Liverpool-Knall nach CL-Aus?Das traurige Anfield begräbt eine ganz große Ära

Liverpool scheitert im Champions-League-Viertelfinale an PSG - und Anfield nimmt Abschied. Statt eines neuen Wunders stehen eine enttäuschende Saisonbilanz, offene Fragen zu Arne Slot und eine teure, noch ungeformte Offensive um DFB-Star Wirtz.
Anfield wirkte plötzlich wie ein ganz gewöhnlicher Ort. Anfield war kein lebender Organismus mehr. Anfield war machtlos. Das Stadion des FC Liverpool hatte schon so viele Wunder erlebt - an diesem Abend nicht. Das Aus im Viertelfinale der Champions League mit einem 0:2 (0:0) im Rückspiel gegen Titelverteidiger Paris Saint-Germain zog beinahe schon einen Schlussstrich unter eine Spielzeit, die an der Küste der Irischen See als große Enttäuschung in die Historie eingehen wird.
Wunder gibt es eben doch nicht immer wieder. Das gigantische Comeback gegen den FC Barcelona im Jahr 2019, die dramatischen Wendungen gegen Borussia Dortmund im Jahr 2016 - nicht einfach reproduzierbar. Mit momentan Platz fünf in der Liga, dem Aus im Viertelfinale der Champions League und dem frühen Ende in den nationalen Pokalwettbewerben beginnt nun rund einen Monat vor Saisonende eine Phase des Umbruchs. Das letzte verbliebene Ziel: die Rückkehr in die Champions League. Alles andere, sagte der weiterhin unter Druck stehende Trainer Arne Slot, führe zu "einer nicht zu akzeptierenden Saison".
Immerhin kein Offenbarungseid
Dabei war die 17. Niederlage in allen Wettbewerben in dieser Spielzeit für den englischen Meister von 2025 eine, die zumindest spielerisch keinem Offenbarungseid gleichkam. Da hatte es bereits schlimmere Momente in dieser für den Klub so schwierigen Saison gegeben. "Es war ein intensives Spiel zwischen zwei Mannschaften, die richtig guten Fußball gespielt haben", sagte PSG-Trainer Luis Enrique, der Liverpool zum zweiten Mal in Serie ausschaltete - nach dem Erfolg im Achtelfinal-Elfmeterschießen in der vergangenen Saison nun also ein klares 4:0 über die beiden Viertelfinalspiele.
"Wir sind sehr enttäuscht, natürlich", sagte Slot, dessen Zukunft in Liverpool nach dem Aus offener denn je sein dürfte. "Es gab Phasen in der zweiten Halbzeit, in denen man das Gefühl hatte, dass ein Tor alles sofort in Richtung besonderer Abend kippen lassen würde", sagte der Niederländer mit dem Wissen, dass kein Tor für Liverpool gefallen war. Immerhin zeigte der Expected-Goals-Wert diesmal 1,94; im Hinspiel hatten es die Reds nur auf 0,18 gebracht. Ein Tor war trotzdem nicht gefallen. Allein PSGs Ousmane Dembélé traf in Anfield, einmal in der 72. Minute und dann in der Nachspielzeit.
Hat Slot noch eine Zukunft?
"Die Zukunft sieht für diese Mannschaft, für diesen Verein sehr vielversprechend aus", erklärte Slot. "Wir haben gezeigt, dass wir in unserem Stadion mit dem Titelverteidiger mithalten können. Nicht viele Teams können so viele Chancen gegen PSG kreieren, wie wir das gemacht haben." Nach einem vollkommen enttäuschenden Hinspiel hatte sich Liverpool in Anfield in der Tat offensiver gezeigt. Erstmals seit seinem Wadenbeinbruch im Dezember 2025 stand gegen PSG auch der im Sommer für die Premier-League-Rekordablöse von 145 Millionen Euro von Newcastle United gewechselte Stürmer Alexander Isak wieder in der Startelf.
Der 26-Jährige konnte jedoch keine Akzente setzen. Er hatte nur fünf Ballkontakte und wurde zur Halbzeit ausgewechselt. Bei nun 19 Saisoneinsätzen kommt der Schwede auf lediglich drei Tore und eine Vorlage. Die neue Offensive um Isak, Florian Wirtz und Hugo Ekitiké findet weiter nicht zusammen - was nach der Horrorverletzung des ehemaligen Frankfurters vorerst so bleiben wird. Fü rEkitiké dürfte die Saison beendet sein. "Vor heute Abend haben Florian, Hugo und Alex nur insgesamt 88 Minuten gemeinsam auf dem Platz gestanden", haderte Slot. "Heute kamen vielleicht 27 dazu. Es wäre ein Wunder, wenn es diese Saison noch mehr werden. Die gute Nachricht ist: Alex ist zurück."
Das Ende einer Ära
Viel mehr gute Nachrichten gab es jedoch nicht für ein Liverpool, bei dem sich auch DFB-Star Wirtz weit entfernt von seiner jüngsten Länderspielform zeigte. "Er hat mitgespielt und hatte sicherlich auch gute Aktionen. Er ist vielleicht das Spiegelbild von Liverpool aktuell. Du siehst das Können, aber du siehst nicht das ganz Besondere", sagte Matthias Sammer in seiner Rolle als Experte bei Prime. Dass sich das in der kommenden Spielzeit ändert, könnte auch etwas mit Slot zu tun haben.
Der ist zwar noch bis 2027 vertraglich gebunden, könnte den Verein aber bereits in diesem Sommer verlassen. Seit Wochen wird der ehemalige Leverkusen-Trainer Xabi Alonso mit einem Wechsel an Englands Küste in Verbindung gebracht, das Aus in der Champions League und die immer lauter werdende Kritik an Slot machen dies immer wahrscheinlicher. "Es tut mir sehr leid für die Fans. Wir haben alles reingeworfen, aber es hat nicht gereicht. Jetzt müssen wir uns auf das Ende der Saison konzentrieren", sagte Wirtz. Vielleicht gibt es dann auch wieder ein neues Wunder in Anfield.
Dann wird es eines ohne Mohamed Salah sein. Die Vereinslegende kam in der ersten Halbzeit für den verletzten Ekitiké und verabschiedete sich nach dem Spiel von seinem Stadion. Der "ägyptische König" wird nie wieder für Liverpool auflaufen. Es ist das Ende einer Ära.