Fußball

Dank des "Geschenks" Zidane Real Madrid, die königliche Perfektion

1887d2c45582c6fb33a0e3dba507d4ee.jpg

Ein wichtiger Mann auf dem Weg zum Titel: Abwehrchef Sergio Ramos.

(Foto: REUTERS)

Zehn Spiele, zehn Siege - besser geht's nicht. Mit königlicher Perfektion sprintet Real Madrid nach der Corona-Zwangspause zur spanischen Fußball-Meisterschaft. Dabei lässt sich das Team auch von einem Dauer-Provokateur in den eigenen Reihen nicht aus dem Takt bringen.

Gareth Bale lächelte vor sich hin. Die Arme vor dem Körper verschränkt, schaute er zu, wie seine Teamkollegen von Real Madrid Trainer Zinedine Zidane in die Luft warfen. Wieder und wieder. Dass Gareth Bale da so am Rande der Gruppe stand, lächelte und nichts weiter machte, das war höchst pietätvoll. Und nicht unbedingt zu erwarten. Der Mann, der einst 100 Millionen Euro gekostet hatte, der so toll Fußball spielen konnte, der hatte zuletzt vor allem eines: provoziert. Mal stellte er sich während der Spiele schlafend (auf der Bank), mal machte er bizarre Fernglas-Mäzchen. Jede Aktion war eine gegen seinen Trainer, gegen seinen Arbeitgeber.

Nun aber, als die Königlichen am Donnerstagabend nach einem 2:1-Erfolg am 37. Spieltag gegen den FC Villarreal inklusive Arroganz-Elfmeter ihre 34. Meisterschaft in der spanischen Liga eingefahren hatten, da gab's walisische Milde in der Hauptstadt. Aber selbst eine neue (bislang zumindest nicht bekannte) Provokation hätte die Feierlichkeiten wohl kaum gestört. Denn gestört haben sich die Madrilenen in den vergangenen Wochen ohnehin nicht an den Peinlichkeiten ihres Reservisten. Mit königlicher Perfektion ist die Mannschaft um Toni Kroos durch die Liga gerauscht, hat alle zehn Spiele nach dem Corona-Restart gewonnen.

Mit dieser maximalen Ausbeute wurde Erzrivale und Serienmeister Barcelona noch abgefangen, der vor der Zwangspause mit zwei Punkten Vorsprung an der Ligaspitze stand. Doch Patzer gegen leichte Gegner, interne Querelen und ein Coach, Quique Setien, der angezählt ist, ließen die Katalanen um den frustrierten Lionel Messi aus dem Tritt - oder aber eigentlich gar nicht mehr richtig in Tritt kommen. Der Superstar haderte mit der "Schwäche" seines Teams. Probleme, die ihnen in der Hauptstadt völlig egal sind, wenn auch nicht fremd. Denn auch Real stolperte, ehe Zidane am 19. März 2019 als Trainer zurückkehrte und das wankende Ensemble stabilisierte.

"Keine Worte für die Emotionen"

"Das Gefühl ist gewaltig, denn was die Spieler geleistet haben, ist beeindruckend. Ich habe keine Worte für die Emotionen, die ich habe", bekannte der Weltmeister von 1998 nach dem ersehnten Triumph, dem ersten seit der Saison 2016/17. "Es ist ein beeindruckendes Team", lobte Zidane, der als Macher des Erfolgs gilt. Den Titel nun holte der 48-Jährige mit vielen Spielern, auf die er schon in seiner ersten Amtszeit von 2016 bis 2018 setzen konnte und mit denen er auch dreimal die Champions League gewann. "Wir glauben an ihn, an alles, was er sagt", schwärmte die Klublegende und Abwehrchef Sergio Ramos. "Dieser Erfolg ist das Ergebnis harter Arbeit und von Beharrlichkeit."

Präsident Florentino Perez würdigte Zidane als "Geschenk des Himmels. Er hat in jedem 19. Spiel eine Trophäe gewonnen", sagte er über den großen Franzosen, für den es bereits der elfte Titel mit den Königlichen war - bei bislang 209 Begegnungen als Trainer. "Ich hoffe, dass er noch lange bei uns bleiben wird", so Perez. "Die Leute können ihn kritisieren, so viel und so lange sie wollen, solange er Titel gewinnt."

Weniger Spektakel, mehr Stabilität

Tatsächlich fußte das Spiel der Königlichen in den vergangenen Monaten weniger auf dem Spektakel, das die Fans von ihren Fußballern erwarten, stattdessen formierten die Madrilenen ein Bollwerk, das kaum zu überwinden war, mit einem überragenden Ramos und einem ebenfalls überragend spielenden Linksverteidiger Ferland Mendy, der vor der Saison für 50 Millionen Euro von Olympique Lyon gekommen war. Nach dem Powersprint aus der Zwangspause gab's nur vier Gegentore in zehn Spielen. Und vorne? Vorne half der ebenfalls schon ewige Karim Benzema. Der Franzose kaschierte damit sogar, dass Rekordmann Eden Hazard in seiner ersten Saison fremdelte.

Nach der Meisterschaft liegt der Fokus nun auf der Endrunde der Champions League in Portugal. Der Abonnementsieger der Königsklasse, der den Pott allein zwischen 2014 und 2018 viermal gewann, hat das Ticket für Lissabon allerdings noch nicht sicher. Am 7. August muss zunächst bei Manchester City von Ex-Barca-Coach Josep Guardiola das 1:2 aus dem Hinspiel korrigiert werden.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.