Fußball

So läuft das Pest-Cholera-Finale Red-Bull-Brothers fordern Kovac' FC Bayern

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Kovac gegen Rangnick heißt das Duell auf der Trainerbank.

(Foto: imago images / Matthias Koch)

Für die Leipziger ist das DFB-Pokalfinale eine Premiere, nur will kaum einer mit ihnen sprechen. Der FC Bayern ist da routinierter, und auch gefragter. Bei der Frage nach der beruflichen Zukunft des Trainers Niko Kovac eiern die Münchner aber weiter herum.

Worum geht's?

Nun, die bei den Fans anderer Klubs mutmaßlich unbeliebtesten Fußball-Mannschaften des Landes streiten sich um den Sieg im 76. Finale um den Vereinspokal des Deutschen Fußball-Bundes (20 Uhr im Liveticker bei n-tv.de). Die Kollegen von Zeit online haben deshalb mit einem Mediziner ausschließlich besprochen, was denn nun schlimmer sei: Pest oder Cholera?

Der FC Bayern ist zum 23. Mal dabei. 18 Mal hat er gewonnen, das ist ein Rekord. Für Rasenballsport Leipzig ist es eine Premiere, ein Getränkekonzern hat den Verein ja auch erst vor zehn Jahren gegründet. Die Red-Bull-Brothers from Saxonia begleiten ihren Auftritt in Berlin gewohnt professionell, aber in ihrem Streben um Anerkennung noch etwas nachdrücklicher als sonst. Auf 3000 Werbeflächen und 1000 Plakatwänden machen sie in der Hauptstadt Reklame für sich, mit dem Hashtag #WirPokalisieren und dem Slogan "Vorsicht, freilaufende Bullen". Zumindest in Leipzig kommt das mit dem Endspiel gut an. Die 24.000 Karten für das Endspiel waren in weniger als drei Stunden weg. Und natürlich ist das Olympiastadion mit seinen mehr als 74.000 Plätzen ausverkauft.

Wie ist die Ausgangslage?

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Peter Gulacsi kassierte die wenigsten Tore der Liga.

(Foto: imago images / Picture Point LE)

Beide Trainer bekunden Respekt. Leipzigs Ralf Rangnick sagt: "Nun haben wir den schwerstmöglichen Gegner, den man in Deutschland bekommen kann." Niko Kovac schmeichelt: "Das kann ich dem Ralf wiedergeben: Das ist der schwerste Gegner, den wir kriegen konnten." Es trifft die beste Defensive auf die die beste Offensive der Bundesliga. Die Leipziger haben in 34 Spielen 29 Tore kassiert, die Münchner 88 geschossen. In der Rückrundentabelle stehen die Bayern auf Platz eins, sieben Punkte vor RB auf Rang zwei. Am 33. Spieltag gab's ein Nullnull in Leipzig. Dass am Ende der Meister zum siebten Mal in Folge FC Bayern heißt und sich die Leipziger als Tabellendritte in die Champions League spielten, dürfte sich herumgesprochen haben. Was das für dieses Endspiel bedeutet? Vermutlich nichts.

Wie ist der FC Bayern drauf?

So könnten sie spielen

RB Leipzig: Gulacsi - Klostermann, Konaté, Orban, Halstenberg - Laimer, Kampl - Sabitzer, Forsberg - Poulsen, Werner. - Trainer: Rangnick
FC Bayern München: Neuer - Kimmich, Süle, Hummels, Alaba - Thiago, Javi Martinez - Müller - Gnabry, Coman - Lewandowski. - Trainer: Kovac
Schiedsrichter: Tobias Stieler

Die Münchner könnten zum zwölften Mal das beliebte Double aus nationaler Meisterschaft und Pokalsieg feiern. Präsident Uli Hoeneß erinnert sich aber an das 75. Finale, am 19. Mai 2018 gab's ein 1:3 gegen Frankfurt. "Wir müssen aufpassen, dass wir nicht wie letztes Jahr so ein bisschen die Luft rauslassen, als wir allerdings viel früher Meister waren." Das ist also geklärt. Noch immer nicht geklärt ist die berufliche Zukunft von Trainer Kovac, der nach dem Pokalsieg mit der Sportgemeinde Eintracht beim FC Bayern angeheuert hatte. Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsvorsitzende, hat nun behauptet: "Keiner bei uns hat etwas in die Richtung in Frage gestellt." Er sei sich mit Hoeneß einig. "Wenn ich eine unterschiedliche Meinung zum Trainer hätte, wäre er nicht Trainer."

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Die Laune der Vereinsspitze: eher mittelmäßig.

(Foto: imago images / Laci Perenyi)

Nun könnte man daraus schließen, dass Kovac eine zweite Saison bleiben darf, zumal sein Vertrag bis zum 30. Juni 2021 gilt. Es ist aber nur die Fortsetzung des unwürdigen Spiels der Münchner mit ihrem Trainer. Rummenigge sagte: "Wir haben gesagt, wir setzen uns nach der Saison zusammen und analysieren alles, und dann sehen wir, wie es weitergeht. Daran halten wir fest." Warum nur sagen sie nicht einfach: ja. Oder halt nein. Wir wissen es nicht. Kovac weiß es offenbar auch nicht. Am Freitag sagte er dazu nur: "Das ist deplatziert, wir haben morgen ein Pokalfinale." Alles, was ihn betreffe, sei sekundär. "Den Rest werden wir in den nächsten Tagen sicherlich noch besprechen." Grundsätzlich ist die Variante sehr reizvoll, die Armin Veh vorgeschlagen hat. Das ist jener Sportchef des Aufsteigers 1. FC Köln, der seinen Trainer trotz Tabellenführung gefeuert hat. Dem "Express" also sagte Veh: "Es wäre eine coole Sache, wenn Niko nach dem Gewinn des Doubles einfach abtritt, dann wäre er wieder selbstbestimmt und die Bayern hätten den Salat."

Was macht RB Leipzig?

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Fährt Timo Werner gleich mit nach München?

(Foto: imago images / Picture Point LE)

Die Leipziger haben sich schlau gemacht. Der deutsche Nationalverteidiger Lukas Klostermann hat beim gemeinsamen Anschauen diverser Videos offenbar gut aufgepasst und fasst im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" die offensiven Stärken des FC Bayern so zusammen: "Robert Lewandowski ist ein Mittelstürmer von absoluter internationaler Klasse, dazu starke Außen mit Serge Gnabry und Kingsley Coman, gegen Frankfurt haben dann auch Frank Ribéry und Arjen Robben Tore gemacht." Die beiden Altmeister werden wie Außenverteidiger Rafinha den FC Bayern verlassen und wie beim 5:1 im letzten Bundesligaspiel gegen die Eintracht zumindest erst einmal auf der Bank der Münchner sitzen. Aber darum kümmert sich Klostermann nicht groß.

Er verweist darauf, dass Leipzig "in dieser Saison in 16 von 34 Spielen ohne Gegentor geblieben" ist. "Darauf liegt der Fokus bei uns." Was er vom Finale erwartet? "Wir wollen gewinnen, was sonst?" Dieses Ansinnen hat auch Rangnick: "Es wäre die Krönung einer jetzt schon außergewöhnlichen Saison." Er gab sich optimistisch. "Wir trauen uns das zu." Zumal sein Team gerne im Olympiastadion spiele. "Wir haben hier in den letzten drei Spielen in der Summe 14 Tore gemacht." Das Problem ist, dass es diesmal nicht gegen die Hertha geht. Das weiß auch der Trainer. "Ich gehe jetzt nicht davon aus, dass wir fünf oder sechs Tore schießen." Zwei oder drei sollten es aber sein, vielleicht von Timo Werner. Dem Angreifer wird Interesse am FC Bayern nachgesagt, umgekehrt auch, wobei seine taktische Eignung für den Rekordmeister zweifelhaft ist. Das kommentierte Rangnick nicht, die Wechselgerüchte ebenfalls nicht. Nur so viel: Die Formkurve des Nationalspielers zeige nach oben. Vorher hatte er bei Sport1 gesagt: "Entweder verlängert er seinen Vertrag doch noch. Oder, wenn er das aber nicht möchte, ist unsere klare und auch besprochene Vorstellung, dass er diesen Sommer wechselt." Werners Vertrag gilt bis 2020. Und nur, wenn er jetzt geht, bekommen die Leipziger Geld für ihn.

War sonst noch was?

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Ja, Willi Orban war auch bei der Pressekonferenz.

(Foto: imago images / Bernd König)

Zumindest bei der Pressekonferenz am Freitag im Olympiastadion hat das mit der Anerkennung für die Red-Bull-Brothers nicht ganz so geklappt, wie sie sich das in Leipzig vorstellen. Die Journalisten waren eher daran interessiert, ob der Münchner Kapitän Manuel Neuer nach seiner fünfwöchigen Zwangspause spielen kann (kann er) und was Trainer Kovac zu seinen beruflichen Perspektiven sagt (nichts). Da sah sich Jens Grittner, der Pressesprecher des DFB, glatt genötigt, die Fragerunde aufzufordern, doch bitte auch Leipzigs Trainer Rangnick und den Kapitän Willi Orban anzusprechen. Und als dann Orban immer noch nicht viel gesagt hatte, weil er nicht gefragt worden war, und sich die Veranstaltung dem Ende zuneigte, wiederholte der Conférencier seinen Appell - und Orban sprach tatsächlich. Leider waren wir so überrascht, dass wir nicht aufgeschrieben haben, was er gesagt hat.

Quelle: n-tv.de

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