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Die Heimspielstätte der neuseeländischen Nationalmannschaft wird im Volksmund auch "Kuchenform" genannt.
Die Heimspielstätte der neuseeländischen Nationalmannschaft wird im Volksmund auch "Kuchenform" genannt.(Foto: imago/Action Plus)
Freitag, 10. November 2017

Krieg in der Kuchenform: Neuseeland plant "Schlacht" ums WM-Ticket

Gegen Peru ist Neuseeland der krasse Außenseiter in den WM-Playoffs. Um die dritte Teilnahme an einer Fußball-Weltmeisterschaft nach 1982 und 2010 zu sichern, wollen die All Whites alles tun - und setzen dabei auch auf Wind und Wetter.

Die Menschen in Neuseeland gelten als ein wenig zurückhaltend, vor allem aber als ausnehmend freundlich und zuvorkommend gegenüber Gästen. Schön und gut, sagt Andy Martin, aber diesmal, dieses eine Mal, sollten seine Landsleute ihre gute Kinderstube doch bitteschön vergessen. Zu viel, sagt der Chef des neuseeländischen Fußballverbandes (NZF), stehe auf dem Spiel, es gehe um Millionen, um die Zukunft des Sports im Lande. Neuseeland spielt in den Play-offs zur Teilnahme an der WM in Russland gegen Peru, und Martin findet, die Südamerikaner sollten beim Hinspiel am Samstag in Wellington (16:15 Uhr Ortszeit/4:15 Uhr MEZ) in Ansätzen erleben, was die All Whites beim Rückspiel vier Tage später in Lima erwarten.

"Natürlich wollen wir, dass alles fair abläuft. Aber es geht nicht darum, dass wir Peru hier bei uns willkommen heißen. Die müssen wissen: Das ist eine Schlacht." Ungemütlich soll es werden für die Peruaner im WestPac Stadium am Hafen der Hauptstadt, das mit 38.500 Zuschauern ausverkauft sein soll. "Wir müssen ihnen", fordert Martin mit Nachdruck, "das Leben so schwer wie möglich machen." Dazu passt: Die Arena, im Volksmund die "Kuchenform" genannt, ist berüchtigt, weil der Ball dort bei Wind und Wetter oft kuriose Flugbahnen beschreibt. Für Samstag ist Wind mit Böen bis zu 70 km/h vorausgesagt.

Auf Wynton Rufers Spuren

Peru ist seit 1982 nicht mehr bei einer WM dabei gewesen, für die Südamerikaner, die auf den wegen Dopings gesperrten ehemaligen Münchner und Hamburger Paolo Guerrero verzichten müssen, geht es also um verdammt viel. Für Neuseeland aber steht die Zukunft des Fußballs auf dem Spiel. Eine WM-Teilnahme garantiert etwa 14 Millionen neuseeländische Dollar, etwa 8,5 Millionen Euro. Dies entspräche einer Verdoppelung des Verbandsetats. "Das ist ein riesiges Spiel", sagt Wynton Rufer, "mit dem Geld kannst du in den nächsten vier Jahren richtig was machen." Der ehemalige Bremer Bundesliga-Profi, der nach wie vor weltweit für Werder im Einsatz ist, hätte auch Ideen - nur mit dem Verband liegt er über Kreuz. "Als Einheimischer hast Du es bei uns schwer", seufzt Rufer.

Immerhin: Sieben Spieler im neuseeländischen Kader haben in seiner Akadamie "Wynrs" das Fußballspielen gelernt. Der Fußballverband hat zudem das Problem, dass sich die besten Athleten des Landes für den Nationalsport Rugby entscheiden. Eine Entwicklung wie in Island, wo sie unter 330.000 Einwohnern noch genügend gute Spieler finden, um sich für die EM und nun die WM zu qualifizieren, hält Rufer in Neuseeland für nicht möglich: "Island ist der Wahnsinn, was da abläuft, ist einmalig. Dort sind die Leute fußballverrückt. Wir sind das nicht."

"Fast wie ein Krieg"

Abhilfe könnte die Qualifikation für Russland schaffen. Es wäre die dritte Teilnahme nach 1982 und 2010 - allerdings steht Peru als die Nummer 10 der Weltrangliste 112 Plätze besser da als Neuseeland. Im Juni, beim Confed Cup in Russland, hat der Ozeanien-Meister alle Spiele verloren, gegen Russland (0:2), Mexiko (1:2) und Portugal (0:4). "Wir sind der Underdog", sagt Rufer, "wir haben ein paar gute Jungs, aber müssen auch hoffen, dass uns Peru unterschätzt." NZF-Chef Martin betont nochmals, wie wichtig das Publikum ist.

"Das Spiel wird in Wahrheit fast wie ein Krieg sein. Da ist jemand, der unseren Preis wegnehmen will, unsere Millionen. Also, was können wir tun, um sie zu stoppen?" Die Mannschaft, versichert Martin, "wird alles tun, was auf dem Rasen möglich ist". Bleibt zu klären: "Was können wir außerhalb das Platzes tun?"

Quelle: n-tv.de

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