Fußball

"Sieg - oder Spielabbruch" Mannheimer Chaoten sabotieren den Klub

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Völlige Leere: Der SV Waldhof Mannheim scheitert im Aufsstiegsspiel - wieder einmal.

(Foto: imago/masterpress)

Der SV Waldhof Mannheim steht nach dem Spielabbruch im Aufstiegsspiel gegen den KFC Uerdingen vor einem Scherbenhaufen. Erste Konsequenzen wurden bereits gezogen, doch die Probleme hat der Ex-Bundesligist nicht exklusiv.

Maximilian Beister steht nicht im Verdacht mit dem SV Waldhof zu sympathisieren, und der Stürmer des KFC Uerdingen hätte am Sonntag allen Grund gehabt, sich über den Aufstieg in die Dritte Liga zu freuen - und gleichzeitig die Geschehnisse im Stadion der Mannheimer zu kritisieren. Doch der Stürmer richtete seine Gedanken an die Verantwortlichen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). "Von Verbandsseite muss sich keiner wundern, dass die Leute ausrasten, wenn du dreimal in so eine Scheiß-Relegation musst und dreimal scheiterst", sagte der ehemalige Bundesliga-Spieler. Etwa 50 Mannheimer Randalierer hatten für einen Spielabbruch gesorgt, nachdem klar war, dass der SVW den Aufstieg erneut nicht schaffen würde. Mit Feuerwerkskörpern, Böllern, Rauchbomben und bengalischen Feuern ging eine Partie zu Ende, die vor knapp 25.000 Zuschauern stimmungsvoll begonnen hatte. In Mannheim wurde am Sonntag eine neue Stufe der Eskalation erreicht.

Der Sprung von einer der fünf Regionalligen in die Dritte Liga ist das Nadelöhr im Fußball. Die Aufstiegsspiele zwischen den Meistern der fünf Staffeln stülpt bei den Beteiligten maximale Emotionen nach außen. Die Waldhöfer kennen diese Ausnahmesituation wie niemand sonst, schließlich durchlebten sie die Aufstiegsspiele nun schon zum dritten Mal hintereinander. 2016 scheiterte der frühere Bundesligist an den Sportfreunden Lotte, im vergangenen Jahr am SV Meppen und jetzt waren die Uerdinger zu stark. Für ein paar Dutzend Personen gab das abermalige Scheitern den Startschuss für die eigene Inszenierung.

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Bei dem "Feuerwerk" der Ultras werden Dutzende Menschen verletzt.

(Foto: imago/Nordphoto)

Aus einem Container der Ultras hinter der Fantribüne hatten die Randalierer kurz vor der Eskalation im Stadion das Material für ihr "Feuerwerk" unbehelligt ins Stadion gebracht und konnten die Arena nach dem Spielabbruch verlassen, ohne vom Ordnungsdienst oder der Polizei aufgehalten zu werden. Im Vorfeld der Partie gab es im Umfeld Ankündigungen: "Sieg - oder Spielabbruch." Den Worten ließen die Chaoten später Taten folgen. Aus der Fan-Gruppierung, die viel für die Fanszene und damit für den in der Viertklassigkeit darbenden Verein tat, kamen die Vermummten. Sie sorgen für einen Eklat, der den Klub vor große Probleme stellt. Drakonische Strafen drohen, im schlimmsten Fall sogar ein Punktabzug für die nächste Spielzeit.

"Die größtmögliche Katastrophe für uns"

Nicht nur die Vereinsführung reagierte prompt und entzog den Fans unter anderem die eigene Verwaltung der Fankurve, auch der Fan-Dachverband "Pro Waldhof" zog Konsequenzen und schloss die Ultra-Gruppierung vorläufig aus. "Wir sind der Meinung, dass sicher nicht die gesamte Gruppe beteiligt war, aber eine Verantwortung der Ultras an den Geschehnissen ist nicht zu leugnen", begründete Pro-Waldhof-Sprecher Achim Schröder den radikalen Schritt. Schröder weiß, dass es nach den Vorkommnissen am Sonntag kein "Weiter so" geben kann.

Der Spielabbruch von Mannheim bildete den (vorläufigen) Höhepunkt der Ausschreitungen der jüngeren Vergangenheit, schließlich hatte es auf diesem Niveau nach dem vorzeitigen Ende des DFB-Pokalspiels zwischen dem VfL Osnabrück und RB Leipzig 2015 keinen ähnlichen Fall mehr gegeben. Randale aber schon. Das Relegationsspiel zwischen dem TSV 1860 München und Jahn Regensburg vor einem Jahr stand kurz vor dem Abbruch, in Karlsruhe gab es Randale, als vor einem Jahr der Abstieg in die Dritte Liga feststand. Beim Aufstiegsspiel in Mannheim hatten Anhänger aus Uerdingen in der ersten Halbzeit trotz Führung eine Prügelei auf der Tribüne angezettelt, selbst beim Sieger lagen die Nerven blank.

Investor lässt Klub wohl nicht hängen

Das Problem der Ausschreitungen in den hochemotionalen Duellen für den Auf- oder gegen den Abstieg haben die Mannheimer nicht exklusiv, doch das hilft dem Verein zunächst einmal nicht weiter. Nach 15 Jahren in der gefühlten Bedeutungslosigkeit der Viert- und Fünftklassigkeit sollte durch den Aufstieg die triste Vergangenheit durch eine rosigere Zukunft ersetzt werden. "Das ist jetzt in allen Bereichen die größtmögliche Katastrophe für uns", sagte Klub-Präsident Klaus-Rüdiger Geschwill dem "Mannheimer Morgen". Geschwill kennt die Probleme des Vereins, in der Stadt finanzielle Unterstützer zu finden. Durch die Ausschreitungen dürfte sich die Suche nach Sponsoren erheblich erschwert werden.

Bleibt für den Klub die Hoffnung, dass sich Investor Bernd Beetz nicht abwendet. Der Unternehmer fungiert seit zwei Jahren als Geldgeber des Traditionsvereins. "Ich muss das erst mal sacken lassen", sagte Beetz nach den Eindrücken des Spielabbruchs, aber es ist unwahrscheinlich, dass der gebürtige Mannheimer den Klub hängen lässt. Das Hinspiel in Duisburg gegen Uerdingen hatte er mit einem Waldhof-Hut im Fanblock angeschaut, die emotionale Bindung zum Klub ist groß. Trotz des massiven Rückschlags, den Beetz und der SVW am Sonntag hinnehmen mussten.

Quelle: ntv.de