Fußball

"Tabellensituation nicht so wichtig" Rangnick will zurück in die Liga

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Ralf Rangnick, motiviert.

(Foto: dpa)

Ralf Rangnick gilt als absoluter Fußball-Fachmann, Kritiker verspotten ihn als "Professor", aber alle haben Respekt - weil er vor Monaten seinen Trainerjob bei Schalke 04 aufgab, um sein Burnout-Syndrom behandeln zu lassen. "Es war eine brutale Entscheidung", sagt er heute. Und will in der kommenden Saison wieder zurück an die Seitenlinie.

Mehr Auszeiten gönnen, richtig ernähren und viel Sport treiben: Ralf Rangnick hat fünf Monate nach seinem überraschenden Rücktritt als Trainer von Bundesligist Schalke 04 wegen eines Erschöpfungssyndroms sein Leben neu ausgerichtet und wieder Lust auf Fußball. Der 53 Jahre alte "Professor" fühlt sich nach dem "kompletten körperlichen Breakdown" im September vergangenen Jahres wieder gesund und will bereits im Sommer zurück auf die Bundesliga-Bühne.

"Körperlich und von der Energie her fühle ich mich wieder in der Verfassung, um zu sagen: Okay, ich kann wieder eine Mannschaft übernehmen. Es geht mir deutlich besser, die vergangenen Monate haben mir richtig gut getan", sagte der 53-Jährige, und fügte mit Blick auf sein Comeback hinzu: "Ich gehe davon aus, dass das im Sommer der Fall sein wird, aber ich kann nicht in eine Glaskugel schauen. Otto Rehhagel hat vor einer Woche auch nicht gedacht, dass er bei Hertha ist."

Keine überhöhten Ansprüche

Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt seit seinem Ende als Chefcoach von Schalke 04 am 22. September 2011 machte Rangnick aber deutlich, dass er auf seinem Weg zurück an die Seitenlinie "ein paar grundlegende Dinge" ändern muss. "Dazu zählen auch der Umgang mit Ruhephasen, die richtige Ernährung und die Zeit, selber Sport zu treiben", sagte Rangnick, der keine überhöhten Ansprüche an einen möglichen neuen Arbeitgeber hat: "Entscheidend ist, dass es passt, auch mit den anderen Entscheidungsträgern. So, wie es auf Schalke und über lange Jahre auch in Hoffenheim der Fall war. Die Tabellensituation ist dabei gar nicht so wichtig."

Rangnick untermauerte, dass er sich in den vergangenen Jahren nicht genug um seinen Körper und Geist gekümmert habe. Das Burnout-Syndrom war die logische Folge. "Es war, wie wenn einem jemand den Stecker rausgezogen hat. Ich lebe davon, Energie weiterzugeben. Wenn man selber spürt, dass Energie nicht da ist, kann man das nicht weitergeben. Das Feuer war nicht mehr da. Man denkt sich: Beiß auf die Zähne. Aber irgendwann ging es nicht mehr. Das war eine brutale Entscheidung. Sie war aber richtig und notwendig", sagte Rangnick.

"Blutwerte waren katastrophal"

Nach dem Ausbruch der im Fußball immer seltener tabuisierten Krankheit hatte sich Rangnick zunächst in seine schwäbische Heimat Backnang zurückgezogen, um zur Ruhe zu kommen. "Ich bin nach Hause zu meiner Familie gefahren und mit meiner Frau drei, vier Tage weggefahren, um Abstand zu gewinnen. Dann ging es darum, festzustellen, was los war, auch mit dem Körper. Die Blutwerte waren katastrophal, auch im Bereich der hormonellen Werte war vieles im Keller, der Energiestoffwechsel hat nicht gestimmt. Das Immunsystem war ein Stück weit lahm gelegt. Das war ein kompletter körperlicher Breakdown", sagte Rangnick.

Der offene Umgang mit seinem Erschöpfungssyndrom hatte Rangnick in der Liga reichlich Respekt eingebracht. Wie die Vereine bei der Trainersuche in Zukunft auf den Namen Rangnick reagieren, bleibt allerdings noch abzuwarten. Für den im März scheidenden DFB-Boss Theo Zwanziger war der offenen Umgang Rangnicks mit dem Burn-out zumindest ein deutliches Zeichen dafür, dass die richtigen Lehren aus dem Fall Robert Enke gezogen wurden. "Vielleicht hat sich die Situation im harten Profigeschäft Fußball aufgrund der vielen Diskussionen nach dem tragischen Tod von Robert Enke ja doch ein klein wenig verändert", sagte Zwanziger.

Quelle: ntv.de, sid

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