun bis zu 11.000 US-Dollar. Auch technische Probleme sorgen für Ärger.
Nachdem zum Abschluss der Playoffs für die Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada endlich alle 48 Mannschaften festgestanden hatten, gab es zunächst eine gute Nachricht für Fans weltweit: Es gibt noch Tickets für das Mega-Turnier im Sommer. Am Mittwoch startete die FIFA eine Last-Minute-Verkaufsphase, die wohl die letzte Chance auf WM-Tickets bedeutet. Das Prinzip: "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst", ganz ohne Lotterie. "Fans sehen sofort, für welche Spiele und Kategorien Tickets verfügbar sind, können ihre Plätze auswählen, den Kauf abschließen und erhalten nach erfolgter Zahlung eine Bestätigung", teilte der Weltverband mit.
Doch online schoben viele Fans wieder einmal Frust. Neben langen Wartezeiten und technischen Pannen sorgten vor allem abermals gestiegene Preise für Ärger, wie unter anderem das Magazin "The Athletic" der "New York Times" berichtet. Ein Ticket der Kategorie 1 für das Finale kostet mittlerweile fast 11.000 US-Dollar (rund 9500 Euro). Im Dezember waren es noch 8680, im November 7875 und im anfänglichen Verkauf im Oktober 6370 US-Dollar. Innerhalb weniger Monate hat also beinahe eine Verdopplung stattgefunden.
WM-Ticketpreise explodieren weiter
Die horrenden Kosten für Eintrittskarten stehen seit der ersten Preisverkündung im September weltweit in der Kritik, als die FIFA mitteilte, eine sogenannte "dynamische Preisgestaltung" zu verwenden. Also Preise, die bei hoher Nachfrage steigen. Im Vergleich zur WM 2022 in Katar sind die Ticketpreise deutlich gestiegen. Und auf dem Zweitmarkt, auf dem die FIFA jeweils 15 Prozent von Käufer und Verkäufer kassiert, explodieren die Preise mitunter. Schon vorherige Woche hatten die europäische Verbraucherorganisation Euroconsumers und Football Supporters Europe bei der Europäischen Kommission Beschwerde gegen den Weltverband wegen hoher WM-Ticketpreise eingelegt.
Nicht nur für das Finale und die besonders teure Kategorie 1: Laut verschiedenen Medien waren die Tickets für rund 40 der 104 WM-Spiele am Mittwoch teurer als in jeder vorherigen Verkaufsphase. Tickets der Kategorien 2 (7380 US-Dollar) und 3 (5785 US-Dollar) kosteten mehr als doppelt so viel wie der ursprüngliche Preis. Bei beiden Halbfinalspielen stiegen die Preise in der Kategorie 1 weiter auf über 3000 US-Dollar. Auch bei allen vier Viertelfinalspielen, mehreren anderen K.-o.-Partien und den Eröffnungsspielen in Mexiko und Kanada kam es zu Preiserhöhungen.
Die FIFA senkte für keine Partie die Preise, obwohl sich eine Handvoll Spiele bisher nicht gut verkauft hatten. Darunter etwa das Eröffnungsspiel der USA gegen Paraguay in Los Angeles. Ursprünglich war dieses Duell das drittteuerste des Turniers, am Mittwoch waren immer noch tausende Tickets erhältlich.
FIFA-Vorgehen undurchsichtig
Ein weiteres großes Ärgernis: Der Weltverband versandte an etliche Fans einen Ticket-Link, der diese auf ein falsches Portal weiterleitete, wo die Fans folgende Botschaft vorfanden: "Keine Produkte verfügbar." Der Link wurde innerhalb von ein oder zwei Stunden korrigiert, doch diejenigen, die sich in die falsche Warteschlange eingereiht hatten, verpassten damit praktisch die Chance, begehrte Tickets zu erwerben. Denn nach wenigen Stunden waren für Dutzende von Spielen beliebter Mannschaften oder in den späteren Phasen des Turniers keine Tickets mehr verfügbar. Laut "The Athletic" hat sich die FIFA noch nicht zu diesem Fehler geäußert.
Die FIFA hat ihre Ticketpreise und ihre Vorgehensweise stets damit verteidigt, dass diese den nordamerikanischen Gepflogenheiten entsprächen und der "außergewöhnlichen" Nachfrage Rechnung trügen. Jedoch ist das Vorgehen des Weltverbands bei dieser WM im Vergleich zu vergangenen Weltmeisterschaften, wo fixe Preise für Spielrunde und Kategorie festgelegt und diese Festpreise Monate oder Jahre vor Verkaufsbeginn bekannt gegeben worden waren, undurchsichtig.