Fußball

Coup gegen Guardiolas City Norwich feiert das Ding der Unmöglichkeit

b59cf1ae01a4b03c64f8efa0695ca3bb.jpg

Daniel Farke ist der Vater von Norwichs Fußballwunder.

(Foto: Action Images via Reuters)

Der deutsche Teammanager Daniel Farke und Aufsteiger Norwich City stellen die Premier League mit ihrem Sensationssieg über Manchester City auf den Kopf. Während City-Coach Josep Guardiola kocht, belohnt sich Farke am Tag nach dem Coup mit Kaffee und Kuchen.

Auch im Rausch nach dem Fußballwunder konnte Daniel Farke seine westfälische Bodenständigkeit nicht verbergen. "Jetzt freue ich mich auf einen schönen Sonntag mit Kaffee und Kuchen auf der Couch", sagte der Teammanager von Norwich City nach dem 3:2 (2:1) des Aufsteigers über Meister Manchester City und den großen Amtskollegen Josep Guardiola am fünften Premier-League-Spieltag: "Und ehrlich gesagt, bin ich auch zu erschöpft und zu alt, um zu feiern."

Farke, 41, hat mit den "Canaries" Englands Eliteklasse gepflegt auf links gedreht. Die Underdogs aus dem Osten der Insel, ohne namhafte Zugänge nach dem Aufstieg und finanziell hoffnungslos unterlegen, sind spätestens seit Samstag in der weltweit wohl stärksten Liga angekommen. Die Unbedarftheit, mit der Norwich noch im Auftaktspiel gegen Liverpool (1:4) ins Verderben gerannt war, ist verschwunden. "Ich glaube an meine Spieler. Wir wissen, dass wir nicht die Favoriten sind und alles zusammenlaufen muss", sagte Farke, bis vor vier Jahren noch Trainer des Oberligisten Lippstadt 08 und 2017 als "No Name" von der BVB-Reserve nach Norwich gewechselt: "Aber wir spielen Fußball, um herausragende Dinge zu erreichen, nicht realistische."

Gnadenlos effektiv

f71ac1f114279d8dfcaef7361e5edd4e.jpg

Phasenweise entgeistert.

(Foto: imago images / Action Plus)

Realistisch gesehen war der Sieg gegen Manchester City auch ein Ding der Unmöglichkeit. Doch vor 27.035 Zuschauern an der zunehmend freudetrunkenen Carrow Road spielte Norwich gnadenlos effektiv, den drei Treffern von Kenny McLean (18.), Todd Cantwell (28.) und Teemu Pukki (50.) hatten die dominierenden Gäste - 69 Prozent Ballbesitz, 25:7 Torschüsse, 16:3 Ecken - lediglich derer zwei durch Sergio Agüero (45.) und Rodri (88.) entgegenzusetzen. Dem phasenweise entgeisterten Guardiola blieb nicht mehr, als Gegenüber Farke nach Schlusspfiff ebenso respektvoll wie achselzuckend zu gratulieren.

"Manchmal gibt es solche Spiele. Wir hatten unsere Chancen und treffen nicht. Norwich hatte drei oder vier Chancen und macht drei Tore", sagte der Spanier: "Aber Norwich hat schon ein richtig gutes Team, Spieler von Qualität." Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass gegen den Titelträger der Topklasse Spieler zentrale Rollen spielten, die dereinst in der Bundesliga für zu leicht befunden wurden. Der Ex-Schalker Pukki, unlängst zum Premier-League-Spieler des Monats August gewählt, erzielte im fünften Saisonspiel seinen sechsten Treffer. Marco Stiepermann, der es in Dortmund auf ganze sieben Bundesliga-Spiele gebracht hatte, ist zentral offensiv gesetzt, überzeugte auch gegen ManCity.

"Ohne Zweifel war es ein Abend, der stolz macht", sagte Farke: "Unsere Fans sollten diesen Tag genießen. Denn wenn man diese Momente nicht wertschätzt, geht die Motivation verloren. Wir werden aber definitiv jetzt ruhig bleiben." Bei ManCity könnte es mit der Ruhe schnell vorbei sein. Fünf Punkte beträgt der Rückstand auf Spitzenreiter FC Liverpool, der Newcastle United 3:1 (2:1) besiegte. Auch wenn das Team von Jürgen Klopp, bei dem Doppeltorschütze Sadio Mane überragte, ungemein gefestigt wirkt: Der Weg zum ersten Meistertitel nach 30 Jahren ist verdammt weit.

Quelle: n-tv.de, Christoph Leuchtenberg, sid

Mehr zum Thema