Fußball

"Hotte" und der Traum vom Wunder Oh, war das wirklich der HSV?

Es ist die letzte Chance, um den Traum von der Rückkehr in die 1. Fußball-Bundesliga nicht schon wieder platzen zu lassen - und der Hamburger SV nutzt sie beeindruckend. Im ersten Spiel unter Horst Hrubesch spielt das Team, nun ja, wie ein Aufsteiger.

Woche für Woche hatten sich die Fußballer des Hamburger SV in der 2. Bundesliga tiefer und tiefer in die Deppen-Depression gespielt. Woche für Woche wurde wahrscheinlicher, dass der so stolze Verein auch im dritten Anlauf die ersehnte Rückkehr in den Eliteklub des deutschen Fußballs verpasst. Um das nächste Drama noch abzuwenden, um sich nicht erneut Hohn und Spott auszusetzen, griffen die Hamburger Bosse vergangene Woche zum verzweifelten Mittel der Trainerentlassung: Nach einer desolaten Rückrunde mit einer verunsicherten Mannschaft und ohne jede Hoffnung auf Besserung musste Hoffnungsträger Daniel Thioune gehen. Der dritte Coach in drei Jahren war damit verschlissen.

Hamburger SV - 1. FC Nürnberg 5:2 (3:1)

Tore: 1:0 Sörensen (30., Eigentor), 2:0 Jatta (37.), 2:1 Shuranov (41.), 3:1 Terodde (45.+2), 4:1 Kittel (76.), 5:1 Terodde (80. Foulelfmeter), 5:2 Rosenlöcher (89.)
Hamburg: Ulreich - Vagnoman (74. Wintzheimer), Leistner, Heyer, Leibold - Kinsombi (82. Kwarteng), Onana - Jatta (82. Heil), Kittel (86. Narey) - Terodde, Meißner (74. Gyamerah); Trainer: Hrubesch.
Nürnberg: Mathenia - Valentini, Mühl, Sörensen, Handwerker - Geis (84. Rosenlöcher) - Krauß (84. Suver), Robin Hack (84. Schleusener) - Möller Daehli (46. Latteier) - Shuranov, Dovedan (84. Krätschmer); Trainer: Klauß.
Schiedsrichter: Felix Zwayer (Berlin)

Die Lösung für den Übergang: Horst Hrubesch. Der Spielerfreund. Und wie prima diese Idee offenbar ist, zeigte der HSV am Montagabend. Trotz ein paar weniger Unkonzentriertheiten donnerte das Team über den 1. FC Nürnberg hinweg. Es war der erste Dreier nach zuvor fünf Spielen ohne Sieg. Und es war einer, der am Ende mit der absoluten Überzeugung eines Aufsteigers herausgespielt wurde. Nun, ist die Lage aber trotz des 5:2 (3:1)-Erfolgs an diesem 32. Spieltag so: Ohne einen Patzer der Konkurrenten wird es nichts mehr mit dem "kleinen Wunder" von der Elbe. Und das wäre dann vorerst auch "nur" das Erreichen der Relegation.

"Auf Kiel können wir nicht mehr hoffen", erklärte Hrubesch am Montagabend und legte sich damit auf die beiden Direktaufsteiger fest. Das ist neben Kiel dann auch der VfL Bochum, der sich seit Wochen stabil an der Spitze hält. Aber den Relegationsplatz, den Greuther Fürth belegt, hat er als Ziel ausgerufen. "Wir werden alles reinpacken in die letzten zwei Spiele. Es wird nicht leicht. Aber wir haben die Möglichkeiten, also sollten wir sie nutzen", versprach er und sagte: "Wenn der liebe Gott mit uns ist, gehen wir vielleicht in die Relegation." Der HSV hat drei Punkte weniger, aber das vermeintlich leichtere Restprogramm. Am Sonntag geht es zum Tabellenvorletzten VfL Osnabrück, eine Woche später dann zu Hause gegen den 16. Eintracht Braunschweig. Fürth muss noch gegen das zuletzt starke Paderborn und Düsseldorf ran.

"Hotte" überrascht mit Meißner

Nun, die Lage für die Hamburger war eh klar: Nur mit drei Siegen aus den drei Spielen unter der Regie von "Hotte", wie sie ihre Klub-Legende gerne nennen, erhalten sie die Chance auf das fast Unmögliche. Um den Spielern den Druck zu nehmen, hatte Hrubesch in den vergangenen Tagen viele Einzelgespräche geführt. Und er hatte bei der Aufstellung einige Veränderungen vorgenommen. Die größte Überraschung: Er bot eine Doppelspitze auf, neben Simon Terodde stand da Robin Meißner erstmals in der Startelf. Und er spielte genauso mutig, wie der Rest des Teams. Auch wenn es bis zur Führung in der 30. Minute etwas zäh war. Meißner hatte geschossen, der Nürnberger Asger Sörensen den Ball unglücklich abgefälscht.

Das Tor war der Moment, in dem sich der HSV von der erdrückenden Last der vergangenen Wochen befreite. Immer leichtfüßiger wurde das Spiel, immer schneller. Selbst ein Patzer von Keeper Sven Ulreich, der das zwischenzeitlich 1:2 durch Erik Shuranov (41.) begünstigte, brachte das Kollektiv nichts in Wanken. Noch vor der Pause stellte Terodde auf 3:1. Es waren Momente, die das Zutrauen in sich selbst stärkten. Denn auch der Torjäger war zuletzt nicht in der Form, in der man ihn kennt. "Die Mannschaft hatte dieses Vertrauen in sich einfach nicht mehr gespürt. Wenn du sie im Training siehst, dann weißt du, über welche Qualität diese Mannschaft und vor allen Dingen die vielen jungen Spieler verfügen."

Einer, der diese Begegnung nutzte, um sich für das Finale noch einmal in eine große Form zu bringen, war Sonny Kittel. Dessen Spielfreude hatte man so lange nicht gesehen. Ein Tor gab es als Zuckerl für den starken Auftritt. Auch der zuvor patzende Ulreich konnte später noch ein bisschen was fürs angekratzte Ego tun. Mit einer klasse Parade lenkte er einen Versuch von Tom Krauß die Latte (73.).

Quelle: ntv.de, tno

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