Fußball

DFB-Team siegt in Wembley Popp trifft und genießt: "Wow, krass"

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"Innerhalb von drei Wochen nach einem Außenbandriss hier zu stehen, sagt schon alles aus": Alexandra Popp.

(Foto: imago images/Action Plus)

Zu einem Bundesliga-Spiel sind oft nur wenige Hundert Fans - beim Länderspiel gegen England brillieren die DFB-Frauen vor 78.000 Zuschauern in Wembley. Statt Nervosität herrschen Kampfkraft und Kaltschnäuzigkeit. Und doch bekennt Kapitänin Alexandra Popp, dass etwas anders ist.

Sie läuft als Kapitänin auf, erzielt ein Tor - und trotzdem sagte Alexandra Popp nach ihrer Auswechslung in der 65. Minute: "Es hat auch Spaß gemacht, einfach nur zuzuschauen." Bitte was? Eine Fußballerin, die es genießt, auf der Bank zu sitzen? Das gibt es nur bei ganz besonderen Spielen. 77.768 Zuschauer waren dabei, als das DFB-Team an diesem Samstag im Londoner Wembley-Stadion mit 2:1 (1:1) gewann. So viele wie noch nie bei einem Spiel der Frauen-Nationalelf in England.

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Viele Fähnchen.

(Foto: imago images/Action Plus)

Dabei war ihnen sogar noch mehr versprochen worden. Alle 90.000 verfügbaren Tickets seien verkauft worden, hatte der englische Verband verlauten lassen. Ganz so viele kamen dann doch nicht ins Stadion. Der Europarekord wurde knapp verpasst, für den Weltrekord hätte es eh nicht gereicht. 90.185 Zuschauer hatten das Finale der Weltmeisterschaft 1999 zwischen den USA und China in Passadena in den USA gesehen.

Aber auch knapp 78.000 Besucher boten eine imposante Kulisse. Auch die Deutschen hatten so etwas noch nie erlebt. Frostig und regnerisch war es, typisches Londoner Klischee-Wetter also. Doch das hielt die Fans nicht davon ab, die Teams und sich selbst zu feiern. Es gab ausufernde Laolas und Trompeter samt Trommlern, die "Football's coming home" intonierten. Vor, während und nach dem Spiel schwenkten sie fleißig fast ebenso viele Fähnchen mit der englischen Flagge wie es Zuschauer im Stadion gab. Nur fast, denn einige Anhänger aus Deutschland hatte es ebenfalls nach London verschlagen.

Irre Parade von Torfrau Frohms

Sie waren es auch, die nach neun Minuten den ersten Treffer bejubelten. Popp köpfte den Ball nach feiner Flanke von Kathy Hendrich wuchtig ins Tor, vorbei an der englischen Torhüterin Mary Earps. Der Treffer war der Beweis, wie besonders das Freundschaftsspiel der beiden Teams war. Popp wäre sonst sicher nicht dabei gewesen, bekannte sie. "Innerhalb von drei Wochen nach einem Außenbandriss hier zu stehen, sagt schon alles aus." Und ihr Tor? "Ich habe erst gar nicht so richtig realisiert, dass der Ball im Tor war. Als dann alle auf mich zugestürmt kamen habe ich gedacht: Wow, krass. Mit dem zweiten Ballkontakt hast du gerade deine Mannschaft geführt und auch in Führung gebracht."

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"Das war tatsächlich Reflex": Merle Frohms.

(Foto: imago images/Action Plus)

Und ganz nebenbei auch noch das Wembley-Stadion zum Schweigen - genau so, wie es ihre Mitspielerin Pauline Bremer zuvor vom Team gefordert hatte. Das gelang in der 36. Minute auch Merle Frohms. Deutschlands Torhüterin hatte zuvor einen umstrittenen Elfmeter verursacht und machte das wieder wett, indem sie den Strafstoß von Nikita Parris überragend hielt. "Das war tatsächlich Reflex. Ich hatte nicht geplant, ihn erst mit der Hand und dann mit dem Fuß zu halten", sagte die 24-Jährige, die die langzeitverletzte Almuth Schult wie schon in der EM-Qualifikation bravourös ersetzte.

Zwei kurze schweigsame Pausen legten die englischen Fans also ein. In der 44. Minute explodierte das Stadion dann allerdings, als Ellen White aus abseitsverdächtiger Position zum 1:1 ausglich. Pünktlich zur Halbzeit war die beste Laune wieder hergestellt. Es hatte sich also gelohnt, dass die Besucher schon auf dem Weg von der U-Bahn hinunter zum Stadion mit dem charakteristischen Bogen über dem Dach eingestimmt worden waren. Auf dem Olympic Way spielten Bands, verkauften Händler Schals mit England-Deutschland-Bannern und verteilten Menschen England-Fähnchen.

"Es war ein unbeschreibliches Gefühl"

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"Jede Sekunde genossen": Sophia Kleinherne.

(Foto: imago images/Fotoarena)

Im Stadion sorgte die enthusiastische Kulisse dafür, dass die Spielerinnen ihr eigenes Wort nicht mehr verstanden. Sie mussten, wie von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg prognostiziert, mit Gesten und Mimik auskommen, oder, wie Popp es beschrieb, auch mal einen Umweg zu einer Mitspielerin zurücklegen. Das nahm dem großen Erlebnis nichts von seiner Faszination. "Es war ein unbeschreibliches Gefühl, bei so einer Kulisse das erste Länderspiel für die A-Nationalmannschaft zu machen", sagte Sophia Kleinherne. "Ich habe jede Sekunde genossen." Auch Klara Bühl schwärmte: "Es hat uns gepusht." Dass sie das 2:1 in der 90. Minute schoss, hatte die 18-Jährige da "noch gar nicht realisiert". Vielmehr habe sie zunächst "die Kulisse genossen" und sich bei den deutschen Fans bedankt.

Kein Wunder also, dass Popp das Spiel auch von der Bank aus genießen konnte. Aber ein kleines bisschen lieber hat sie doch den ersten Treffer ihres Teams erzielt. Ihr Fazit: "Die Mannschaft hat das überragend gemacht. Wir sind selbstbewusst und mutig aufgetreten."

Quelle: n-tv.de