Fußball

Der Weltmeister fährt zur WM Oberkellner Kimmich, Rudy toppt Kroos

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Trifft erneut: Wagners Sandro.

(Foto: picture alliance / Christian Cha)

Mit einer souveränen Aufführung in Belfast qualifiziert sich die DFB-Elf für die WM in Russland. Joshua Kimmich serviert volley, Sandro Wagner trifft, Sebastian Rudy will Weltmeister werden. Und Thomas Müller? Rennt.

Souverän wie eine Mannschaft, die sich ihrer Stärke bewusst ist und das auch gerne zeigt, hat die deutsche Fußball-Nationalmannschaft also auch ihr neuntes Qualifikationsspiel gewonnen. Und sich damit endgültig die Spielberechtigung für die Weltmeisterschaft in Russland gesichert, bei der sie in gut acht Monaten ihren Titel erfolgreich verteidigen will. Beim 3:1 (2:0) vor 18.104 Zuschauern im Belfaster Windsor Park stand es gegen frenetisch angefeuerte Nordiren nie zur Debatte, wer dieses Spiel gewinnt. Nach 77 Sekunden traf der Münchner Sebastian Rudy zum 1:0, nach 21 Minuten der Hoffenheimer Sandro Wagner zum 2:0. Fünf Minuten vor dem Ende der Partie war es dann Joshua Kimmich vom FC Bayern, der das dritte Tor erzielte, ehe Josh Magennis in der Nachspielzeit der Ehrentreffer gelang.

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Kann zufrieden sein: Joachim Löw.

(Foto: picture alliance / Christian Cha)

Nun muss die DFB-Elf, die am Donnerstagabend mit sieben Confed-Cup-Siegern und vier Weltmeistern in der Startelf antrat, noch am Sonntag (ab 20.45 Uhr bei RTL und im Liveticker bei n-tv.de) in Kaiserslautern gegen Aserbaidschan gewinnen, dann hat sie erreicht was sie stets als Ziel ausgegeben hatte: zehn Siege aus zehn Partien. Bundestrainer Joachim Löw war hinterher - wenig überraschend - zufrieden mit der Welt, seinem Team und wohl auch mit sich: "Wir haben das gemacht, was wir tun mussten. Und wir haben das souverän gemacht." Die Spieler in der Einzelkritik:

Marc-André ter Stegen: Wie man sich wohl so als Platzhalter fühlt? Seit dem zweiten Gruppenspiel beim Confed Cup in Russland, seit dem 1:1 gegen Chile also, steht der 25 Jahre alte Mönchengladbacher in Diensten des FC Barcelona im Tor der DFB-Elf. Sein 17. Länderspiel war zugleich das siebte in Folge. Und doch ist er nur die Nummer zwei hinter Manuel Neuer, der sich jüngst wieder den Mittelfuß gebrochen hat. Und wenn der Münchner zurück ist, rückt ter Stegen wieder auf die Bank. Doch der Bundestrainer darf sich sicher sein, dass er mit ihm einen hat, auf den er sich verlassen kann. Deswegen nimmt er ihn auch mit zur WM. Im Windsor Park zu Belfast hatte er seinen größten Auftritt an einem eher beschäftigungsarmen Abend fünf Minuten vor der Pause, als er Corry Evans erfolgreich daran hinderte, den Ball aus wenigen Metern ins Tor zu schießen. Als der eingewechselte Conor Washington in der 77. Minute die Latte traf, hatte er, also ter Stegen, Glück. Beim Tor der Nordiren war er machtlos.

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Gibt den Kranich: Joshua Kimmich.

(Foto: picture alliance / Christian Cha)

Joshua Kimmich: Nach den ersten sieben Spieltagen in der Bundesliga lautet die Bilanz: Keiner flankt öfter als der 22 Jahre alte Rechtsverteidiger des FC Bayern - 33 Mal. Jupp Heynckes sollte das wissen. Die beiden haben nämlich noch nicht miteinander gearbeitet. Als Kimmich 2015 von RB Leipzig zu den Münchnern wechselte, war Heynckes schon zwei Jahre wieder weg. In Belfast flankte Kimmich vornehmlich in Richtung des Kollegen Sandro Wagner, stand im neunten Qualifikationsspiel zum neunten Mal in der Startelf und spielte zum neunten Mal durch. Das hat außer ihm keiner geschafft. In seinem 23. Einsatz für die deutsche Mannschaft interpretierte er seine Rolle wie stets gegen tief stehende Gegner durchaus offensiv und leitete etliche Angriffe ein. So auch gleich zu Beginn, als er Rudys Tor vorbereite. Es war seine achte Vorlage in der WM-Qualifikation - besser serviert keiner. Und zur Krönung erzielte er auch noch sein drittes Länderspieltor, und das sehr fein, nach einer Flanke Marvin Plattenhardts volley aus kurzer Distanz. Hinterher pflichtete er dem Kollegen Sebastian Rudy bei, der konstatiert hatte, nach der Qualifikation sei es jetzt das Ziel, auch wieder Weltmeister zu werden: "Ja, wenn der Sebastian das sagt, dann probieren wir das!"

Jérôme Boateng: Für den 29 Jahre alten Innenverteidiger des FC Bayern war sein 68. Länderspiel erst sein dritter Einsatz in dieser WM-Qualifikation. Seit knapp einem Jahr war er nicht dabei, stets war er verletzt oder angeschlagen. Und wie es der Zufall so will, ging es in seiner bis gestern letzten Partie am 11. Oktober 2016 ebenfalls gegen Nordirland. Seinerzeit gewann die DFB-Elf in Hannover mit 2:0. Und wenn er schon mal da war, beorderte ihn Löw gleich in die Startelf: "Jérôme hat mir signalisiert, dass er sich gut fühlt." Im Spiel signalisierte Jérôme dann auch, dass er alles im Griff hatte. Der Mann hat irgendwie eine beruhigende Ausstrahlung auf seine Kollegen. Und wir haben nicht einschläfernd gesagt. Nur einmal, in der 77. Minute, da ließ er sich vom bereits erwähnten Washington ausspielen - doch bei dessen Schuss aus zwölf Metern ging der Ball ja nur an die Latte.

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Nordirland-Fan: Mats Hummels.

(Foto: picture alliance / Christian Cha)

Mats Hummels: Mit seinem Klubkollegen Boateng bildete der 28 Jahre alte Nordirland-Fan in seinem 60. Länderspiel und seiner achten Partie auf dem Weg nach Russland die Innenverteidigung. Zuletzt hatten sie das gemeinsam für den FC Bayern beim 2:2 im Bundesligaspiel in Berlin getan, da wirkte das Zusammenspiel mitunter eher weniger souverän. In Belfast klappte das gut, Hummels war allerdings der Bessere der beiden und kümmerte sich weitaus mehr als sein Kollege um den Spielaufbau. In der Defensive zeigte er, was er kann und gab, kopfballstark, zweikampfstark und umsichtige, eine gute Figur als souveräner Abwehrchef ab. Nur einmal, in der - Sie ahnen es - 77. Minute, da ließ der sich von Josh Magennis ausspielen, der dann den Ball zu Washington … aber die Geschichte kennen sie ja. Hummels Fazit fiel ähnlich abgeklärt wie seine Spielweise aus: "Zum Großteil war es eine gute Leistung von uns mit einem Traumtor zur Führung. Die Nordiren waren nur auf  Verteidigung bedacht und haben es uns sehr schwer gemacht. Aber wir haben es geschafft, die Ruhe zu bewahren und unser Spiel durchzubringen."

Marvin Plattenhardt: Apropos Berlin: Weil der Kölner Jonas Hector verletzt ist, durfte der 25 Jahre alte Herthaner in seinem vierten Länderspiel und seinem zweiten Einsatz in der WM-Qualifikation von Beginn an am linken Ende der Viererkette agieren. Sein Ziel dürfte es sein, sich auf dieser Position als erster Ersatzmann hinter Hector zu empfehlen. Das könnte allein schon daher gelingen, weil es nicht allzu viele Mitbewerber gibt - sehr zum Leidwesen des Bundestrainers übrigens, der nach der Partie allgemein davon sprach, dass er gerne mehr Außenverteidiger von internationalem Format hätte. Und das besäße nun einmal nur Joshua Kimmich. Das soll aber nicht heißen, dass Plattenhardt am anderen Ende der Viererkette seine Sache nicht ordentlich gemacht hätte. Und: Die butterweiche Flanke zum 3:0 kam von ihm.

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Rudy, Rudy, Rudy, Rudy!

(Foto: imago/Schüler)

Sebastian Rudy: Viel besser als der 27 Jahre alte Münchner kann man ein Fußballspiel nicht beginnen - und das, obwohl das Toreschießen ja gar nicht zu seinen Kernkompetenzen gehört. Aber in seinem 22. Länderspiel hielt er in der zweiten Minute aus 25 Metern einfach mal drauf und schoss den Ball mit Hilfe des rechten Innenpfostens rechts oben ins Tor - Träumchen, da hat der Hummels schon Recht. Und das zum ersten Mal im Trikot der DFB-Elf. Danach war er dann als Teil der Doppelsechs damit beschäftigt, das Spiel seines Teams anzukurbeln und zu zeigen, wie wertvoll er mit seinen Ideen und seiner Passsicherheit mittlerweile im defensiven Mittelfeld ist. Dabei war er in Belfast tatsächlich einen Ticken besser als Toni Kroos. Und das will ja was heißen. Für den Sommer nächsten Jahres sollte Rudy jedenfalls zwischen dem 14. Juni und 15. Juli keinen Urlaub buchen: "Das frühe Tor war enorm wichtig. Wir haben das Spiel die ganze Zeit dominiert. Nach Russland fahren wir, um was zu reißen! Wir wollen den Titel dort erfolgreich verteidigen."

Toni Kroos: Der 27 Jahre alte Taktgeber der Königlichen aus Madrid hat in dieser Woche betont, wie froh er sei, dass er vor drei Jahren vom FC Bayern zu Real gewechselt ist. Das habe ihm mehr Anerkennung bei den Fans gebracht. In seinem 79. Länderspiel nun, dem siebten Einsatz in dieser Qualifikation, spulte er sein Pensum gewohnt souverän runter. Mehr aber auch nicht. Aber natürlich sollte auch er sich einen Russland-Reiseführer kaufen. Schließlich ist er einer der Unantastbaren im Löw'schen Kader - und das völlig zurecht.

Leon Goretzka: Etwas überraschend fand sich der 22 Jahre alte Schalker unter denen wieder, die von Anpfiff weg spielen durften. Und in seinem elften Länderspiel durfte er das auf dem rechten Flügel im offensiven Mittelfeld tun - wobei er bisweilen die Positionen mit dem Kollegen Julian Draxler auf der gegenüberliegenden Seite tauschte. Sagen wir es so: Nachdem er zu Beginn des Spiels einige Male den Ball verlor, bemühte und steigerte er sich, ohne für die ganz großen Aktionen zu sorgen. Dass er es wesentlich besser kann, hat er beim Confed Cup gezeigt. Deshalb ist und bleibt er eine Option - auch für die WM. Nach 66 Minuten war Schluss, für ihn kam der 23 Jahre alte Emre Can vom FC Liverpool in die Partie und so zu seinem 17 Ländersiel sowie seinem dritten Einsatz in der Qualifikation.

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Rennt und rennt: Thomas Müller.

(Foto: picture alliance / Christian Cha)

Thomas Müller: Mario Gomez verletzt, Timo Werner krank - wäre es da nicht eine gute Idee gewesen, der 28 Jahre alte Münchner hätte in seinem 88. Länderspiel mal wieder ein Tor erzielt? Mutmaßlich schon. Hat er aber nicht. Was vielleicht daran liegt, dass er zuletzt beim FC Bayern viel damit zu tun hatte, seine Kollegen zu ermahnen. "Jeder muss vor der eigenen Haustür kehren und schauen, dass er wieder an die 100 Prozent rankommt" hatte er am Sonntag nach dem 2:2 in Berlin gesagt. Und überhaupt: "Man kann nicht nur sagen, dass Carlo Ancelotti Fehler gemacht hat." Doch der ist längst Geschichte, und Müller dürfte einer derjenigen sein, der nichts dagegen hat, demnächst wieder von Jupp Heynckes trainiert zu werden. In Belfast agierte er als eine Art hängende Spitze, ein Job, den Lars Stindl übrigens auch oft sehr gut erledigt. Und Müller? Trug in Abwesenheit Neuers die Binde des Kapitäns und rannte und rannte und rannte. Viel kam dabei allerdings nicht heraus. Gleich nach elf Minuten gelang ihm ein grandioser Fehlpass, dafür bereitete er das zweite Tor durch Sandro Wagner vor. Und in der 51. Minute hätte er nach einer Flanke Wagners beinahe den Ball ins Tor geköpft - doch da war Nordirlands Keeper Michael McGovern vor. Sieben Minuten vor dem Abpfiff nahm Löw Müller dann auch raus, so kam der 29 Jahre alte Gladbacher Stindl noch zu seinem achten Länderspiel.

Julian Draxler: Bei Paris Saint-Germain hat der Kapitän der Confed-Cup-Combo seinen Stammplatz verloren. Wenn, dann darf er nur noch in der französischen Ligue 1 von Beginn an ran. In der Champions League spielt Neymar auf der linken Außenbahn. Da der aber Brasilianer ist, setzt der Bundestrainer weiter auf Draxler - auch wenn er mit Leroy Sané von Manchester City durchaus eine Alternative in petto hat. Der kam dann auch nach 72 Minuten für ihn in die Partie, zu seinem siebten Einsatz für die DFB-Elf und nach 81 Minuten beinahe zu seinem ersten Länderspieltor. Zuvor hatte Draxler in seinem 38. Länderspiel nicht gerade nachdrücklich für sich geworben. Er rannte zwar ähnlich viel wie der Kollege Müller, doch seinen Aktionen mangelte es an Effektivität.            

Sandro Wagner: Der ebenfalls 29 Jahre alte Hoffenheimer war vor seinem vierten Länderspiel mit drei Treffern in drei Partien der Mann mit der besten Torquote der Löw'schen Eleven. Und nach der Partie ist er es mit vier Toren aus vier Spielen erst recht. Das könnte auch daran liegen, dass er die Sache für seine Verhältnisse relativ locker angeht. Anfang September bei den Segen in Tschechien und gegen Norwegen war er noch außen vor, da aber nun Gomez und Werner fehlen, ist er wieder gefragt: "Ich bin beim Thema Nationalmannschaft ganz entspannt. Wenn der Bundestrainer mich braucht, bin ich gerne da und freue mich jedes Mal riesig." Nach 17 Minuten köpfte er den Ball sehr schön an den Pfosten, das sah wirklich gut aus. Gut zwei Minuten später fiel er im nordirischen Strafraum im Duell mit Gareth McAuley hin, sah dabei nicht so gut aus - und bekam auch keinen Elfmeter. Kurz darauf erzielte er das 2:0 für seine Mannschaft, indem er sich nach einem Pass Müllers den Ball einmal selber vorlegte und dann aus 17 Metern präzise ins linke Eck des nordirischen Tores schoss. Danach gab er weiter alles, sorgte stets für Unruhe, war stark im Zweikampf - und ist wieder mittendrin in der WM-Verlosung.

Quelle: ntv.de