Fußball

FC Bayern trifft starke Madrilenen Reals Brandstifter wollen Fluch brechen

RTR3MD11.jpg

Da schaut er, der Franck Ribérey: Reals Sergio Ramos und Pepe kümmern sich um den Ball.

(Foto: REUTERS)

Wenn Real Madrids Fußballer heute beim FC Bayern antreten, gehen sie davon aus, dass sie das Finale der Champions League erreichen. Sie wollen "die Stadt in Flammen setzen". Entscheidend sei im Kopf, sagt ihr Trainer.

Gelsenkirchen, Dortmund, München. Auf seiner Deutschland-Tournee durch die K.o.-Runde der Champions League hat Real Madrid in dieser Saison die Reize des Ruhrgebiets schon ausgiebig kennengelernt. Vor dem Endspiel in Lissabon müssen die Madrilenen als letzte Hürde nun wieder einmal zum FC Bayern reisen (ab 20.45 Uhr im ZDF und im Liveticker bei n-tv.de). Im Gepäck haben sie einen knappen 1:0-Sieg - und die Aussicht, erstmals seit 2002 wieder ins Finale einzuziehen. Fußballerisch erwartet sich Reals Trainer Carlo Ancelotti vom Betriebsausflug in die bayerische Landeshauptstadt keine neuen Erkenntnisse: "Taktisch gesehen wird das Spiel nicht viel anders sein. Bayern hat seine Fußballphilosophie, aber am Ende wird nicht nur die Taktik entscheiden. Ich denke, dass die mentale Komponente viel wichtiger sein wird."

München - Madrid, 20.45 Uhr

FC Bayern München: Neuer - Lahm, J. Boateng, Dante, Alaba - Javi Martinez, Schweinsteiger - Robben, T. Müller, Ribery – Mandzukic. - Trainer: Guardiola
Real Madrid: Casillas - Carvajal, Pepe, Sergio Ramos, Fabio Coentrao - Modric, Xabi Alonso, di Maria - Bale, Benzema, Cristiano Ronaldo. - Trainer: Ancelotti
Schiedsrichter: Proenca (Portugal)

Der Kopf hat bei Deutschland-Gastspielen von Real Madrid stets eine wichtige Rolle gespielt. In 25 Auftritten in Deutschland verlor Real vor Beginn der diesjährigen K.o.-Runde 18 Mal. Nur einmal, im Jahr 2000, gelang ein Sieg bei Bayer Leverkusen. Dann kam das Achtelfinal-Hinspiel beim FC Schalke, dieser denkwürdige 6:1-Sieg in Gelsenkirchen. Real schien endgültig kuriert von seinem "Fluch" - ehe die Madrilenen im Viertelfinal-Rückspiel in Dortmund wieder von Männern zu Mäusen mutierten und den K.o. trotz des 3:0-Vorsprungs aus dem Hinspiel nur mit viel Glück abwenden konnten. Noch trüber als in Dortmund, wo Real zuletzt dreimal in Folge verlor, sieht die Madrider Statistik in München aus. Von ihren 19 Niederlagen in Deutschland kassierten die Madrilenen allein neun beim FC Bayern.

Die Madrider Sportzeitung "Marca" erklärte München für Real zu einer "verdammten Stadt". Ancelotti beeindruckt das nicht. "Ob wir das Finale erreichen, hängt nur von uns ab", sagt der 54-jährige Italiener: "Jeder muss sich voll reinhauen. Unser System ist nicht so wichtig, aber unsere Einstellung wird es sein." Und wenn einer den "München-Fluch" der Madrilenen brechen kann, dann Ancelotti. Als Trainer ist er gegen den FC Bayern noch ungeschlagen. 2003 und 2007 hat er die Champions League mit dem AC Mailand gewonnen.

"Sie sollten die Feuerwehr rufen"

Trotz der Grenzerfahrung in Dortmund und der miserablen München-Bilanz zeigten sich die Madrilenen vor dem Halbfinal-Rückspiel deshalb selbstbewusst. Die Kampfansage von Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge, der brennende Bäume versprach, konterte Außenverteidiger Marcelo ironisch: "Wenn in München die Bäume brennen, sollten sie die Feuerwehr rufen." Die Sportzeitung "AS" erkor Reals Weltfußballer Cristiano Ronaldo kurzerhand "zum Brandstifter von München" und kündigte an, der Portugiese werde "nicht nur Bäume, sondern die ganze Stadt in Flammen setzen".

Während die Münchner den dritten Finaleinzug in Folge anstreben, wollen die Madrilenen nicht zum dritten Mal in Folge im Champions-League-Halbfinale an einer deutschen Mannschaft scheitern. Das große Ziel heißt "La Decima", der zehnte Triumph in der Königsklasse. 4000 Madrider Fans werden in München erwartet. Innenverteidiger Sergio Ramos versprach ihnen, dass "wir um unser Leben spielen" werden. Ronaldo, dem nach bisher 14 Saisontreffern noch ein Tor zum Champions-League-Rekord fehlt, kündigte an: "Wir haben unsere Waffen, sind in guter Form und haben Selbstbewusstsein." Dieses Jahr, fügte er an, "glaube ich an den Endspieleinzug und den großen Erfolg". Nach dem knappen Hinspielsieg sieht nicht nur Ronaldo sein Team leicht im Vorteil, zumal Real mit Gareth Bale auch der zweite Offensivstar zur Verfügung stehen dürfte.

Das soll sich im Angriffsspiel der Madrilenen bemerkbar machen, kündigte Ancelotti an: "Es ist auch möglich, ohne eigenen Treffer weiterzukommen, aber wir wollen natürlich ein Tor erzielen. Wir haben in der Champions League und der Liga eine Menge Tore erzielt und so soll es auch dieses Mal sein." Eine taktische Änderung im Vergleich zum Heimspiel deutete er aber an: "Wir haben im Hinspiel zu verhalten angefangen. Wenn wir das morgen wieder so machen, wird es sehr gefährlich." Wahrscheinlicher ist, dass Real wie im Pokalfinale gegen den FC Barcelona auf ein frühes Tor drängt. Dann bräuchten die Münchner schon drei Treffer - und Real könnte tun, was das Team im Moment wohl besser beherrscht als jede andere Fußballmannschaft der Welt: kontern. Damit es am Ende heißt: Gelsenkirchen, Dortmund, München - Lissabon.

Quelle: ntv.de