Fußball

"Vorwurf ist wirklich massiv" Polizei beschleunigte Anfangs Ende

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Markus Anfang sieht sich einem "massiven Vorwurf" ausgesetzt.

(Foto: picture alliance / Selim Sudheimer)

Fußball-Zweitligist Werder Bremen muss einen neuen Trainer suchen. Der bisherige, Markus Anfang, hat nun erstmal andere Probleme, als Spiele zu gewinnen: Gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft, die Polizei war auch schon da. Ein kurzer Abriss einer schnellen Eskalation.

Markus Anfang ist nicht mehr Trainer von Fußball-Zweitligist Werder Bremen. Der Grund ist kein sportlicher: Anfang nutzte ein offenbar gefälschtes Impfzertifikat, am Morgen verkündete der Verein seinen Rücktritt. Nur wenige Stunden vor dem Spiel gegen den FC Schalke in einem ausverkauften Stadion. Der Zeitpunkt ist arg außergewöhnlich - und lässt erahnen, dass auf dem Weg zur Verkündung etwas erdrutschartig in Bewegung geraten ist. Werder-Geschäftsführer Frank Baumann erklärte dann, dass im Laufe des Freitags "eine andere Sachlage" eingetreten sei, "die Fakten haben sich ein Stück weit verändert." Am Ende ging alles schnell und das hat wohl auch mit einem Auftritt der Polizei zu tun. Dabei wurde den Werder-Verantwortlichen im Zusammenhang mit den Vorwürfen des gefälschten Impfnachweises eine "sehr klare Indizienlage" dargelegt, wie es von Finanzgeschäftsführer Klaus Filbry hieß. Aber der Reihe nach:

Am späten Donnerstagabend hatte der Klub in einer kurzen Mitteilung verkündet, dass die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen Anfang eingeleitet habe. Der Verdacht: Der Trainer habe ein gefälschtes Impfzertifikat verwendet. Nach Informationen des Portals "Deichstube" sollen im Impfnachweis des Trainers die Chargennummer des Impfstoffs und ein Impfdatum unstimmig gewesen sein. So soll sich ein Impftermin in Anfangs Nachweis angeblich mit einem Einsatz als Werder-Trainer überschneiden. Aufgefallen war das dem Bremer Gesundheitsressort bei einer Routinekontrolle im Falle eines positiv auf das Coronavirus getesteten Werder-Profis.

Anfang habe beteuert, "wie jeder andere doppelt geimpfte Bürger meine beiden Impfungen in einem offiziellen Impfzentrum erhalten und dafür die entsprechenden Aufkleber im gelben Impfpass bekommen" zu haben, heißt es in der Vereinsmitteilung. Den Impfpass habe er "anschließend in der Apotheke digitalisieren lassen". Anfang ging "selbstverständlich davon aus, dass damit alles seine Ordnung hat", wird der Ex-Trainer zitiert. Der Verein hatte den Vorgang in der Mitteilung zunächst unkommentiert gelassen.

Polizei kommt mit Durchsuchungsbeschluss

Am Freitag dann äußerte sich mit Baumann erstmals ein Klubvertreter: "Markus hat uns versichert, dass alles korrekt gelaufen und er geimpft ist. Es gibt für uns keinen Anlass, daran zu zweifeln", sagte der Geschäftsführer, der eine Medienrunde nutzte, um die zuständigen Behörden zu kritisieren: "Bis jetzt ist es so, dass Markus selbst noch überhaupt nicht kontaktiert wurde. Für ihn ist es nicht schön, mit Vorwürfen belastet zu werden, von denen man gar nicht weiß, was genau das Problem ist. Es gibt keine offiziellen Hinweise. Markus ist bereit, mit den Ämtern im Austausch zu sein." Mit neuen Erkenntnissen rechnete er da noch "frühestens in der kommenden Woche". Dann sei aber "sehr, sehr viel passiert", wie er am Tag des Rücktritts erklärte.

Die Erkenntnisse waren am Freitagabend schneller und offenbar mit großer Wucht gekommen: in Form eines Besuches der Polizei am Weserstadion nämlich. Dabei hatten die Beamten einen Durchsuchungsbeschluss für die Privatwohnungen von Markus Anfang und Co-Trainer Florian Junge, der ebenfalls zurückgetreten war und gleichsam unter Verdacht steht. Wie die "Deichstube" berichtet, hätten die Beamten die Klubverantwortlichen gebeten, Anfang und Junge zur Kooperation zu bewegen. Offenbar erfolgreich: "Wir haben einen Beschluss erwirkt, der uns berechtigt hätte, seine Wohnung zu durchsuchen. Das war nicht erforderlich, da die Unterlagen, die wir haben wollten, uns zur Verfügung gestellt worden sind, so dass wir dies nicht durchführen mussten", erklärte Staatsanwalt Frank Passade.

Unmittelbar nach der unangenehmen Zusammenkunft, so schreibt die "Deichstube", hätten Anfang und Junge ihren Rücktritt erklärt. "Markus und Florian übernehmen mit ihrem Schritt Verantwortung und tragen somit dazu bei, die Unruhe, die in den letzten Tagen rund um den Verein und die Mannschaft aufgekommen ist, zu beenden", hieß es vom Verein. Mit ihrem Abschied sind die Trainer wohl nur noch etwaigen Konsequenzen durch den Verein zuvorgekommen, wie Werders-Finazgeschäftsführer Klaus Filbry am Abend bestätigte: "Aufgrund dieser klaren Indizienlage haben wir uns mit arbeitsrechtlichen Schritten auseinandergesetzt", die Werder dann "eventuell auch in Erwägung gezogen" hätte.

Sachverhalt ließ sich nicht "schnell aufklären"

Baumann, der sich am Freitag noch schützend vor seinen leitenden Angestellten gestellt hatte, sagte nach dem Rücktritt in einem Video auf der Klub-Homepage, der Vorwurf, der im Raum steht, sei "wirklich massiv. Das hat dann eine Dimension angenommen, wo wir als Verein auch überlegt haben: Was ist die richtige Entscheidung?" Da Anfang versichert habe, nichts Falsches getan zu haben, habe Werder dem "wichtigsten Mitarbeiter in einem Verein" einen "Vertrauensvorschuss" gegeben.

Jedoch hätten die Fakten sich im Laufe des Freitags geändert. Da hatte Baumann noch optimistisch verkündet, man wolle "den Sachverhalt schnell aufklären". Das ist offenbar nicht möglich. Details verriet Baumann nicht, sagte aber, dass "das Ermittlungsverfahren nicht von heute auf morgen" zu klären sei und deshalb auch Auswirkungen auf das Image des Klubs und den sportlichen Bereich befürchtet werden. Anfangs Rücktritt empfindet Baumann als "richtige Entscheidung".

Für Anfang gilt weiterhin die Unschuldsvermutung, ob er ein gefälschtes Impfzertifikat verwendet hat, wird derzeit noch geprüft: "Inwieweit der Impfausweis tatsächlich falsch ist, das werden wir im Laufe der Woche klären können", erklärte Passade. Anfang selbst hat sich über die Vereinsmitteilungen, in denen er alle Verdachtsfälle deutlich von sich weist, hinaus nicht geäußert.

Bei seinem Dienstantritt am Weserstadion hatte Anfang im Sommer erklärt, noch nicht geimpft zu sein. Erst in der vergangenen Woche jedoch hatte der ehemalige Trainer von SV Darmstadt 98 ein Update zu seinem Impfstatus gegeben. "Ich bin selbst geimpft, aber jeder darf seine Entscheidung treffen", sagte der 47-Jährige der "Bild"-Zeitung. Die Nutzung eines gefälschten Impfzertifikats ist für Privatleute bei Gebrauch gegenüber Behörden und Versicherungen strafbar. In diesem Fall drohen Geld- oder Haftstrafen. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft dauern an.

Quelle: ntv.de, ter

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