Fußball

DFB-Elf in der Einzelkritik Müller torlos, Lahm lästert, Gnabry top

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Feierte einen enorm gelungenen Einstand: Gnabry (2.v.r.)

(Foto: picture alliance / dpa)

In einer grotesken Partie kantert die DFB-Elf in San Marino, ignoriert die Fußballgöttin und beschert dem Bundestrainer einen Rekord. Ein Debütant lässt es krachen - und Mario Gomez schlittert.

In San Marino hatten sie sich sehr auf den Weltmeister aus Deutschland gefreut. Und dass die Gäste am Ende dieses Qualifikationsspiels zur Fußball-WM 2018 in Russland mit 8:0 (3:0) gewannen, fällt dann auch eher in die Kategorie standesgemäß. Sie hatten es ja geahnt, dass die Sache eine einseitige Angelegenheit werden würde und es auch in ihr Stadionheft geschrieben: "Das Spiel präsentiert sich wie der Klassiker David gegen Goliath. Aber auch, wenn die Göttin Eupalla Überstunden machen muss, die san-marinesischen Spieler werden alles auf dem Spielfeld geben und es mit Stolz verteidigen."

Anders als bei David gewann der Schwächere dieses Mal nicht, und auch die transzendentale Hilfe blieb aus. Vielleicht war es der vom italienischen Schriftsteller und Sportjournalisten Gianni Brera erfundenen Göttin des Fußballs an diesem kalten, windigen und komplett verregneten Freitagabend vor 3851 Zuschauern im Stadio Olimpico zu Serravalle einfach zu unwirtlich. Im Grunde war diese Partie eine groteske Veranstaltung, so schlecht war die eine und so überlegen war die andere Mannschaft. Joachim Löw wollte denn nach seinem 95. und gleichzeitig zweithöchsten Sieg als Bundestrainer nicht klagen: "Es ist dieses Jahr in der Qualifikation wirklich gut gelaufen. Das war auch unser Anspruch." Und dass er nun Sepp Herberger als nationalen Übungsleiter mit den meisten Erfolgen überholt hat, sei zwar erfreulich, ihm im Grunde aber egal. "Das ist doch schön, dass wir so häufig gewonnen haben in meiner Amtszeit." Nicht egal war ihm, dass sein Team nun mit vier Siegen in die WM-Qualifikation gestartet ist und die Tabelle der Gruppe C souverän anführt. Die Spieler in der Einzelkritik:

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Aufregender als beim Aufwärmtraining wurde es für ter Stegen nicht mehr.

(Foto: picture alliance / dpa)

Marc-Andre ter Stegen: Der 24 Jahre alte Torhüter des FC Barcelona durfte sein achtes Länderspiel bestreiten, weil Manuel Neuer krank ist und lieber zu Hause in München blieb. Das war, im Nachhinein, eine sehr gute Wahl. Im Dauerregen war ter Stegen die meiste Zeit damit beschäftigt, sich warm zu halten und lief, meist weit vor seinem Strafraum, hin und her. Zu tun hatte er nichts, immerhin spielte er zu Null. Am Dienstag in Mailand gegen Italien (ab 20.45 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) steht der Leverkusener Bernd Leno im Tor.

Benjamin Henrichs: Mit seinen 19 Jahren und gerade einmal 18 Partien in der Bundesliga spielte der Leverkusener zum ersten Mal für Deutschlands wichtigste Fußballmannschaft. Der Bundestrainer hatte ihn auf den Posten des rechten Verteidigers beordert. Doch da es nichts zu verteidigen gab, gab er einen offensiven Außenspieler und schoss gleich in der dritten Minute das erste Mal auf das Tor des Gegners. Er machte seine Sache insgesamt ordentlich, auch wenn er das mit dem Flanken noch einmal üben sollte. Aber er ist ja auch erst 19 Jahre alt. Hinterher sagte er: "Es ging relativ schnell bei mir, ich habe das noch nicht wirklich realisiert. Da brauche ich noch ein, zwei Nächte. Die Mannschaft hat mich super aufgenommen und es mir leicht gemacht. Serge und ich müssen heute zum Einstieg eine Rede halten oder etwas singen, glaube ich."

San Marino - Deutschland 0:8 (0:3)

Tore: 0:1 Khedira (7.), 0:2 Gnabry (9.), 0:3 Hector (31.), 0:4 Gnabry (58.) 0:5 Hector (65.), 0:6 Gnabry (76.), 0:7 Eigentor Stefanelli (82.), 0:8 Volland (85.)
Deutschland: Ter Stegen - Hector, Hummels, Kimmich, Henrichs - Khedira (77. Goretzka), Gündogan - Müller, Götze (71. Meyer), Gnabry - Gomez (71. Volland) 
San Marino: A. Simoncini - Berardi, F. Vitaioli, D. Simoncini, Cesarini, Palazzi - Zafferani, Gasperoni, Tosi (58. Domeniconi), M. Vitaioli - Stefanelli
Schiedsrichter: Artyom Kuchin (Kasachstan) 
Zuschauer: 3851 in Serravalle

Joshua Kimmich: Da der 19-Jährige Henrichs am rechten Ende der Viererkette debütierte, rückte der zwei Jahre ältere Allesspieler des FC Bayern in seinem zehnten Länderspiel in die Mitte zu Mats Hummels. Und irgendwie verdichtete sich der Eindruck, als gefalle ihm das nicht. Hatte er sich doch just bei der Europameisterschaft in Frankreich im Sommer als rechter Verteidiger quasi unentbehrlich gemacht - da war ja auch noch nicht von diesem 19-Jährigen aus Leverkusen die Rede. Kimmich jedenfalls tat was er konnte, und ignorierte, wenn es darum ging, den Ball zu passen, Henrichs so gut es eben ging. Kann natürlich auch Zufall gewesen sein. Oder hat da etwa jemand Angst um seinen Stammplatz?

Mats Hummels: Der 27 Jahre alte Innenverteidiger des FC Bayern gab, weil es auch Kimmich nach vorne ins Mittelfeld zog, in seinem 53. Länderspiel meist allein auf weiter Flur den Libero - übrigens auch ein Begriff, den besagter Gianni Brera kreiert haben soll. Das ist natürlich super - inoffiziell als Abwehrchef zu fungieren und dann keine Angestellten zu haben, weil es schlichtweg keine Arbeit gibt.

Jonas Hector: Der Kölner gab nach seinen Toren Nummer zwei und drei für die deutsche Nationalmannschaft zwei bemerkenswert trockene Kommentare ab. Und das am 11. 11. Alaaf! Wir zitieren: " "Es war nicht einfach, der Platz war sehr tief, sehr rutschig." Und: "Dass wir am Ende 8:0 gewinnen, ist natürlich prima." Ansonsten war der 26 Jahre alte Außenverteidiger in seinem 25. Länderspiel auf der linken Seite nicht gerade überfordert.

Sami Khedira: Der 29 Jahre alte Mittelfeldmann führte in seinem 69. Länderspiel das Team als Kapitän an, da Manuel Neuer ja mit Eupalla auf dem Sofa saß. Nachdem er allerdings nach sieben Minuten aus klassischer Mittelstürmerposition das erste Tor des Abends und sein siebtes im Dress des DFB erzielt hatte, schien ihm das Anschubhilfe genug für die Kollegen. Er hielt sich zurück, wurde nach 77 Minuten (am 11. 11., zweimal Schnapszahl, Helau!) ausgewechselt und wird wie vom Bundestrainer angekündigt am Dienstag gegen Italien nicht mit von der Partie sein. Für ihn kam der 21 Jahre alte Schalker Leon Goretzka auf den durchweichten Rasen und zu seinem zweiten Länderspiel. Das hatte wiederum zur Folge, dass auf der Doppelsechs im defensiven Mittelfeld zwei ehemalige Spieler des VfL Bochum agierten.

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Hatte mehr Probleme mit dem Schmuddelwetter als mit dem Regen: Gündogan

(Foto: picture alliance / dpa)

Ilkay Gündogan: Ja, auch der 26 Jahre alte Mittelfeldspieler von Manchester City war einst für den VfL am Ball, dreieinhalb Jahre in seiner Jugend. Aber das ist lange her. In Serravalle absolvierte er sein 19. Länderspiel. Tja, und irgendwie schien es, als hätte er lieber mit Manuel Neuer und Eupalla einen gemütlichen Abend verbracht, anstatt sich in San Marino nassregnen zu lassen. Jedenfalls spielte er zwar einige gute Pässe, verausgabte sich aber nicht. Gegen Italien kann er dann mal zeigen, was er kann und warum Josep Guardiola in Manchester so große Stücke auf ihn hält.

Thomas Müller: Joa, wieder nicht getroffen. Dabei hat der 27 Jahre alte Offensivspieler des FC Bayern bisher 36 Tore für die Nationalelf erzielt. In seinem 82. Länderspiel aber ging er leer aus, was bei so einem Schützenfest schon frustrierend sein kann. Zumal sein Kollege Philipp Lahm, der am Freitag seinen 33. Geburtstag (am 11. 11., zwei Schnäpse bitte!) feierte, zuvor noch beim Bezahlsender Sky gelästert hatte: "Ab und an flashts auch mal, weil ich in der Bundesliga nach zehn Spieltagen ein Tor vor Thomas Müller bin - das hat er schon mal zu hören bekommen." Da Lahm in dieser Saison ein Tor erzielt hat, ergibt sich daraus, dass Müller keinmal erfolgreich war. Aber vielleicht klappt´s ja gegen Italien. Und zur Ehrenrettung: Bei den 3:0-Siegen in Norwegen und gegen Tschechien hat er in dieser Qualifikation doppelt getroffen. Und auch in der Champions League hat er zwei Tore erzielt.

Mario Götze: "Den alten Mario Götze wird es nicht mehr geben", hatte der 24 Jahre alte Dortmunder vor seinem 61. Länderspiel gesagt. Ist das nun gut oder schlecht? Schließlich war der alte, also eigentlich der jüngere Götze gar nicht mal so schlecht. Sei´s drum. In Serravalle war er in zentraler Mittelfeldposition hinter Mario Gomez einer der Besten seiner Mannschaft, kurbelte das Kombinationsspiel an, auch wenn ihm sein 18. Tor versagt blieb. Nun sind wir wirklich gespannt auf das Italienspiel. Nach 71. Minuten kam, wie die Stadionsprecherin ihn liebevoll nannte, Maxe Mayer in die Partie. Es war das vierte Länderspiel für den 21 Jahre alten Schalker.

Serge Gnabry: Der neben Henrichs zweite Debütant des Abends führte sich bei den Großen ein, wie er sich besser nicht hätte einführen können. Überaus engagiert startete der 21 Jahre alte Bremer auf dem linken Flügel in die Partie, verlor trotz Dauerregens seinen Elan nicht - und erzielte zum Einstand glatt drei Tore. Sagen wir es so: Den wollen wir auch am Dienstag sehen. Mal hören, ob die sie dann im Stadio Giuseppe Meazza seinen Vornamen wieder so aussprechen, dass es wie "Särge" klingt. War bestimmt nicht böse gemeint.

Mario Gomez: Für einen Mittelstürmer ist es natürlich ein wenig blöd, wenn die Kollegen acht Tore schießen und man selbst nicht trifft und stattdessen ständig über den nassen Rasen schlittert. Nun ja, für den 31 Jahre alten Angreifer des VfL Wolfsburg dürfte sein 69. Länderspiel kein allzu großes Vergnügen gewesen sein. Zumal er sich bei seinem ersten Einsatz nach dem verletzungsbedingten Turnieraus im Viertelfinale der EM in Serravalle am Oberschenkel verletzte. Der 24 Jahre alte Leverkusener Kevin Volland ersetzte ihn ab der 71. Minute - und schoss in seinem neunten Länderspiel prompt sein erstes Tor.

Quelle: n-tv.de

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