Fußball

Baum kommt mit Tipp-Hypothek Mit Neururer wär's auf Schalke mehr eskaliert

Der heftig kriselnde Bundesligist FC Schalke 04 setzt nach kapitalem Saison-Fehlstart auf einen neuen Fußball-Lehrer - mal wieder. Die Personalie Manuel Baum sorgt indes (noch) nicht für Euphorie. Deutlich mehr Begeisterung ruft das Comeback von Naldo hervor.

Man kann nun nicht behaupten, dass die Stimmung rund um den FC Schalke 04 eskaliert ist: Nur drei Tage nach der Entlassung von David Wagner präsentierte der Fußball-Bundesligist seinen neuen Trainer Manuel Baum. Ein Mann, dessen taktische Besessenheit sehr gelobt wird, soll den sportlichen Horror beenden - 18 Bundesligaspiele in Serie ohne Sieg, das reicht. Das finden sie in Gelsenkirchen. Ob dieser historische Aberwitz aber nun ausgerechnet am Samstag, wenn Baum das erste Mal an der Seitenlinie steht, endet? Die Zweifel sind groß und durchaus angebracht. Es geht schließlich zu RB Leipzig. Und die Mannschaft ist auch nach dem Abgang von Torjäger Timo Werner immer noch sehr, sehr gut.

Nun, als sehr, sehr gut bezeichnet Baum seine Mannschaft nicht. Aber er ist zumindest überzeugt davon, dass die deprimierenden Pleiten zum Saisonstart nicht die Qualität des Kaders widerspiegeln. "Die Mannschaft hat deutlich mehr Potenzial als sie zuletzt gezeigt hat", sagte er am Mittwoch, an jenem Tag als er zuerst vorgestellt wurde und dann bereits das erste Training leitete. Seine aktuelle Einschätzung zum Wert des Teams darf dann wohl als Korrektur verstanden werden. Denn noch bevor die Saison losging, hatte Baum den FC Schalke 04 als fünfzehntbeste Mannschaft eingeschätzt. Also als ersten sicheren Nichtabsteiger aus der Bundesliga. Ein erreichtes Ziel, was man in Gelsenkirchen aktuell sicher absolut akzeptieren würde.

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Hallo, i bims.

(Foto: imago images/Team 2)

"Wir lassen die Vergangenheit hinter uns und schauen nach vorne", sagte der 41-Jährige über seine Herangehensweise an die durchaus komplizierte Aufgabe. "Mir ist es wichtig, dass wir Probleme weglassen und uns mit Lösungen beschäftigen." Die Zuversicht des ehemaligen Augsburgers, der zuletzt beim DFB tätig war, soll sich schnell auf die Mannschaft übertragen: "Ich bin stolz, dass mir die Chance gegeben wird, bei diesem großartigen Klub als Trainer arbeiten zu dürfen. Ich gehe die Aufgabe total positiv an und freue mich auf alles, was kommt." Als dringlichste Aufgabe hat er identifiziert, "der Mannschaft so schnell wie möglich wieder Erfolgserlebnisse zu geben, im Training wie im Spiel."

"Lasst mich mal machen"

Die überraschend schnell präsentierte neue Lösung auf der Trainerposition, Sportvorstand Jochen Schneider hatte zunächst ja von "Zeit lassen" gesprochen, sorgt derweil in der Fanszene für wenig Begeisterung. Der Glaube an die Wende? Bei großen Teilen der Anhänger eher rudimentär ausgeprägt. Ob's bei Peter Neururer, der bereit gewesen wäre, seine Trainerkarriere noch ein letztes Mal aufleben zu lassen, anders gewesen wäre? Nun, zumindest wäre die Stimmung eskaliert. In mutmaßlich beide Richtungen. Sei's drum. Baum geht seine Aufgabe sehr selbstbewusst an. "Ich weiß, dass es eine große Aufgabe ist, und vielleicht fragt sich der eine oder andere: Ist der Baum nicht zu klein? Aber lasst mich mal machen. Ich weiß, was ich tue."

In der Führungsetage des Bundesligisten sollen davon nicht unbedingt alle überzeugt gewesen sein. So soll sich Schneider bei der Verpflichtung gegen einige Widerstände im Aufsichtsrat durchgesetzt haben, berichtet der "Kicker". Der fehlende Stallgeruch des Trainers, der im Gegensatz zu vielen anderen gehandelten Kandidaten keine Schalker Vergangenheit hat, habe das ein oder andere Mitglied des Kontrollgremiums gestört, heißt es in dem Bericht. Eingreifen konnten die Aufsichtsräte aber nicht. Die Besetzung des Postens ist auf Schalke Sache des Vorstands.

Baums Aufgabe könnte indes nicht größer sein: Der Kader ist völlig verunsichert und gilt in der Führung als schwierig. Der finanzielle Spielraum für das (bislang) nicht ausbalancierte Aufgebot ist sehr gering. Ein Coup ist ihm - oder dem Klub - aber bereits gelungen. Die Rückkehr von Kultspieler Naldo. Als Co-Trainer will er nun "Mentalität, Spaß und Selbstvertrauen reinbringen", in diese leblose, desillusionierte und zerrüttete Mannschaft. Oder wie Schneider es ausdrückte: "Naldo bringt hoffentlich die Sonne zurück."

Quelle: ntv.de