Fußball

Schon wieder ein Hauch Tragik Marco Reus gewinnt einen Titel - so halb

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Ein verliebter Kuss für die erste Trophäe - Marco Reus ist jetzt DFB-Pokalsieger.

(Foto: imago/DeFodi)

Jetzt hat er ihn, den Titel, der ihm so lange versagt blieb. Marco Reus ist nicht länger der beste Fußballprofi, der nie etwas gewinnt. Bis ans Ende seiner Tage darf er sich Pokalsieger nennen. Und doch läuft für ihn nicht alles rund.

Eine Orgie war es nicht, eher sanfte Zuneigung. Erst küsste er seine Siegermedaille, dann wandte sich Marco Reus dem Pokal zu. Links stand Frank-Walter Steinmeier auf dem Podest, auf das sich der Profi des BVB mit angeschlagenen und daher dick bandagiertem rechten Knie geschleppt hatte. Der Bundespräsident strahlte ins weite Rund des Berliner Olympiastadions, während Reus den Pokal des Deutschen Fußball-Bundes mit der linken Hand streichelte und dann auch ihn zärtlich mit den Lippen berührte. Hinterher sagte er: "Ich muss nicht viele Titel gewinnen, um glücklich zu sein. Aber so ist es natürlich besser. Ich freue mich unmenschlich."

Marco Reus, 27 Jahre alt, war jahrelang der, dem es nicht vergönnt war, irgendetwas zu gewinnen. Er war, so hieß es stets bis zu diesem Samstagabend, der beste deutsche Fußballprofi seiner Generation, der nie einen Titel feiern konnte. Auch ein Alleinstellungsmerkmal, allerdings ein nahezu tragisches. Entweder er war verletzt, zum Beispiel als die deutsche Nationalelf 2014 in Brasilien die Weltmeisterschaft gewann. Oder der BVB verlor ein Finale - 2016, 2015 und 2014 im DFB-Pokal, zweimal gegen den FC Bayern, einmal gegen den VfL Wolfsburg; und 2013 das in der Champions League in Wembley gegen die Münchner. Seit Reus 2012 von der Gladbacher Borussia zur Namenscousine nach Dortmund gewechselt war, hatte der Klub nichts mehr gewonnen.

"Vielleicht unser schlechtestes Spiel"

Doch nun, vier Tage vor seinem 28. Geburtstag, hat er es geschafft. Vor 74.322 Zuschauern im selbstverständlich ausverkauften Olympiastadion besiegte seine Borussia an diesem Samstagabend die Eintracht aus Frankfurt mit 2:1 (1:1) - und Reus darf sich bis zum Ende seiner Tage DFB-Pokalsieger nennen. Endlich. "Das Pokalfinale würde ich notfalls auch mit einem Bein spielen", hatte er vorher gesagt. Hinterher war er wenig überraschend sehr zufrieden mit sich, seiner Mannschaft und der Welt. Wie könnte es anders sein? Dabei kann nicht die Rede davon sein, dass es sein Abend war. "Wir haben vielleicht unser schlechtestes Spiel gemacht, aber das ist egal. Wir haben den Pott endlich wieder nach Dortmund geholt."

Weder für ihn, noch für seine Kollegen war es ein Triumphzug, sondern eher ein so nicht unbedingt erwartetes hartes Stück Arbeit. Das 1:0 leitete er noch mit einem schönen Flügelwechsel auf die rechte Seite zu Lukasz Piszczek ein, der den Ball dann steil in den Lauf des Torschützen Ousmane Dembelé spielte. Doch dann erwischte es ihn wieder. Kurz nach dem Ausgleich der Frankfurter durch Ante Rebic in der 34. Minute begab sich Marco Reus nach einem Duell mit Timothy Chandler fünf Minuten zuvor an die Seitenauslinie zur Dortmunder Bank und setzte sich dann in die Coaching Zone, um sich dort am Knie behandeln zu lassen. Bis zur Pause hielt er noch durch, dann war nach nur 18 Ballkontakten in 45 Minuten Schluss. Für ihn kam Christian Pulisic in die Partie. Und Reus schaute wieder nur zu.

Auf der Ersatzbank verfolgte er die zweite Halbzeit. Als sein Freund und Noch-Kollege Pierre-Emrick Aubameyang nach 67 Minuten mit einem Foulelfmeter das 2:1 für die Dortmunder erzielt hatte, rannte er sofort zu Reus. Arm in Arm standen die beiden da und freuten sich. Nach dem Schlusspfiff rannte Reus als eine der ersten auf den Rasen. Und schleppte sich schließlich aufs Podest. Wie schwer er verletzt ist, wird sich erst noch herausstellen. Der Spieler selbst mutmaßte in der ARD: "Es ist vielleicht ein bisschen Kreuzband. Da müssen wir den Doc fragen, aber heute nehme ich das in Kauf." Und sein Trainer Thomas Tuchel berichtete: "Er konnte nicht mehr sprinten und hatte das Gefühl, dass im Knie etwas anschlägt oder hakt." Am Ende aber stand der doppelte Kuss. Alles andere war Marco Reus an diesem Abend egal.

Quelle: n-tv.de